Eines seiner berühmten Bilder, das Ernst Blumenthal 1856 in Wildbad aufnahm: Es zeigt (von links) den Kronprinzen und späteren König Karl von Württemberg, Kaiserin Alexandra von Russland, deren Tochter Prinzessin Olga, König Wilhelm I. von Preußen und den Zaren Alexander II. von Russland.Foto: Landesarchiv Foto: Schwarzwälder Bote

Für Bad Wildbad und darüber hinaus einen regelrechten Schatz auf die Platte gebannt haben – vor mehr als 150 Jahren startend – über Generationen hinweg die Blumenthals. Karl Blumenthal ist auf dem Bad Wildbader Waldfriedhof begraben.

Beim Gang über den Friedhof weckt so mancher Name auf einem Grabstein Erinnerungen. Oft geht es dabei um eine ganz persönliche Verbundenheit. Manchmal steckt dahinter aber – auch auf dem Waldfriedhof – ein Prominenter oder besonders verdienter Mitbürger. Dann interessiert die hinter dem Namen steckende Geschichte vielleicht viele Leser. In einer kleinen Serie soll in unregelmäßigen Abständen berichtet werden.

Bad Wildbad. Bemerkenswerte Serien hielt vor 100 bis 125 Jahren Karl Blumenthal (1866 bis 1944) auf Glasplatten fest, die damals Vorgänger des noch lange auf sich warten lassenden Rollfilms oder gar der heutigen Chips fürs Digitalbild waren. Sein Grab ist eines, das auf dem Waldfriedhof an einen besonders verdienten Bad Wildbader erinnert.

Im baden-württembergischen Landesarchiv stehen heute die berühmten Fotos im "Bestand J 312" jedem, der sie anschauen möchte, digital zu Hause auf dem PC zur Verfügung. In der Einleitung schreibt das Archiv, wo auch die Glasplatten und Abzüge lagern: "Durch Vermittlung der Stadt Bad Wildbad übernahm das Hauptstaatsarchiv Stuttgart im Mai 2002 das Fotoarchiv der Firma von Schoenebeck." Dieter von Schönebeck hatte das Atelier der Blumenthals um 1950 übernommen und führte in gewissem Rahmen die Dokumentation der Stadt und ihrer Umgebung bis 2003 weiter. Nicht weniger als 4500 Bilddokumente sind erhalten.

Russisches Zarenpaar

Karl Blumenthal war das Fotografieren in die Wiege gelegt: Denn wie später er, war auch sein Vater, Ernst Blumenthal, schon württembergischer Hoffotograf. Wer – vom Waldfriedhof her gesehen – das Tal überquert und im denkmalgeschützten Uhlandfriedhof Ausschau hält, kann dort dessen Grabstein finden. Allerdings fehlt diesem zumindest momentan die eingelegte Tafel mit Name und Daten. Susanne Schotte, beim städtischen Bauamt für die Friedhöfe zuständig, sucht derzeit nach dem Grund. Ernst Heinrich Blumenthal, wie er mit vollem Namen hieß, hat schon 1856 in Wildbad das berühmte Foto vom russischen Zarenpaar, dessen Tochter Olga mit Kronprinz Karl von Württemberg und dem Preußen-König Wilhelm I. aufgenommen.

Damals hatte der Fotograf sein Atelier in Stuttgart. Nachdem er sich in den 1840er-Jahren aus Thüringen kommend nach Wildbad verheiratet hatte, zog es ihn in die Landeshauptstadt. Aber er führte ab 1856 ein "Bade-Saison-Atelier" in Wildbad, wie Heimatforscher Fritz Barth ausgekundschaftet hat und in seiner 28-seitigen Druckschrift, "Die Blumenthals" aus dem Jahr 1997, schreibt. "Photographische Aufnahmen werden täglich von Morgens 7 Uhr bis Abends 6 Uhr in jeder beliebigen Größe, sowohl von einzelnen Personen, wie auch größeren Gesellschaften auf’s Beste angefertigt", warb Blumenthal 1865 mit einer Anzeige im "Enztäler".

Zwei Jahre zuvor hatte er seinen Sitz in Stuttgart aufgegeben und ließ sich endgültig in Wildbad nieder.

Er eröffnete 1872 das Hotel "Villa Blumenthal" am Kurpark mit angebautem Fotoatelier. Erst fünf Jahre später wurde die katholische Kirche daneben eingeweiht. Das ehemalige Gebäude der Blumenthals ist seit 1995 als Kulturdenkmal eingetragen, auch wenn es – später "Hotel am Kurgarten" – nach einem Brand in jüngerer Zeit und jahrelangem Leerstand gerade nicht mehr diesen Eindruck vermittelt. Saniert wurde das Haus nach einem vorangegangenen Feuer 1980 unter Beibehaltung der ursprünglichen Bauform. Wer genau hinschaut, findet unter dem Balkon zur ehemaligen Kernerstraße und heutigen Blumenthal-Promenade hin noch die Initialen des Erbauers und das Baujahr: "EB – 1872."

Nachkommen von Ernst Blumenthal waren die Wildbader Gustav Adolf Blumenthal (1912 bis 1999, Enkel) und Ulrich Blumenthal (1947 bis 2015, Urenkel). Der ältere von beiden lebte ab 1928 als Fotograf in Garmisch-Partenkirchen, war 1936 Olympiafotograf und wurde außerdem durch erfolgreiche Experimente mit Magnesiumfackeln als Vorläufern des Fotoblitzes bekannt. Auf dem Waldfriedhof zu finden ist das Grab von "Uli" Blumenthal. Der Lehrer am Wildbader Gymnasium hat sich als Autor, Fotograf und Heimatforscher einen Namen gemacht. Internationale Meisterehren heimste er als Drachenflieger ein. Den Ruhestand konnte er nur wenige Jahre genießen: Bei einem Gleitschirmflug bei Ruhpolding riss ihn 2015 ein tragischer Unfall aus dem Leben.

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