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Bad Wildbad Ein einzigartiges Fremdenbuch der Kurstadt

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Die riesige Felsplatte ist sowohl ein Natur- als auch ein Kulturdenkmal.Foto: Bechtle Foto: Schwarzwälder Bote

Bad Wildbad. Während der Bad Wildbader Sommerberg mit Baumwipfelpfad, Wildline-Hängebrücke, Märchenweg und Abenteuerwald eine touristische Attraktion der besonderen Art ist und per Bergbahn oder Auto relativ einfach leicht zu erreichen ist, bildet der auf der anderen Talseite östlich der Enz ansteigende Meisternrücken ein echtes Kontrastprogramm.

Hier gibt es absolut ruhige Bereiche, und außer dem Startplatz der Gleitschirmflieger in der Nähe der Butterhütte nur eine besondere Attraktion, nämlich den Riesenstein. Diese riesige ziemlich ebene Felsplatte in 715 Meter Meereshöhe erreicht man von der Butterhütte aus auf dem sogenannten Grenzweg (gelbe Raute), einem für Kinderwagen ungeeigneten Waldpfad nach knapp zwei Kilometern. Zur Butterhütte führt ein befahrbarer Anfahrtsweg (verboten von 20 bis 6 Uhr), den man möglichst behutsam fahren sollte, nicht nur wegen des Wegzustandes, sondern auch wegen der geringen Breite, da es kaum Ausweichmöglichkeiten gibt. Besser ist der fußläufige, etwas anstrengendere Aufstieg über den ab der Stadtkirche ausgeschilderten Graf-Eberhard-Weg, der früher der Schulweg der Kinder des Kleinenzhof in ihre Wildbader Schule war.

Der Riesenstein, neben dem auch eine Schutzhütte steht, trägt eine Vielzahl an Inschriften, Namen und Daten, die man hier suchen und finden kann, was besonders Kindern, aber auch vielen Erwachsenen Spaß macht. Sinnvoll: einen dicken Nagel mitnehmen, um das Moos in den Buchstaben und Zahlen wegzukratzen.

Viele Besucher mit Gravur verewigt

Die riesige Steinplatte trug früher die Bezeichnungen "Langer Stein" und "Fürstenstein", vor allem deshalb, weil auf der großen Oberfläche, so heißt es im 1928 erschienenen Neuenbürger Heimatbuch "die Namen von mehr denn hundert fürstlichen, gräflichen Personen und anderen hohen Badegästen, welche in vorigen Zeiten ihre Collationes (Zusammenkünfte), Tänze und Lustbarkeiten darauf gehalten, ordentlich eingehauen seyend". Auch heute findet man in diesem eigenartigen Fremdenbuch der Kurstadt noch Jahreszahlen ab dem 17. Jahrhundert.

Früher erreichte man die ehemals frei liegende, heute von Wald umgebene Steinplatte zu Fuß oder auf einem Reitesel, den man im Tal mitsamt Führer mieten konnte. Außerdem hatte man von dort eine tolle Aussicht ins obere Ental.

Seit Justinus Kerners Wildbadbeschreibung (1811) erschienen ist, trägt die riesenhafte Felsplatte einen dritten Namen, nämlich "Riesenstein". Kerner erklärt dies so: Hier liege, entsprechend einer Sage, ein Riese begraben, weshalb in Ernst Meiers Sagenbuch (erschienen um 1852) der Riesenstein auch als "Leichenstein eines Riesen" bezeichnet wird.

Der Grenzweg bezeichnet eine Forstgrenze, und man findet entlang dieses Weges niedrige Grenzsteine, die auf der westlichen Seite (Wildbadseite) eine stilisierte Tanne (für Wildbader Forst), auf der östlichen Seite eine Hirschstange als Zeichen für den Staatswald tragen.

Sehr gut geeignet ist der Meisternrücken auch für das inzwischen recht beliebte "Waldbaden", auch wenn es hier oben keine Holzbadewanne wie auf dem Sommerberg gibt, dafür wunderbare Luft durch den Mischwald, keine Fahrradfahrer, herrliche Ruhe und kein Betrieb, also ein besonderer kostenfreier Erholungsfaktor für Gemüt und Seele, den man eigentlich zu jeder Jahreszeit nutzen kann.

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