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Bad Wildbad Ein Badener nimmt Abschied von Schwaben

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Am Freitag hat der Badener Fredy Pfeiffer den letzten Arbeitstag in seinem Büro im schwäbischen Polizeiposten Bad Wildbad, das geschmückt ist mit badischer Flagge, umrahmt vom KSC-(Valencia)Fanschal und der württembergischen Flagge.Foto: Mutschler Foto: Schwarzwälder Bote

Als sich Fredy Pfeiffer vor fünf Jahren als Leiter des Bad Wildbader Polizeipostens bewarb, musste er erst einmal nachschauen, wie weit die Stadt im Enztal von seiner Heimat Auerbach entfernt ist. Mittlerweile hat er die Gegend kennen- und lieben gelernt. Am Freitag hat der Badener nun seinen letzten Arbeitstag im Schwäbischen.

Bad Wildbad. Dass Fredy Pfeiffer Badener ist, erkennt man als Einheimischer auch nach den fünf Jahren, die er jetzt den Polizeiposten in Bad Wildbad leitet, immer noch an seinem Dialekt. Spätestens merkt man es dann aber, wenn man sein Büro betritt. Denn dort prangt an prominenter Stelle die gelb-rot-gelbe badische Flagge, flankiert vom Fanschal des Karlsruher Sportclubs – und immerhin auch der königlich-württembergischen Flagge.

Hier sitzt er an seinem Schreibtisch und zeigt seinen Kalender. Der letzte Arbeitstag am Freitag, 29. Mai, ist dick eingetragen. Grund genug, auf seine lange Polizistenlaufbahn zurückzublicken. "Am 1. September 1976", kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort auf die Frage nach seinem Ausbildungsbeginn bei der Bereitschaftspolizei in Bruchsal. Zwischen der Ausbildung heute und früher lägen Welten, erzählt er – und das sei auch gut so. "Das war früher vollmilitärisch", erinnert er sich zurück. Danach folgte der Streifendienst bei der Schutzpolizei in Karlsruhe und Ettlingen, später kam er dann zum Notruf Karlsruhe. Als dort eine Dienstgruppenstelle frei wurde, bewarb sich Pfeiffer darauf. Denn damals habe die Funktion noch eine große Gewichtung bei Beförderungen gehabt. Er bekam die Stelle und wurde so ein Jahr später Hauptmeister. Von 1987 bis 2002 war er dort Dienstgruppenleiter. Und die Einheit wurde zur Unterstützungsgruppe, eine Stufe unterhalb des Sondereinsatzkommandos (SEK). So kam er sogar zu einer besonderen Ehre: Gleich zwei Mal durfte seine Einheit beim beliebten ARD-Sonntagabendkrimi "Tatort" mitspielen.

2002, nachdem 1999 Betrugsfälle von der Kriminalpolizei zur Schutzpolizei gewechselt waren, wurde dann auch im Polizeipräsidium Karlsruhe eine Ermittlungsgruppe "Unbare Zahlungsmittel" gegründet, die sich hauptsächlich mit Scheck- und Kreditkartenbetrug befasste. Pfeiffer wurde Leiter der gesamten Zentralen Ermittlungsgruppe, die neben Betrugs-, Drogen- und Graffiti-Delikten auch zwei szenekundige Beamte umfasste, die in Sachen KSC-Hooligans tätig waren. Hier bekam es Pfeiffer auf dem Gebiet der Betrugsdelikte auch mit organisierter Kriminalität zu tun. "Das war schon stressig", gibt er zu. Aber es hat ihm auch Spaß gemacht. Und dann kam die Polizeireform.

Und dann kam die Polizeireform

"Ich war nur zwei Mal traumatisiert bei der Polizei", erzählt er freimütig. Einmal sei es eine Leiche gewesen, die ihn vier Wochen lang beschäftigt hat. Und das andere Mal war es die Polizeireform, in deren Zug ihm 2012 mitgeteilt worden sei, "dass unsere Dienststelle aufgelöst wird". Daran hat er "richtig zu knabbern gehabt", gibt er zu. 2014 griff dann die Reform, "und es gab die Dienststelle nicht mehr". So wechselte er als stellvertretender Leiter zum Objektschutz – wurde da aber nicht so recht glücklich. "Ich bin ein Schaffer, bin damit nicht so recht warm geworden", sagt er.

Ja, und dann kam die Stellenausschreibung von Bad Wildbad. Er kannte die Stadt vom Motorradfahren, auch das Sommerberghotel war ihm aus besseren Zeiten noch ein Begriff. Deshalb habe er sich das auf der Karte angeschaut, wie weit das von seiner Heimat Auerbach, einem Teilort von Karlsbad, eigentlich weg sei. "In meiner Vorstellung war Bad Wildbad unheimlich weit weg", sagt er. Dann habe er aber festgestellt, dass es auch nicht weiter sei als nach Karlsruhe in die Moltkestraße, dem Sitz des Polizeipräsidiums.

Und so kam er hierher. Etwas Bedenken hatte er noch wegen den angeblich so strengen Wintern. Und weil er der einzige Badener unter Schwaben sein würde. Aber er habe diesen Schritt nie bereut und "viele nette Kontakte" mit Bürgern, Behörden und Institutionen geknüpft und "herzliche Gespräche" geführt – und er sei immer gerne auf Fußstreife unterwegs gewesen. Dort erklärte er dann auch mal gerne den zu schnellen Autofahrern in der König-Karl-Straße, wie man mit dem Auto Schrittgeschwindigkeit fahren kann, erzählt er schmunzelnd. Und ihm gefällt auch das "völlig andere Aufgabenspektrum" in Bad Wildbad, die "ganz normale Polizeiarbeit", mit allem, was dazu gehört – und das auch noch mit guten Kollegen. "Die Kollegen machen einen super Job und sind dermaßen bürgernah und gutmütig. Sie reden mit Engelszungen auf die Leute ein", gerät er regelrecht ins Schwärmen. Auch wenn die ihn immer wieder mit den (Miss-)Erfolgen des KSC aufziehen.

Beim Rückblick auf seine lange Dienstzeit fallen ihm spontan sowohl lustige als auch gefährliche Situationen ein – etwa, als auf ihn geschossen wurde, oder er von einer Feuerleiter stürzte und blutend die Verfolgung eines Mannes aufnahm, von dem er wusste, dass dieser HIV-positiv war. Noch heute ist er "gottfroh", dass bei einer Abschiebung nichts Schlimmeres passiert war, als eine Frau hyperventilierte – und plötzlich einen Herzstillstand hatte. Pfeiffer, der nur eine Woche zuvor einen Rot-Kreuz-Kurs besucht hatte, startete sofort die Wiederbelebung mit einem Kollegen und nach kurzer Zeit schlug das Herz wieder. Und einmal hat er mit seiner Einheit die falsche Wohnung gestürmt, weil bei der Übermittlung der Straße ein Fehler passiert sei. Und so "haben wir ein Paar erwischt, das gerade Zärtlichkeiten ausgetauscht hat", sagt er lachend. Als kleine Entschuldigung standen die Polizisten dann einige Tage später wieder vor der Tür – dieses Mal aber mit Blumen anstatt der Ramme.

So blickt er auf eine erfüllte Karriere zurück, im vorletzten Jahr wurde er noch zum Ersten Polizeihauptkommissar befördert, der Endstufe im gehobenen Dienst. Auf eines hätte Pfeiffer, der übrigens nach dem Schlagerstar Freddy Quinn benannt wurde und tatsächlich Fredy heißt – das zweite "d" ging beim Eintrag in die Geburtsurkunde verloren – aber gut und gerne verzichtet: den Ausbruch des Coronavirus. Zwar hat er einen Großteil der Pandemie im (Rest-)Urlaub verbracht, aber er hätte sich einen anderen Abschied aus dem Dienst gewünscht. So kann er nicht einmal eine Abschiedsfeier machen, aber er verspricht: "Die wird nachgeholt."

Und er freut sich schon darauf, wenn er als Pensionär nach Wildbad zurück kommen kann und die "guten Bäckereien, Gastronomie, die Thermen und die schöne Landschaft" genießen kann. "Ich werde öfter herkommen", verspricht er, auch wenn er befürchtet, dass ihn der bekannte Rentnerspruch – "I hab keine Zeit" – auch treffen wird. Denn langweilig wird ihm als Vorstand des Auerbacher Fußballvereins nicht, zudem renoviert er gerade ein Haus. Dennoch will er sich auch Zeit nehmen. Unter anderem zum Motorrad fahren. Und zum Wandern mit den pensionierten Kollegen – am liebsten zur Grünhütte.

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