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Bad Wildbad "Diese Gabe Gottes hatte ich schon als Kind"

Von
Hellseherin Elena David "sieht" beim Kartenlegen und Handlesen die Zukunft von Menschen voraus. Foto: Jänsch Foto: Schwarzwälder Bote

Es gibt die einen, die daran glauben. Und es gibt jene, die diejenigen, die daran glauben, für verrückt halten. Einen "toleranten Mittelweg" gibt es eigentlich kaum. Übersinnliches ist eben nichts für jedermann. Ich möchte mir ein eigenes Bild davon verschaffen.

Bad Wildbad. Ich selbst würde mich eher letzterem Schlag zuordnen. Ich bin skeptisch all jenem gegenüber, das ich nicht wenigstens mit einem meiner Sinne wahrnehmen oder begreifen kann. Obwohl ich nicht in Schubladen denke, positioniere ich mich bei diesem Thema recht klar. Dabei muss ich ehrlicherweise zugeben, dass sich meine Erfahrung mit Hellseherei und Kartenlegen auf Bilder beschränkt, die ich in meiner Kindheit und Jugend auf einschlägigen Fernsehkanälen beim Durchzappen aufgeschnappt habe. Nicht sonderlich aussagekräftig also.

Als ich erfahre, dass in Bad Wildbad eine Frau lebt, die von sich selbst behauptet, Kontakt zum Jenseits zu haben und Ereignisse vorherzusehen, ist mein journalistischer Instinkt geweckt. In ihrem Metier ist die Frau sogar sehr bekannt: Elena David hat in den 1990er-Jahren in Tageszeitungen kleine Prognosen zum Jahreswechsel veröffentlicht und einen Ausblick gegeben, was die Menschen erwarten wird. Auf einem privaten Fernsehsender hat sie zudem spirituelle Beratungen angeboten. Auf ihrer Webseite schreibt die gebürtige Rumänin, sie habe schon seit frühester Kindheit Kontakt zum Jenseits.

Die 76-Jährige empfängt mich sehr herzlich

Ich möchte sie kennenlernen und vereinbare einen Termin. Weil ich nicht hellsehen kann, verrät sie mir am Telefon, wo sie wohnt. Kurze Zeit später finde ich mich vor der Eingangstüre eines Mehrfamilienhauses wieder. Ich klingle. Elena Davids Stimme ertönt durch die Gegensprechanlage: "Bitte kommen Sie die Treppe nach unten", sagt die Frau mit leicht osteuropäischem Akzent. Seltsam, denke ich, ist unten nicht der Keller? Dann summt der Türöffner und ich trete durch die Tür in den dunklen Hausflur. Am anderen Ende des Ganges befindet sich eine Treppe, die tatsächlich nach unten führt. Dort ist es noch finsterer, als in dem ohnehin schon dunklen Gang. Dunkle Magie in dunklen Räumen? Ein Schauer läuft mir über den Rücken.

Doch dann öffnet sich am Fuß der Treppe eine Wohnungstür und das Licht aus dem Inneren verdrängt die Finsternis. Eine ältere, modern gekleidete Dame tritt strahlend über die Schwelle und begrüßt mich herzlich. Ich betrete Elena Davids Wohnung und sehe mich um.

Auf ihrer beschaulichen Terrasse hat sie sich eine spartanische Außenküche eingerichtet: "Ich koche draußen, auch im Winter", erklärt die Frau als sie meinen neugierigen Blick einfängt. "Warum sollte ich hier drinnen in der stickigen Wohnung kochen, wenn ich draußen die frische Luft genießen kann?" An diesem Tag war es wohl zu viel des Guten. Elena David läuft die Nase. Sie hat sich eine irdische Erkältung zugezogen.

Dann deutet sie auf einen Stuhl, lässt mich Platz nehmen und bietet mir das "Du" an. "Ich brauche deinen Vornamen und dein Geburtsdatum", sagt Elena, als die Höflichkeiten ausgetauscht sind. Es scheint loszugehen. Nachdem sie meine Daten niedergeschrieben hat, errechnet sie aus meinem Geburtstag meine persönliche Glückszahl. Es ist die sieben. Ich nehme es hin. Dann bittet sie mich um meine linke Hand und fängt an aus deren Innenseite zu lesen. Ich konnte dort bislang nur Linien erkennen, die mit der Zeit faltiger werden. Nicht so Elena.

"Du warst schon öfter auf dieser Welt", sagt Elena wie selbstverständlich, nachdem sie einige der Linien gezählt hat. "Und du warst nicht immer männlich", fährt sie fort. "In deinen 136 Leben warst du 48 Mal weiblich." Das überzeugt einen Skeptiker wie mich nicht wirklich. "Und noch immer hast du weibliche Züge an dir." Ich gehe in mich. Recht hat sie. Ich bin sensibel, einfühlsam und auch mal zickig. Alles Attribute, die man eher einer Frau zuschreiben würde. So kurz nach der Begrüßung dürfte sie diese Charaktereigenschaften aber eigentlich nicht erkannt haben.

Ein wenig skurril wirkt die 76-Jährige schon, wie sie da aus meiner Hand deutet. Aber keineswegs negativ – ganz im Gegenteil. Sie wirkt positiv verrückt. Keine Spur von Unsicherheit, keine zittrige Stimme, kein ausweichender Blick von Elena. Stattdessen strahlt sie mit ihrer stolzen Körperhaltung und ihrem nicht versiegen wollendem Lächeln große Gelassenheit und Zufriedenheit aus. Die selbstbewusste Frau scheint absolut mit sich im Reinen. Als sei es das Normalste von der Welt, was wir hier tun.

Meine Fassade beginnt zu bröckeln

"Du musst mit deiner Lunge und deinen Bronchien aufpassen", holt mich Elena aus meinen Gedanken zurück, als spüre sie meine Skepsis. "Hm?", frage ich. "Deine Bronchien. Du musst aufpassen, du hattest schon Probleme damit." Tatsächlich. Ich hatte als Kind Bronchitis, die sich später verwachsen hat. Ich komme ins Grübeln. So etwas kann man nicht raten. Ich hätte alles haben können. Alles und nichts. Nachdem sie noch ein, zwei andere Krankheitsfälle in der Familie richtig aufzählt, wird mir unwohl. Elena hat bislang keine einzige falsche Aussage getroffen. Bei all ihren Äußerungen bleibt sie sachlich, nüchtern, fragt nicht, schaut mich nicht fragend an, erwartet keine Rückmeldung. Sie betrachtet einfach aufmerksam meine Hand und "liest" mir daraus vor.

Als sie damit fertig ist, steht Elena auf, um einen Stapel Karten aus dem Regal zu holen. Diese Verschnaufpause brauche ich auch, um einzuordnen, was hier gerade passiert, um zu verdauen. Optisch würde man Elena nicht ansehen, dass sie irgendwie besonders ist, außergewöhnliche Fähigkeiten haben könnte. Und doch merke ich, wie meine Fassade bröckelt und meine Vorbehalte schwinden. Dann kehrt Elena zurück an Tisch. "Diese Gabe Gottes hatte ich schon als Kind", erklärt sie lächelnd. Nur habe sie als junges Mädchen noch nicht verstanden, warum sie Dinge wahrnimmt, die anderen entgehen erinnert sich die 76-Jährige, während sie mit dem Kartenlegen beginnt.

Ihre Treffsicherheit nimmt kein Ende. Sie sagt, dass mir ein Umzug bevorsteht, und sie hat Recht. Dass dieser nur für kurze Zeit angelegt ist, und sie hat Recht. Sie verrät mir, wie meine Partnerin aussieht, und sie hat Recht. Meine bröcklige Fassade bekommt tiefe Risse. Ich verfalle in eine Mischung aus Unbehagen und Bewunderung. Elena prophezeit mir etwas über meine private und berufliche Zukunft und ich weiß nicht, ob sie Recht hat. Ob ich spezielle Fragen dazu hätte, möchte Elena wissen. Doch ich bin viel zu erschlagen, um etwas zu fragen, überfordert mit der Situation. Darum drängt sie mich auch nicht.

Am Ende drückt mir Elena noch meine persönlichen Lottozahlen in die Hand. "Damit gewinnst du, Junge", sagt sie zum Abschied, als ich wieder in den dunklen Flur hinaustrete. Ich verlasse das Haus mit einem mulmigen Gefühl. Irgendwie hat eine Frau, die ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen habe, sehr intime Dinge über mich und mein Umfeld gewusst. Ich nutze keine sozialen Medien und gebe auch sonst im Internet nichts von mir preis. Wie kann jemand Fremdes solche Einzelheiten kennen? Ich fühle mich verletzlich, habe das Gefühl, dass ich dem "toleranten Mittelweg" näher bin als je zuvor. Aber ob es nicht trotzdem eine irdische Erklärung gibt? Ich betrete den nächsten Lottoladen und kreuze an: 4, 6, 9, 17, 35, 42.

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