Stück um Stück frisst sich der Abbruchbagger ins Gemäuer des ehemaligen Hotels Windhof; der Abriss dient der Vorbereitung des Geländes für einen Neubau der Heinrich-Sommer-Klinik. Fotos: Schabert Foto: Schwarzwälder Bote

Neubau: Die Heinrich-Sommer-Klinik des Berufsförderungswerks soll in einigen Jahren umziehen / Organisatorisch eine Einheit

Das Gebäude am Windhof wird abgerissen. Einst war es ein in den 1960er-Jahren erbautes Hotel und zuletzt drei Jahrzehnte lang Flüchtlingsunterkunft. Jetzt soll dort für einen Neubau der Heinrich-Sommer-Klinik Platz geschaffen werden.

 

Bad Wildbad. Bislang ist die Klinik mit dem Berufsförderungswerk Bad Wildbad (BFW) zusammen unter einem Dach in der Paulinenstraße. "Das Vorhaben wird nicht auf die lange Bank geschoben, aber der Prozess von Entscheidungen, Planung, Genehmigung und Umsetzung wird doch noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen", sagte BFW-Geschäftsführer Wolfgang Dings dem Schwarzwälder Boten. Ehrliche Freude war bei seinem Hinweis zu spüren, dass das Projekt der Entwicklung der Stadt und dem Gesundheitsstandort Bad Wildbad zugute komme.

Ein wenig ist die Geschichte des BFW mit der vor hundert Jahren in der Baetznerstraße errichteten Militärkuranstalt verknüpft. Als im September 1945 die französische Besatzungsmacht den damals längst in Versorgungskuranstalt umbenannten Gebäudekomplex für ihre Zwecke beschlagnahmte, zog die Einrichtung mit 120 Betten in das LVA-Krankenheim in der Paulinenstraße um. Dieses stand dort, wo später das Enztalgymnasium errichtet wurde.

Unter den Patienten waren sieben Querschnittsgelähmte. Sie wurden zu Remonteuren ausgebildet. Dies war der Start in die Umschulungsmaßnahmen durch das BFW. Auf der Homepage heißt es heute: "Im BFW Bad Wildbad finden sich beide Bereiche der medizinischen und der beruflichen Rehabilitation unter einem organisatorischen Dach. Die Heinrich-Sommer-Klinik steht dabei für die medizinische Rehabilitation. Historisch hat sich der Schwerpunkt der medizinischen Rehabilitation von Querschnittgelähmten herausgebildet."

Die neue Benennung der Klinik in Bad Wildbad ist 2004 nach Übernahme des BFW durch die gemeinnützige Josefs-Gesellschaft (JG) erfolgt. Sie gab diesen Namen nach dem Pfarrer Heinrich Sommer. Auf seine Initiative war 1904 die JG entstanden, nachdem sich der Katholikentag 1903 in Köln für die Schaffung einer "Krüppelfürsorge" ausgesprochen hatte. Der Bedarf der Klinik wächst. Dem will die Trägergesellschaft gerecht werden. Die 53 Betten reichen auf Dauer nicht mehr und die Möglichkeiten am bestehenden Standort sind ausgeschöpft.

Erholung vor dem Haus

Der Platz am Rande des Bad Wildbader Kurparks wird für die Patienten einmal den Vorteil haben, dass die nahezu ebenen Erholungsanlagen direkt vor dem Haus beginnen. Die Verbindung zwischen BFW und Klinik unter einem organisatorischen Dach soll dabei erhalten bleiben.

Die JG-Gruppe bietet differenzierte Hilfe nicht nur in der Bäderstadt. Sie hält in mehreren Bundesländern 10 000 Plätze für Behinderte vor. In rund 50 Leistungsbereichen arbeiten über 7000 Beschäftigte. In den Einrichtungen gehen die dort betreuten behinderten Menschen eigenverantwortliche Schritte der schulischen, beruflichen und sozialen Rehabilitation.

Schon im vorletzten Jahrhundert gab es vor dem Bau des jetzt in Abbruch befindlichen Hotels Windhof eine gleichnamige Ausflugsgaststätte. Alter und neuer gastronomischer Betrieb gehörten den gleichen Betreibern. Die alte Gaststätte stand etwas oberhalb direkt an der Kernerstraße und fiel erst vor wenigen Jahren der Spitzhacke zum Opfer. Eine Postkarte und Schriftverkehr aus der Zeit vor 1900 belegen, dass es sich um ein gerne besuchtes Haus mit Gartenwirtschaft handelte.