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Bad Wildbad Bäckerei Haag künftig in neuen Händen

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Krystian Kowacz (von links) und Lilyana Miteva sind die neuen Inhaber der Bäckerei Haag. Lothar Volz und seine Tochter Sabrina Seyler leiteten das Unternehmen bisher. Foto: Stadler

Bad Wildbad - Überraschend, aber nicht unerwartet, traf die rund 80 Beschäftigten der Bäckerei Haag die Nachricht, dass Chef Lothar Volz das Unternehmen verkauft hat. Ab 1. September übernimmt Konditormeister Krystian Kowacz nicht nur die sieben Filialen, sondern auch das komplette Personal.

Eine äußerst kurzfristig einberufene Betriebsversammlung deutete bereits im Vorfeld auf Neuigkeiten bei der Bäckerei Haag hin. Im Hotel Alte Linde in Bad Wildbad wurden die Mitarbeiter bei einem gemeinsamen Essen über die Zukunft des Betriebs informiert. Lothar Volz hat nach erfolgreicher Suche eines Nachfolgers die Bäckerei Haag verkauft. Sieben Jahre nach seiner Übernahme legt er das Traditionsunternehmen in die Hände von Konditormeister Krystian Kowacz.

Keine Änderung für das Personal

Nach einjähriger Verhandlungsphase mit zahlreichen Hindernissen ist es dem geschäftsführenden Gesellschafter der Bäckerei Haag, Lothar Volz, gelungen, die Verträge für den Verkauf der Traditionsbäckerei zu unterzeichnen. Veräußert wurde nicht nur die Bäckerei, sondern auch der bislang im Eigentum von Tochter Sabrina Seyler liegende Grund und Boden wird vom Nachfolger übernommen. Da sämtliche Verträge auf den neuen Besitzer übergehen, wird sich auch für das Personal nichts ändern. "Alles soll mit der Übergabe in vier Wochen reibungslos weiterlaufen", sagte Volz.

Betroffen von dem Verkauf sind sieben Filialen der Bäckerei Haag, zwei in Bad Wildbad sowie jeweils eine in Enzklösterle, Altensteig, Neuweiler und Besenfeld. Auch die zuletzt von Kurt Altenbach übernommene Bäckerei in Conweiler und damit siebte Haag-Filiale wurde verkauft. Die im Jahr 1925 von Fritz Haag gegründete Bäckerei, die ihren Hauptsitz in der Wildbader Straße in Nonnenmiß hat, wechselt nun im 95. Jahr ihres Bestehens bereits zum wiederholten Mal den Besitzer.

Im Rahmen der Betriebsversammlung blickte Volz zunächst auf die Zeit zurück, als die Bäckerei Haag in den Händen der Familie stand und sich über drei Generationen zu einem Traditionsunternehmen entwickelte, bei dem das Bäckerhandwerk noch heute für handgefertigte Backwaren steht, die selbst in luxuriösen Hotels in Baiersbronn den Hotelgästen serviert werden. Vor sieben Jahren, der Betrieb stand kurz vor der Schließung, kaufte Lothar Volz die Bäckerei Haag aus der Insolvenz. Zuvor war sie zwei Jahre lang durch den Insolvenzverwalter geführt worden. Trotz der schwierigen Ausgangslage wurden alle 30 Mitarbeiter in den damals vier Filialen übernommen. "Die Beschäftigten waren schnell motiviert, zogen gemeinsam an einem Strang, so dass das Unternehmen schnell wachsen konnte", blickte Volz zurück. Er beleuchtete die aktuelle Situation mit sieben gut laufenden Filialen und 80 Beschäftigten, darunter vier Bäckermeister.

Umsatzeinbrüche von 50 Prozent durch Corona

Problematisch sei derzeit primär Altensteig. Hier fehlen seit drei Jahren die Kunden aufgrund der Baustelle am Marktplatz. Auch durch die coronabedingte Situation wurden Umsatzeinbrüche von 50 Prozent verzeichnet. Nachdem die Hotels im Mai wieder öffneten und mit Backwaren beliefert wurden, legte die Bäckerei Haag einen rasanten Wiederstart hin, so Volz. Großer Dank galt deshalb seiner Belegschaft, die im Moment mehr als überdurchschnittliche Höchstleistungen vollbringe und am Limit arbeite. Blumensträuße gab es für Sekretärin Ruth Begemann, die während der Corona-Krise viele Zusatzaufgaben übernommen hat, und für Petra Feuerbacher, die neben der Filiale Neuweiler im neuen Geschäft in Straubenhardt-Conweiler für die Personaleinarbeitung verantwortlich war.

Volz hatte keinen Hehl daraus gemacht und bereits vor zwei Jahren signalisiert, dass er auch altersbedingt einen Nachfolger suche. Trotzdem kam die Nachricht für die Beschäftigten in gewisser Weise überraschend. Volz hatte die Information des Verkaufs trotz Spekulationen und Gerüchten solange geheim gehalten, bis auf den Verträgen mit seinem Nachfolger die Tinte getrocknet war.

Krystian Kowacz und seine Lebensgefährtin Lilyana Miteva waren sozusagen die Überraschungsgäste bei der Betriebsversammlung. Nach dem Hauptgericht wurden sie der Belegschaft quasi als Dessert präsentiert. Der 45-jährige Konditormeister und seine 40-jährige Lebensgefährtin betreiben aktuell in Pforzheim zwei Bäckereien. Kowacz stellte sich bei der Belegschaft mit einem kurzen Werdegang vor. Der gebürtige Pole lebt seit 1995 in Deutschland, hat in Bonn seine Ausbildung absolviert und besuchte in Stuttgart die Meisterschule. 2012 übernahm er die Bäckerei Groß in Pforzheim. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Lilyana Miteva, die in Pforzheim für die Personalleitung verantwortlich ist, betreibt er inzwischen erfolgreich zwei Bäckereien in der Goldstadt. "Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen Beschäftigten und werde alles tun für die Sicherheit und den Erhalt der Arbeitsplätze", sagte Kowacz und erntete hierfür großen Applaus. Ab jetzt wird der neue Inhaber im Betrieb unterwegs sein, um sich überall vorzustellen, bevor er dann ab September die kompletten Geschicke des Unternehmens übernimmt. Volz werde dem Konditormeister anfangs für den kaufmännischen Bereich beratend zur Seite stehen.

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