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Bad Wildbad "Am Ende ist es halt auch ein bisschen Glück"

Von
Foto: Bernd Mutschler

Bad Wildbad - Nach Bad Wildbad kam Klaus Mack bekanntlich über Enzklösterle. Dort war er einige Jahre Bürgermeister, bevor er in Bad Wildbad seinen Hut in den Ring warf. Und er sieht nach wie vor "großes Potenzial, hier zu arbeiten".

Klaus Mack ist Jahrgang 1973 und ist doch bereits seit 18 Jahren Bürgermeister –­ zuerst in Enzklösterle und seit 2006 in Bad Wildbad. Aufgewachsen ist er in Lonsee im Alb-Donau-Kreis. Nach seinem Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst in Ludwigsburg sei die Stellensituation sehr schlecht gewesen, erinnert er sich. Zu dieser Zeit hatte auch die Gemeinde Enzklösterle eine Hauptamtsleiterstelle ausgeschrieben und Mack bewarb sich – mit rund 180 weiteren Bewerbern in der kleinen Enztalgemeinde. Er setzte sich gegen die Vielzahl der Bewerber durch und kam so 1997 in den Schwarzwald.

Neben den Aufgaben im Hauptamt übernahm er 1998 – zunächst kommissarisch –­ die Leitung der Tourist-Info und wurde, obwohl er keine klassische Ausbildung im Tourismus-Bereich absolviert hatte, Kurgeschäftsführer. Er fand Gefallen an der Arbeit und war maßgeblich daran beteiligt, dass Enzklösterle mit der größten Schwarzwälder Kirschtorte der Welt sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde bekam.

2000 stand dann die Bürgermeister-Wahl in Enzklösterle an und Mack entschied sich, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Er gewann die Wahl und wurde so mit 26 Jahren Bürgermeister. "Das war viel kleiner als hier", erzählt er. Dennoch gab es große Aufgaben, die irgendwie gestemmt werden mussten. Wie etwa die Kanalisierung in Poppeltal –­ ein Projekt mit Kosten von zehn Millionen D-Mark bei einem Gesamthaushalt der Gemeinde von 2,5 Millionen D-Mark. Um das Projekt umsetzen zu können, habe er "lange verhandelt, bis wir 90 Prozent Zuschuss bekommen haben", sagt Mack. Dennoch habe auch der Eigenanteil den kleinen Haushalt "aufgebläht".

2006 folgte dann der nächste große Schritt. Die Wahl in Bad Wildbad war ausgeschrieben und es habe "großen Ärger in der Stadt" gegeben, Vorgänger Walter Jocher war umstritten. Wieder trat er also gegen einen Amtsinhaber an – wieder gewann er, unterstützt von allen Fraktionen. Und er trat kein leichtes Amt an. Die Finanzlage der Stadt war ein großes Thema, "immer schwierig". "Viele Dinge sind liegengeblieben", erinnert er sich. Die Stadt sei "fast vom Landratsamt zwangsverwaltet" worden, so Mack weiter.

Als erste Maßnahme sei die Anzahl der Stellen von 200 um 30 abgebaut worden, um finanziell "Luft zu schaffen". Die Ämter wurden von vier auf drei reduziert, das Ordnungsamt im Hauptamt eingegliedert. Auch die Stadtwerke wurden mit der EnBW als Partner ausgelagert und ist "heute ein modernes Unternehmen, das am Markt mitmischt". Aber es gab noch weitere Baustellen. Das Feuerwehrhaus etwa, das nicht mehr zeitgemäß gewesen sei. Nach einer Standortanalyse habe man "das Ding in einer Klausursitzung auf den Weg gebracht".

Auch die Bergbahn war "kaputt. Das wusste ich im Wahlkampf noch nicht", sagt Mack. Eine Sanierung hätte sechs bis sieben Millionen gekostet und die Maßgabe war klar: Pflicht – wie das Feuerwehrhaus –­ vor freiwilligen Aufgaben. Also ging Mack daran, ein Konzept zu erstellen. "Die Bergbahn war der größte Coup", freut er sich noch immer. Doch bis zur Sanierung war es ein weiter Weg – der unter anderem zu drei verschiedenen Ministerien führte. Der Tenor war immer gleich: "Nee, nee, bei mir nicht." Rein betriebswirtschaftlich mache das keinen Sinn. Aber Mack zeigte sich hartnäckig, wollte nicht "das Symbol des Aufstiegs" schließen.

Der Zufall kam ihm zu Hilfe, als der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger mit seinem gesamten Kabinett in Bad Wildbad zu Gast war und auch mit der Bergbahn fuhr. Kurzerhand ließ Mack die Bergbahn anhalten und ruckelig wieder anfahren, um die Minister darauf hinzuweisen, dass die Bahn marode und dringend sanierungsbedürftig sei. "Damals war ich noch jung", sagt der Schultes schmunzelnd. Immerhin: Der Trick hat funktioniert und aus dem Konjunkturprogramm des Bundes und dem zusätzlichen Landesförderprogramm zur Tourismusförderung erhielt die Stadt vier Millionen für die Sanierung. Und die Anekdote erzählte der damals als Minister in der Bahn anwesende Willi Stächele an Macks 40. Geburtstag noch einmal genüsslich.

Das zweite große Thema sei die Teilkommunalisierung des Staatsbades gewesen. Auch hier habe man lang mit dem Land verhandelt und am Ende gesagt: "Wir übernehmen alles, was nicht Bäder ist".

Für die weitere Zukunft der Bäderstadt sieht Mack zwei Schwerpunkte: die Entwicklung des Kurzentrums und die weitere Entwicklung des Sommerbergs als touristische Destination. Die Konzeption "Staatsbad 4.0" (wir berichteten) mit der Verlagerung der Vital-Therme in das Neue Eberhardsbad (NEB) stoße im Finanzministerium auf offene Ohren und es laufen laut Mack auch einige Prüfaufträge. Bis Ende des Jahres rechnet er mit ersten Ergebnissen. Natürlich bedeute das Konzept eine große Investition, aber es gebe auch viele Synergien. Derzeit würden Pläne erarbeitet, zu einem möglichen Umsetzungszeitraum könne er sich aber nicht äußern.

Die Stadt komme dann wieder ins Spiel, wenn es darum gehe, die planungsrechtlichen Voraussetzungen für ein Hotelobjekt am Standort Vital-Therme zu schaffen. "Ich bin der festen Überzeugung, wir brauchen ein zusätzliches Hotel oder eine Ferienanlage", sagt Mack. Politisch sei man sich einig, "dass wir die Anzahl der Betten in der Stadt gerne halten möchten und einige brechen weg", so der Bürgermeister weiter. Angesprochen werden sollen damit etwa die 250 000 Besucher des Baumwipfelpfades, gerade auch Familien.

Derzeit gebe es für das "Staatsbad 4.0" aber noch viele Hürden: das Land entscheidet sich gegen einen Umbau oder man findet keinen Hotelbetreiber. Wenn es nicht komme, habe das Land aber immer noch das leer stehende NEB und die Vital-Therme, die renovierungsbedürftig sei. "Im Moment läuft es", ist Mack zuversichtlich, dass sich das Land für einen Umbau entscheidet.

Weitergehen müsse außerdem die Innenstadtentwicklung, aber das sei "verdammt schwer. Der Einzelhandel ändert sich, braucht eigentlich große Flächen", sagt er. Eventuell könne man versuchen, Flächen mit einem Mietzuschuss zu beleben. "Die Leute sind da und stehen Schlange an der Bergbahn", sieht er durchaus Potenzial und fügt an: "Wenn die finanzielle Situation der Stadt besser wäre, könnte man Grundstücke strategisch aufkaufen" und so weiter entwickeln. So muss man auf Investoren hoffen. Wie etwa beim Bahnhofs-Areal. Das bezeichnet er als "riesen Schritt". Hier kommt in der nächsten Phase der Bebauungsplan im Gemeinderat auf die Tagesordnung.

Auch in Calmbach gibt es einiges zu tun. Das Freibad habe erheblichen Sanierungsbedarf. Hier sei es wichtig, den Sanierungsplan "einzutakten". Anfang nächsten Jahres soll zudem – endlich –­mit dem Bau der Mensa an der Fünf-Täler-Schule begonnen werden. Und Mack will noch einmal das Landesprogramm für die Realschulsanierung anzapfen. "Man kann ja nicht immer sagen, ich mache nichts", sagt er. Weitere Themen für die Stadt sind das schnelle Internet für Sprollenhaus – der Förderbescheid über 2,3 Millionen Euro liege mittlerweile vor – sowie die Ortsdurchfahrt in Aichelberg, Windkraft und die Sanierung der Wildbader Straße in Calmbach.

Bei allen Projekten sei seine Devise, es solide aufzuarbeiten, dass man ein Grundlage habe. Und man brauche gut funktionierende Netzwerke. "Die Zuschüsse hole ich nicht hier am Schreibtisch", sagt er.

Zuschüsse braucht es auch für weitere Zukunftsprojekte. Als Traum sieht er einen weiteren Aufstieg auf den Sommerberg, etwa durch eine Waldrodelbahn. "Wir testen gerade Möglichkeiten", sagt er. Auch ein Baumhaushotel kann er sich gut für die Stadt vorstellen. Aber dazu müsse zuerst die Verkehrssituation gelöst werden. Und werden die Projekte dann umgesetzt? "Am Ende ist es halt auch ein bisschen Glück", sagt Mack.

Aufgaben gibt es für Mack, der 2014 für seine zweite Amtszeit wiedergewählt wurde, also noch genug. "Ich sehe großes Potenzial, hier zu arbeiten. Der Erfolg gibt einem Recht. Es sind spannende und gute Zeiten für Bad Wildbad", sagt der Bürgermeister und will damit auch die Frage nach seiner Zukunft beantwortet wissen.

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