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Bad Teinach-Zavelstein Vom Kindheitstraum zum Magnet für Kinder

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"Wollo" Bannikov (von links), Rita Rempp-Bannikov, Carima und Samara Bannikov in den 1990er-Jahren. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Vor genau 25 Jahren startete ein Abenteuer, das sich inzwischen zu einer festen Größe in der Zirkuswelt entwickelt hat: Am 18. September 1993 trat der Zirkus Bambi erstmals auf. Heute zeichnet er sich vor allem durch seine Arbeit mit Kindern aus.

Bad Teinach-Zavelstein/Grafenau. Rita Rempp-Bannikov habe schon als Kind davon geträumt, zum Zirkus zu gehen, erzählt ihre Tochter Samara Bannikov. "Aber für ein Kind aus Altburg war das damals unvorstellbar", sagt sie. Bis sie erstmals als junge Frau einen Zirkus auf dem Wimberg besuchte. Der habe per Aushang "Leute zum Mitreisen" gesucht. "Über Nacht hat meine Mutter dann einen Wohnwagen gekauft und hat sich dem Zirkus angeschlossen", so Bannikov.

Wenig später hätten Rempp-Bannikov und ihr damaliger Ehemann entschieden, einen eigenen Zirkus zu gründen. Von Anfang an mit dabei war Vladimir "Wollo"­ Bannikov. Er sei Anfang der 1990er-Jahre mit seinem Vater nach Deutschland gekommen, nachdem sie zuvor beim russischen Staatszirkus gearbeitet hatten. Als Clown-Duo und Tierlehrer hatten sie zudem zwei Bären mit im Gepäck, die als "erste Attraktion" im Zirkus Bambi auftraten.

Werktags Untericht, am Wochenende Manege

Einige Monate nach der Gründung aber trennten sich Rempp-Bannikov und ihr Mann, die junge Mutter stand plötzlich mit zwei kleinen Kindern und einem Zirkus alleine da. "Dann hat mich Rita gefragt, ob ich das Zelt aufgebaut bekomme, und ich habe gesagt: ›klar‹", erzählt Wollo. So übernahm der 49-Jährige 1994 die Leitung des Zirkus. Fortan seien sie quasi als "kleiner Familienbetrieb" mit zwei Wohnwagen und einem Wagen für die Bären von Stadt zu Stadt gereist.

Wie ihre heute 30-jährige Tochter erklärt, sei es Rempp-Bannikov immer wichtig gewesen, dass ihre Kinder eine normale Schulbildung bekommen. "Sie hat uns die Entscheidungen offen gelassen, damit wir alle Möglichkeiten haben", sagt Samara Bannikov. Rempp-Bannikov wohnte mit ihren Töchtern Samara und Carima an Werktagen in Zavelstein, wo sie die Grundschule besuchten. Später machten sie ihre Schulabschlüsse in Calw. Wollo war die Woche über mit dem Zirkus unterwegs, beim Aufbau des Zelts und anderen Aufgaben unterstützten ihn Aushilfen. An den Wochenenden reiste Rempp-Bannikov mit ihren Töchtern hinterher; auch die Kinder standen schon früh in der Manege. Samara trat anfangs als Akrobatin auf dem Seil und als "Schlangenmensch" auf.

"So hatten wir immer beides: ein bürgerliches Leben und ein Zirkusleben", stellt Samara Bannikov im Rückblick fest. "So ein ständiger Schulwechsel ist Quatsch, das bringt nichts", bemerkt Wollo mit Blick auf viele Zirkusfamilien, deren Kinder immer mit auf Tour sind und jeweils nur für die Zeit eines Aufenthalts an einer Station die örtliche Schule besuchen.

Eine richtungsweisende Idee hatten die Bannikovs im Jahr 1995. Was damals zumindest in Süddeutschland noch völlig unbekannt war, entwickelte sich schnell zu einer Spezialität des Zirkus Bambi: Das erste Kinderprojekt boten sie in Magstadt an. Wie die Idee entstand? "Im Hochsommer kamen oft weniger Besucher", erzählt Wollo, "und es war schwierig, einen Platz für unser Zelt zu finden". Viele Gemeinden wollten ihre Flächen in dieser Zeit nicht zur Verfügung stellen. Also habe man zuerst der Magstädter Stadtverwaltung ein Angebot gemacht: "Wir haben ein Zirkusprojekt für Kinder als Teil ihres Ferienprogramms vorgeschlagen." Das habe allen Beteiligten gut gefallen, "wir haben erkannt, dass wir das können", erzählt Wollo. Auf diese Weise könne man sein "Herzblut"­ für den Zirkus mit anderen teilen. "Und die Leute haben uns die Bude eingerannt", erzählt Samara Bannikov – das Angebot wirkte sofort wie ein Magnet auf Kinder. Nachdem sie ein Ferienprojekt in Balingen und wenig später in Tübingen angeboten hätten, seien ihnen sogar Kinder aus Balingen hinterher gereist. "Die waren so begeistert, dass sie gleich noch mal mitmachen wollten", so Samara Bannikov.

Heute sind die Angebote ein fester Bestandteil

Wer sich mit den Bannikovs über ihre Arbeit mit Kindern unterhält, spürt gleich: Ihre Leidenschaft für den Zirkus hat sich zu 100 Prozent auf ihre Freude an den zahlreichen Schul- und Ferienprojekten übertragen. "Es ist schön, selbst Applaus zu bekommen", sagt Wollo, "aber wenn man mit den Kindern eine Woche lang geübt hat und sie dann Applaus bekommen, freut mich das genauso". So sieht es auch Samara: "Man fiebert beim Auftritt der Kinder selber mit, man kennt ja die Wackelstellen."

Schon im Jahr 1996 bot der Zirkus Bambi das Kinderprojekt in drei weiteren Städten an, und mit jedem Jahr seien es mehr geworden, erzählen die beiden heutigen ZirkusLeiter. "Irgendwann haben Schulen angerufen, die davon gehört haben und gesagt: ›Wir wollen das auch‹", erinnert sich Wollo – und stellt mit Blick auf die überregionale Vorreiterrolle des Zirkus Bambi fest: "Wir können mit Stolz sagen, dass wir damit einzigartig sind."

Heute sind die Angebote für Kinder und Jugendliche fester Bestandteil des Zirkus Bambi. Im Jahr 2005 gründeten die Bannikovs eine Zirkusschule in einem ehemaligen Kino in Grafenau. "Wir wollten die gerne direkt in Calw eröffnen, aber damals fehlten die geeigneten Räumlichkeiten", sagt Samara Bannikov. So reist der Zirkus Bambi zwischen Ostern bis Herbst "klassisch" von Ort zu Ort durch Süddeutschland. Die Schule wird parallel betrieben, während der Schulferien ist sie geschlossen. Den Winter verbringen die Bannikovs in Zavelstein. Ihre Ponys, Ziegen und Minischweine sind in Oberkollbach untergebracht. "Wir ziehen so viel um, da ist man froh, dass man ein festes Zuhause hat", findet Samara Bannikov, "da ist man dann wieder ein bisschen daheim". Schnell komme aber auch das Fernweh wieder, und man freue sich auf den Frühling, wenn es wieder auf Tour gehe. Das ganze Jahr über bietet der Zirkus Bambi zudem Auftritte bei Feiern an.

Großes Festival mit Feier Anfang Oktober

Eine Zäsur in der Geschichte des Zirkus bildet das Jahr 2009, als die Gründerin Rita Rempp-Bannikov starb. Man habe dann überlegt, ob und wie es weitergehen soll, erzählt ihre Tochter heute. Wollo und Samara Bannikov entschieden sich, die Leitung des Zirkus zu übernehmen, auch Carima Bannikov stieg in der Folge hauptberuflich ein. Rempp-Bannikov hat mit dem Zirkus – in dem heute neben den Bannikovs rund zehn freie Künstler mitarbeiten – aber nicht nur ein beachtliches Lebenswerk hinterlassen, das jährlich Tausende Menschen erfreut und schon unzählige Kinder über sich hinaus wachsen ließ. Auch ihr Durchsetzungsvermögen und ihre Willensstärke haben im Zirkus Bambi bis heute Spuren hinterlassen: "Meine Mutter hat immer gesagt: ›Mir sind die Rempps, mir schmeißet net hin‹", erinnert sich Samara Bannikov.

So habe man auch schwierige Zeiten überstanden, etwa nachdem der Orkan Lothar im Jahr 1999 schwere Schäden an der Ausrüstung des Zirkus angerichtet hatte. "Da haben uns viele Künstler aus der Umgebung unterstützt, das war toll", sagt Wollo.

Jetzt freuen sich erst mal alle "Bambi"-Mitarbeiter auf das Kinderzirkusfestival in Grafenau-Dätzingen, das am 6. und 7. Oktober stattfindet. "Abends haben wir dann auch unsere 25-Jahr-Feier für geladene Gäste", ergänzt Samara Bannikov.

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