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Bad Teinach-Zavelstein Viele Maßnahmen nicht wirtschaftlich

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In der Kläranlage in Bad Teinach-Zavelstein gibt es viel Verbesserungspotenzial – doch vieles rechnet sich einfach nicht. Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kläranlage von Bad Teinach-Zavelstein hat schon etliche Jahre auf dem Buckel und vertilgt Unmengen an Strom. Deshalb hat die Stadt nun eine Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnis zeigt viele Verbesserungsmöglichkeiten, überrascht aber auch den Gemeinderat positiv.

Bad Teinach-Zavelstein. Rolf Weissert hatte Pech. Der Ingenieur vom Büro Sweco, das die Energieoptimierungsstudie in der Kläranlage Bad Teinach umsetzte, war mit dem ADAC ins Zavelsteiner KoNi gekommen. Sein Auto wurde von einem Motorschaden ausgebremst. Deshalb habe er sich jetzt nicht optimal vorbereiten können, bat er beim Gemeinderat um Verständnis, sollte sein Vortrag etwas stocken. Bürgermeister Markus Wendel hatte Nachsicht und meinte: "Das gibt natürlich Bonuspunkte."

Herzhaft lachen konnte Weißert darüber nicht, begann dennoch seinen Fachvortrag. "Wir haben da verschiedene Daten erhoben und auch festgestellt, dass die Kläranlage der größte Stromverbraucher im Stadtgebiet ist", berichtet Weißert. Rund 235 000 Kilowattstunden (kWh) Strom schluckt die Anlage pro Jahr. Verständlich, dass man hier nach Stromsparpotenzial sucht. Auch frappierend: Seit 2009 ist der Verbrauch um 25 Prozent gestiegen. "Das liegt aber daran, dass man das Amonium von zehn auf vier Prozent herunterdrücken muss", so Weißert. Dadurch ist mehr Luft im Prozess notwendig – und die Gebläse, die großteils schon viele Jahre auf dem Buckel haben, fressen Unmengen an Strom. Allein das Gebläse Nummer drei in der Belebungsanlage verbraucht 118 604 kWh im Jahr. Es gehe aber auch darum, dass man die Gebläse und das Rührwerk in der Biologie nicht dauerhaft laufen lässt.

Zahlreiche Möglichkeiten

Jetzt hatte Weißert bei der Sitzung zahllose mögliche Einsparungen vorgestellt. Die erste wäre die Erstellung einer maschinellen Überschussschlammeindickung. Dadurch brauche es einen ge­ringeren Wärmebedarf im Faulbehälter. Einsparpotenzial: rund 6000 Euro pro Jahr. Das Problem daran ist, dass die nötige Maschine satte 140 000 Euro kosten würde. Das ganze stellt sich also als nicht wirtschaftlich dar. Ebensowenig sinnvoll ist die Errichtung eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) auf dem Gelände. Das würde über die Wärme der Anlage auch Strom erzeugen. 116 000 kWH könnte man pro Jahr mit dem BHKW erzeugen, rechnet Weisser vor. Das würde Kosten von 224 000 Euro im Jahr sparen.

Gebläse sind schon uralt

Doch wieder ist der Haken der Preis des Kraftwerks: 450 000 Euro würde das Kosten, plus jährlichen Betriebskosten von rund 8500 Euro. "Das steht in keinem Verhältnis", meint Weißert. Auch beim größten Verbraucher, der Belüftung der Belebungsanlage könnte man mehr als 12 000 kwH einbehalten im Jahr. Doch auch das kostet wohl 72 000 Euro. "Das kann man machen, wenn sowieso mal ein Gebläse ausgetauscht werden muss", verdeutlichte der Experte. Dazu stehen die Chancen aber gar nicht schlecht, denn zwei Gebläse sind schon mehr als 30 Jahre alt.

Was wiederum mit dem Sandfanggebläse kurzfristig gemacht werden könne ist, dieses intermittierend also zeitweilig aussetzend, zu betreiben. Auch beim Rührwerk sei das möglich. "Das wäre relativ kurzfristig umsetzbar", zeigt sich Weißert optimistisch. Insgesamt sieht der Klär-Fachmann ein Einsparpotenzial von bis zu 30 500 kwH im Jahr – wenn man den Tausch der alten Gebläse im Belebungsbecken mit einrechnet. Einige weitere Ideen hatte Weißert von Sweco zwar dabei, allesamt seien aber entweder nicht wirtschaftlich oder schlicht nicht umsetzbar.

Die Idee, eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach zu setzten, lohne sich nicht. Zu wenig Dachfläche, zu wenig Sonne im engen Tal der Teinach, aber ein Kostenfaktor von 29 000 Euro. Auch eine Windkraftanlage war Teil der Überlegungen – doch richtig lohnenswert werde eine solche Anlage erst ab Windstärke drei oder vier. Und im Tal herrsche höchstens Stärke zwei. Ebenso war eine Wärmedämmung des Gebäudes an sich im Gespräch. Das hätte aber lediglich um die 710 Euro jährlich gespart, stehe somit in keinem Verhältnis zu den auflaufenden Kosten für derlei umfangreiche Maßnahmen, wenn ganze Gebäude gedämmt werden müssen.

Alles in allem sei die Kläranlage aber im Mittelfeld mit vergleichbaren Anlagen, was den Energiebedarf angeht, verdeutlicht Weißert abschließend. Das wiederum freut Bürgermeister Wendel: "Mich hat das Ergebnis ehrlich gesagt positiv überrascht. Gerade auch wegen des Alters der Anlage. Die kurzfristigen Maßnahmen nehmen wir ins Visier, die anderen schauen wir uns dann fürs nächste Jahr an." Gut sei an solch einer Studie auch, dass man jetzt wisse, was Sinn mache, weiterzuverfolgen und was nicht, so der Verwaltungsschef. Und für diese Erkenntis seien die 14 000 Euro, die die Studie gekostet hat, es Wert gewesen – zumal 50 Prozent vom Land zugeschossen wurden.

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