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Bad Teinach-Zavelstein "So viel Frieden und Ruhe wie hier..."

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Die Sanierung des Theurerhofs ist so gut wie abgeschlossen. Rolf Berlin ist dort fast täglich bei den Eseln anzutreffen.Fotos: Parage Foto: Schwarzwälder Bote

Was Rolf Berlin auf dem Theurerhof in Speßhardt geschaffen hat, ist ein Idyll. Für sich, aber auch für Gäste, die dort bald Feste feiern können. Die Restaurierung des historischen Ensembles ist beinahe abgeschlossen.

Bad Teinach-Zavelstein/Calw-Speßhardt. Karle und Lisa sind zurück auf dem Theurerhof: Seit rund sechs Wochen leben die beiden Esel dort, wo Rolf Berlin in den vergangenen Jahren fast täglich anzutreffen ist. Wie so oft mit Hut, und mit Futter in der Hand für seine Tiere. Karle und Lisa haben sich eingelebt und tragen bei zu dem Idyll, das am Rande von Speßhardt entstanden ist. Benannt sind die Esel nach den letzten Besitzern des Theurerhofs. Die würden ihr früheres Zuhause aber wohl nicht mehr wiedererkennen.

2015 hat Rolf Berlin, Hotelier aus dem benachbarten Zavelstein, den 400 Jahre alten Hof erworben. Ein Ensemble mit Haupthaus und sieben Nebengebäuden, zerfallen und zugewachsen. Sein Ruhestandsprojekt. Das Hotel "Berlins KroneLamm" führen jetzt die drei Kinder. "80 Prozent der Übernahmen scheitern an den Alten", sagt Rolf Berlin. Weil sich die Seniorchefs weiterhin einmischen ins Geschäft. Berlin wollte es besser machen, suchte eine neue Aufgabe und fand den Theurerhof (wir berichteten).

Fünf Jahre sind seit dem Kauf vergangen

Inzwischen sind fünf Jahre vergangen. Ein Jahr lang wurde das vermüllte Anwesen ausgeräumt, ein weiteres historische Baumaterialien zusammengesucht, und seit 2017 wird restauriert. Mit jedem Jahr ist Berlins Begeisterung für das Projekt gewachsen. Das wird deutlich, wenn er vom Theurerhof schwärmt und davon erzählt. Es zeigt sich an den vielen Details, auf die er Wert gelegt hat. "Sie müssen wissen, was Sie wollen", sagt er ein ums andere Mal. "Anders geht es nicht." Rolf Berlin weiß, was er will: Sei es der Futtertrog, der im WC-Bereich als Waschbecken dient, oder die Fußbodenheizung, die selbst unter dem Buntsandsteinboden im Keller verlegt wurde.

Nun ist der Innenausbau des Theurerhofs abgeschlossen, lediglich die Außenanlagen befinden sich noch im Entstehen. Aber auch diese Arbeiten werden wohl im Frühjahr fertig sein.

Was entstanden ist, das ist ein Juwel, auch mit Blick auf den Denkmalschutz. Rolf Berlin hat nicht nur seine Visionen gesetzt, sondern auch die Ärmel hochgekrempelt und mitgeschafft. "Ein Gastronom, der nicht bauen kann, hat keinen Erfolg." Wann immer im eigenen Hotel umgebaut wurde, arbeiteten Rolf Berlin und seine Söhne Franz und Roland mit. Auf dem Theurerhof ist das nicht anders.

Dabei war seine Familie zu Beginn nicht annähernd so begeistert wie der Senior, der genau wusste, was er wollte. Rolf Berlin erinnert sich noch daran, dass seine Frau Gudrun absolut gegen den Kauf des Hofs gewesen war. Schließlich habe die Familie im bestehenden Betrieb genug zu tun. Das konnte er zwar verstehen, rückte aber nicht von seiner Entscheidung ab. Auch der Zustand des Ensembles war keine Hilfe. So schnell wird er nicht vergessen, wie sein Hund auf der Bühne des damals noch völlig vermüllten Haupthauses das Bein hob und an einen Holzbalken pinkelte. Tochter Elisabeth meinte damals nur: Wenn nicht einmal der Hund sieht, dass das ein Haus ist...

An Rolf Berlins Entscheidung änderte das nichts. Fünf Jahre später ist diese Episode kaum mehr zu glauben. Nicht nur seine Frau "steht nun zu 100 Prozent hinter dem Hof". Als Krönung hat seine Tochter vor rund einem Vierteljahr genau in dieser Bühne ihre Hochzeit gefeiert.

Für solche Feierlichkeiten und andere Veranstaltungen soll der Theurerhof künftig genutzt werden. Von der Grundidee, ihn als Tagungsort zu nutzen – "Tagen beim Grunzen der Schweine", meint Berlin verschmitzt – ist der Eigentümer inzwischen abgekommen.

Hotels befinden sich in schwieriger Lage

Die Restaurierung mag Berlins Herzensprojekt geworden sein. Als bloßes Hobby ist der Theurerhof aber zu teuer. Eigentlich könnte die Vermietung starten. Genug Anfragen liegen laut Rolf Berlin bereits vor. Doch die Corona-Pandemie macht es unmöglich, zu planen. Gastronomen und Hoteliers befinden sich in einer schwierigen Lage. "Die Unsicherheit macht mürb", sagt der Vorsitzende der Dehoga-Kreisstelle Calw. "Wir hangeln uns praktisch von Tag zu Tag" über den Familienbetrieb in Zavelstein.

Am Hotel mit gut 100 Mitarbeitern hängt nicht nur das Herz der Familie. "Wir haften mit Haus und Hof und bis zum letzten Atemzug."

Ob die Hotels an Weihnachten und Neujahr überhaupt Gäste beherbergen dürfen? Falls nicht, dann wäre das "für uns der Supergau". Gerade für die Mitarbeiter an der Rezeption ist die Belastung derzeit enorm, schildert der Seniorchef. Zuerst planten sie aufwändige Buchungen für ihre Gäste, dann müssten sie sie wieder stornieren und die eigene Arbeit zerstören. Das ist nur schwer auszuhalten.

Hühner laufen tagsüber frei herum

Die Freude an seinem Theurerhof, die lässt sich Rolf Berlin dennoch nicht nehmen. "So viel Frieden und Ruhe wie hier ...", sagt er, als er das Anwesen überblickt. Hühner laufen frei herum, im Schweinestall sollen bald fünf Schweine einziehen, und der Gemüsegarten wird gerade angelegt. "Dass es toll wird, diese Vorstellung hab ich schon gehabt", sagt Berlin. Doch das Ergebnis hat seine Vorstellung noch übertroffen.

Das gilt vor allem für das restaurierte Haupthaus. In der grünen Stube etwa ist alter Putz in eben dieser Farbe zum Vorschein gekommen, auf dem frühere Besitzer ockergelbe Blumen aufgestempelt hatten. Berlin ließ ihn freilegen. Nebenan, in der einstigen Küche, sieht es jetzt wieder so aus, als wäre es eine. Ein alter Herd zum Befeuern und ein hergerichtetes Küchenbuffet verleihen dem kleinen Raum Charme. Dazu kommt ein Tisch, an dem acht Personen Platz finden.

Auch wenn von den Möbeln und der Ausstattung, die sich beim Kauf im Theurerhof befanden, nichts mehr verwendbar oder vorhanden war: Mit viel Gespür, Liebe zum Detail und Aufwand hat Rolf Berlin die Räume wieder originalgetreu her- und einrichten lassen. In jedem Zimmer finden sich Tische und Stühle, aber auch jede Menge Historie.

Die Bretter für den Boden in der Stube etwa sind 100 Jahre altes Pitch-Pine-Holz, eine Kiefernart. Sie kamen mit Schiffen aus Amerika, die das Holz als Ballast an Bord hatten, damit sie nicht leer zurück nach Europa fahren mussten. Mehr als 30 Personen können in diesem Raum zusammen essen. Der Kachelofen stammt von 1700 und ist funktionsfähig. An der Wand hat Rolf Berlin Porträtfotos seiner Großeltern aufgehängt.

In der hinteren Stube sind sogar noch zwei Außenwände von 1622 erhalten. "Ein unvorstellbares Glück." Sie wurden bei der grundlegenden Renovierung des Hauses 1937 ("es war kurz vor dem Verfall") nicht angerührt. Jetzt ist das Fachwerk freigelegt, der original Putz zu sehen – samt der Rußspuren von anno dazumal.

Der größte Veranstaltungsraum ist die Bühne mit Platz für 70 Personen. Hier verbirgt sich auch eine von Rolf Berlins Ideen, die er sich nicht ausreden ließ: Er wollte unbedingt das Dach sehen, also die Ziegel von unten, ohne störende Dämmung. Deshalb ließ er aufs bestehende Dach einfach ein zweites setzen. Gedämmt wurde dazwischen. Zwölf Glasziegel, die mit LEDs beleuchtet sind, vermitteln den Eindruck, als könnte man von der Bühne aus durchs Dach nach draußen sehen. Rolf Berlin weiß eben, was er will.

Darüber hinaus weiß er seinen Theurerhof und die Natur drumherum zu schätzen. Dass es anderen genauso geht, das freut den Zavelsteiner über alle Maßen. "Wenn ich sehe, wie viele Menschen hier wandern, und wie begeistert die sind, das ist richtig toll." Zumal nicht mehr nur die Urlauber, sondern auch die Einheimischen zu würdigen wissen, wie schön die Region ist.

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