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Bad Teinach-Zavelstein In 90 Minuten durch fünf Programme

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Petra Binder (links) und Doris Reichenauer sind gemeinsam das Duo "Dui do on de Sell".Foto: Buck Foto: Schwarzwälder Bote

Es war ein Abend voller Witze, Anekdoten und herzhafter Lacher. Das Duo "Dui do on de Sell" begeistert das Publikum in Zavelstein und hat am Ende noch einen nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag im Gepäck. Das Pointen-Feuerwerk im Überblick.

Bad Teinach-Zavelstein. Das Konsul Niethammer Kulturzentrum (KoNi) in Zavelstein war bestens gefüllt – zumindest gemessen an den corona-bedingten Einschränkungen. Jede zweite Reihe wurde erst gar nicht bestuhlt, nach der Hälfte wurde die arktische Herbstkälte ins KoNi gelassen um zu lüften und beim Umherlaufen war ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Dennoch strömten 165 Zuhörer nach Zavelstein, um das Duo "Dui do on de Sell" zu erleben. Petra Binder und Doris Reichenauer brannten ein wahres Gag-Feuerwerk ab. In 90 Minuten flogen sie durch fünf Programmen und zogen jeweils das beste heraus.

Über die ganze Spielzeit gesehen bekam die männliche Seite der Schöpfung immer wieder auf die Mütze. Gerade am Thema Altersteilzeit arbeitete sich das Duo ab. "Wer das erfunden hat, gehört eingesperrt", regte sich Reichenauer auf, dass ihr Mann nun ständig zu Hause herumturnt. Jetzt reiße er alles an sich, beim Haushalt angefangen bis zum neuen Auto. Das sei so raffiniert, dass es selber einparke. Sie solle einfach dasitzen und nichts tun, hat der Mann ihr die Einparkhilfe erklärt. Das Problem: "Da muss ich dann durch den Kofferraum aussteigen."

Ihr sei es inzwischen langweilig, da ihr Gatte auch das Einkaufen völlig übernommen habe. "Dann schieb ich halt den Wagen von anderen Kunden und stell die irgendwo ab", freute sich Reichenauer diebisch. "Warst du gestern Morgen im Edeka? Ich hab vier Mal meinen Wagen gesucht", warf Kollegin Binder ein. Der Saal brüllt vor Lachen, der Zusammenhang ist nur allzu offensichtlich.

Eine weitere Episode aus dem Rentenalltag von Binder und ihrem Mann dreht sich um den wahrlich schlimmen Männerschnupfen, der im Endstadium bekanntlich einen tödlichen Verlauf nehmen kann.

Da lag Binders Gatte also im "Neschd", um es in der schwäbischen Muttersprache des Comedy-Duos zu sagen, und jammerte, wie schlecht es ihm gehe. "Jedes Mal, wenn ich ins Zimmer kam, ging es ihm schlechter." Irgendwann habe der Gatte gesagt, er sehe schon ein weißes Licht. Binder erzählt aufgebracht: "Da hab ich gesagt ›Sei mutig, lauf rein‹."

Klischees werden humorvoll verpackt

Überhaupt spielen die beiden Frauen mit zahlreichen Klischees, doch das nicht plump, sondern mit Witz und Feingefühlr. Dadurch haben dann auch mal die Frauen selbst zu leiden. Binders vermeintlicher Hexenschuss wird vom Mann zielsicher als Fehldiagnose entlarvt. "Die schießed ned auf ihre eigene Leid", habe der Ehegatte ihr entgegengehalten.

Auf andere Wehwehchen im Alter gehen "Dui do on de Sell" ebenso ein. Die Rillen unter den Augen von Reichenauer seien so groß, dass man Geranien darin pflanzen könnte, klagt sie. Woraufhin Binder offenbart, bei einem Schönheitschirurg vorstellig geworden zu sein, um sich übers "Body-Lifting" schlau zu machen.

Auch der ein oder andere derbe Witz durfte nicht fehlen. Dass die auch mal sein müssen, machte das Duo schon im Vorgespräch deutlich. "Den älteren gefällt auch mal ein derber", meinten die beiden. Überhaupt sei das Publikum zwischen Stadt und ländlichem Raum unterschiedlich. Da würde zwischendrin viel weniger geklatscht, ganz nach dem Motto "nix gschwätzd isch globt gnug". "Da wird kurz gelacht und das war’s", hat Binder festgestellt. Doch schlimm finden das die Comedy-Frauen nicht. Nach mehr als 20 Jahren auf der Bühne wissen sie, wie man mit diversen Publika umgeht. Jetzt aber zum Witz an sich: Sie brauche jetzt eben ein Vorspiel im Alter, so Reichenauer auf die Erotik bezogen. Ihr Mann hält davon nicht viel, meint nur: "Ich steh doch auch nicht 15 Minuten vor der Garage und hupe, bevor ich reinfahre." Eine weitere Lachsalve schießt durchs KoNi, als Reichenauer vom Dessous-Kauf berichtet.

Als sie hernach sexy dreinblickend neben ihrem Mann im Bett lag und der aufwacht, ist er erst mal geschockt: "Hast du a Schlägle ghed", soll er gefragt haben. Die "Erotik des Alters" sorgt an diesem Abend für so manchen Lacher. Und dass bei erotischen Dingen auch mal Kinder herauskommen, ist logisch. So war das auch bei den beiden Frauen auf der Bühne. Und daher berichten die beiden von ihren inzwischen erwachsenen Kindern. Peinlich sei ihrem Kevin damals die Mutter gewesen, als man mit der Schule ins Schullandheim aufbrach, schwelgt Reichenauer in Erinnerungen. Artig sei sie wie vom Sohn verlangt im Auto sitzengeblieben – zunächst. "Als er im Bus saß, kam mein Moment. Kofferraum auf und das Banner enthüllt." Darauf stand: "Mama liebt dich und dein Teddy ist im Koffer."

Es sind solche Anekdoten, die das Publikum in Zavelstein köstlich amüsieren, weil wohl jeder Elternteil bereits ähnliche Situationen erlebt hat – vom Banner einmal abgesehen. Ein derber Einschub kam dann von Binder. Sie habe sich mal über ihre ältere Tochter aufgeregt. Als die jüngere kam, meinte diese lakonisch: "Mach dir nichts draus Mama, Kinder sind wie Pfannkuchen: Der erste wird meistens nix."

Ohne Pause wird durchgespielt

Das kann man vom Comedy-Abend indes nicht behaupten – das Gegenteil ist der Fall, zumal "Dui do on de Sell" schon vor Jahren mal in Bad Teinach-Zavelstein zu Gast waren, es also nicht der erste Auftritt im Nordschwarzwald ist. Das Publikum freut sich, tut dies mit lautem Applaus und Jubelstürmen kund.

"Ned so arg, die Aerosole", mahnt Reichenauer. Es ist eben alles a bissle anders in der Corona-Zeit. Auch, dass die beiden Frauen ohne Pause durchspielen und von Pointe zu Pointe hüpfen, hat seinen Grund. "Wenn wir Pause machen, muss die mindestens 50 Minuten sein, um alles desinfizieren zu können", berichtet Binder von den Auflagen.

Deshalb hat man ohne Pause alles durchgezogen. Den Zuhörern gefiel es bestens, aber auch dem Duo. Es sei wichtig, wieder live auf der Bühne stehen zu können. Einen Ratschlag gab es zum Abschied noch obendrauf: "Fahred aufm Gehweg heim, auf der Stroß bassiered so viel Ofäll."

Vermutlich sind die meisten doch auf der Straße und nicht auf dem Gehsteig nach Hause gefahren – dafür aber mit einem lustigen Abend im Gepäck, der in schwierigen Zeiten für herzhaftes Lachen sorgte.

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