Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Bad Teinach-Zavelstein Guido Wolf hört im Kreis Calw fast nur Lob

Von
Mit Schutzmaske und Turnschuhen ließ sich Minister Guido Wolf (links) bei seinem Besuch im Kreis Calw von Ricarda Becker durch das Hotel Therme Bad Teinach führen.Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Den Residenzsaal des Hotels Therme Bad Teinach kennt Baden-Württembergs Tourismus-Minister Guido Wolf noch sehr gut. Das sei, "wo Herr Berlin mir den Kopf gewaschen hat". Doch jetzt ist irgendwie alles anders – sogar vom Dehoga-Chef im Kreis Calw hört der Gast aus Stuttgart nur Lob.

Kreis Calw/Bad Teinach-Zavelstein. Beim Neujahrsempfang der Dehoga-Kreisstelle Calw war’s seinerzeit, als Rolf Berlin dem Minister vor versammelter Mannschaft eine ganze Liste von Forderungen der Gastwirte und Hoteliers "um die Ohren gehauen" habe. Mehrwertsteuersenkung, Bürokratieabbau, flexiblere Arbeitszeiten. Das ist über drei Jahre her. Seitdem ist viel passiert, gerade in der Politik. Zuletzt Corona – die Mega-Krise, gerade für den Tourismus und die Gastronomie. Zumindest zur Hochzeit des Lockdowns.

"Aus Corona könnte auch eine große Chance erwachsen"

"Wir haben ihn schon ziemlich genervt, dass er mal wieder zu uns kommt", erzählt Ricarda Becker, Vize-Direktorin des Hotels Therme Bad Teinach. Seit April hätten sie und Rolf Berlin immer wieder bei Guido Wolf nachgehakt, wenn es wieder eine neue Corona-Verordnung unter anderem aus seinem Ministerium für ihre Betriebe gab. Mit neuen Fragen, neuen Forderungen, neuen Regeln. Und der Bitte, doch mal wieder vorbeizuschauen. Offensichtlich hat es was genützt: Heute ist der Minister "mal nicht in Bad Wildbad", wie in jüngster Zeit so oft. Sondern in Bad Teinach. Und er hat viel Zeit mitgebracht. Und die Turnschuhe angezogen, weil’s viel zu laufen gibt. Und zu sehen. Nachher etwa, da hat Ricarda Becker für ihn sogar eine Ausfahrt in den "Mini-Hodrods" vom Farrenhof-Schäfer in Schmieh organisieren dürfen.

Doch jetzt gibt’s erst einmal einen Rundgang durch das Hotel Therme. Becker stellt das Hygiene-Konzept des Hauses vor – das heuer "komplett belegt" ist. Nach dem Shutdown kam der Ansturm der Touristen auf die Heimat. Aus "Corona könnte auch eine große Chance erwachsen" – für den Tourismus in Baden-Württemberg, im Schwarzwald, vor allem auch im Nordschwarzwald, sagt der Minister. Und alle stimmen ihm zu, die beim Rundgang noch mit dabei sind: Thomas Blenke, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, René Skiba, Geschäftsführer der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald, Landrat Helmut Rieger, Bad Teinach-Zavelsteins Bürgermeister Markus Wendel, sein Kollege Klaus Mack aus Bad Wildbad – als Chef des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord. Und "die Vertreter aller großen Häuser im Kreis", wie Riegger resümiert – denn sein Kreis lebt vom Tourismus, mit derzeit 1,4 Millionen Übernachtungen im Jahr. Tendenz steigend, trotz Corona.

Landrat Riegger ruft Herrenalber Therme in Erinnerung

Und das weiß man offensichtlich auch in Stuttgart, im Tourismus-Ministerium. Viele Fördermillionen fließen in den Kreis Calw. Gerade kommt Guido Wolf aus Bad Liebenzell, wo er wieder einen Millionen-Scheck für die dortige Therme überreicht hat. Was Landrat Riegger dazu ermutigt, bei der Gesprächsrunde nach der Hausführung im Hotel Therme Bad Teinach auch schon mal prophylaktisch an die Therme Bad Herrenalb zu erinnern. Die auch zukunftsfähig gemacht werden soll. Und Unterstützung braucht.

Aber wirklich viele "offene Baustellen" zwischen dem Kreis Calw und dem Tourismus-Minister gibt’s augenblicklich wohl nicht. Ein paar "Spitzen" hat Ricarda Becker bei ihrer Führung durch ihr Haus eingebaut – etwa, warum laut jüngster Verordnung der Kaffeeautomat in der Therme coronahygienisch erlaubt sei, der freie Tee-Ausschank in der Sauna aber nicht. Das verstünden die Gäste nicht. Man sieht, wie sich der Minister eine "Gedanken-Notiz" dazu macht. Später wird er sagen, dass bei diesen Verordnungen "manches mit heißer Nadel gestrickt worden" sei. Aber dass man seitens der Politik viel, wo man beim Corona-Verordnen übers Ziel hinausgeschossen sei, auch schnell wieder korrigiert habe. Die Schließung/Wieder-Öffnung der Wellness-Bereiche etwa – von denen man in Stuttgart wisse, dass sie für die Hoteliers und den Tourismus "erfolgskritisch" seien.

Die Politik, so Wolf selbstkritisch, müsse "sehr gut begründen, wenn sie was nicht erlaubt" wegen Corona. Und auch das sagt Wolf: "Das ganze Land noch einmal komplett lahmzulegen, würde die Wirtschaft ruinieren" – weshalb es das sicher nicht mehr geben werde. "Wir alle haben aus Corona gelernt". Auch die Bürger – dass es nämlich etwas wert sei, einen funktionierenden Staat zu haben: "Ich habe den Eindruck, dass Corona", und wie die Politik damit hierzulande umgegangen sei, "einen positiven Impuls für die Demokratie gesetzt hat." Wobei der Minister unterstreicht: "Die Hilfen sind kein Gnadenakt", sondern eine Notwendigkeit, um die wichtigen Wirtschaftsbereiche wie gerade den Tourismus im Südwesten am Leben zu erhalten.

Was ganz offensichtlich funktioniere: Die 330 Millionen Euro Hilfen des Landes für die Gastronomie und Hotelerie – "die haben sehr gut geholfen", lobt Rolf Berlin. Auch die zumindest vorübergehende Mehrwertsteuer-Senkung in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent (und momentan sogar auf fünf Prozent) komme genau dort an, wo sie gebraucht werde. Jetzt müsste diese Regelung nur auch dauerhaft installiert werden – damit sie auch dauerhaft die Investitionsfähigkeit der Branche sichere.

Becker: "Wir haben von der Krise profitiert"

Wobei die wirklich (selbst)kritischen Töne – ganz ungewöhnlicher Weise – ausschließlich vom Minister kommen: "Ich glaube nicht, dass wir im Sommer 2021 an Corona einen Haken setzen können." Auch gelte es, jetzt erst einmal den Tourismus im Land "gut über den Winter zu bringen" in diesen besonderen Zeiten – und derweil "die Fördertöpfe dafür zu erhalten". Wirklich Sorge bereite ihm, dass die Geschäftskunden für die Gastronomie offenbar langfristig ausfielen – und Wolf berichtet von eigenen "geisterhaften" Aufenthalten in fast leeren Business-Hotels, weil die Betriebe ihre Leute kaum noch auf Reisen schickten.

Aus dem Mund des Ministers klingt das vor allem nach einem selbst gesetzten Arbeitsauftrag für sich und sein Ministerium. Weshalb er wohl ebenfalls aufmerksam notiert haben dürfte, dass Ricarda Becker für ihr Haus von einem gegenteiligen Trend berichten konnte: "Wir haben da von der Krise profitiert" und sogar neue Business-Kunden gewonnen – weil sie eben mit ihrem Hygiene-Konzept die Gäste "in den sicheren ländlichen Raum" locken konnten.

Es wurde "vieles richtig gemacht" in Land und Bund, konstatierte der Landtagsabgeordnete Thomas Blenke. Vor allem in den Branchen, die durch "bravouröses besonnenes Handeln" (zumindest im Kreis Calw) dafür gesorgt hätten, "dass wir auf dem Weg der Zuversicht stehen können."

Artikel bewerten
8
loading

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.