Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Bad Teinach-Zavelstein Corona-Krise: Nach Rekordzahlen kommt Katastrophe

Von
Die Corona-Krise hat einen desaströsen Einfluss auf Tourismus und Gastronomie. (Symbolfoto) Foto: davit85 – stock.adobe.com

Bad Teinach-Zavelstein - "Das ist einfach sensationell!" Wirklich viel Grund zur Freude hatte Bad Teinach-Zavelsteins Gemeinderat Rolf Berlin in letzter Zeit als regionaler Dehoga-Chef und Hotelier ja nicht gerade. Aber die Touristikzahlen für 2019, die Tourismusleiterin Franziska Bürkle im Gremium vorstellte, brachten Berlin komplett aus dem Häuschen.

Kein Wunder – denn das vergangene Jahr war für "BTZ", wie Bürkle in ihrer Präsentation vor den Gemeinderäten den Namen von Bad Teinach-Zavelstein der Einfachheit halber abkürzte, ein echtes Rekordjahr mit (erstmals seit sehr langer Zeit) mehr als 100.000 Übernachtungen. "Das hätte ich nicht für möglich gehalten!?", ein weiterer überschwänglicher Kommentar von Berlin. Zumal – und auch das ist ein Positiv-Rekord für BTZ – das Durchschnittsalter der Gäste hier weiter kontinuierlich von 59,2 Jahren in 2006 auf mittlerweile 48,9 Jahren in 2019 sank. Heißt: Immer mehr auch junge Gäste kommen nach BTZ.

Wobei die Zahlen für Bad Teinach besonders positiv ausfielen: Mit 22,2 Prozent (auf 22 719), so Bürkle, sei hier die Zahl der Ankünfte im Plus, die Zahl der Übernachtungen mit 19,5 Prozent (auf 46.529) – was schon ein gewaltiger Sprung nach vorne sei. Für Zavelstein sind die Zahlen zwar etwas "weniger positiv", aber immer noch beeindruckend: um 9,8 Prozent (auf 21.049) legten hier die Ankünfte zu, um 9,6 Prozent (auf 54.743) die Übernachtungszahlen. Womit sich auch die Zahlen fürs gesamte Teinachtal – zu dem im touristischen Bereich auch die Stadt Neubulach und die Gemeinde Neuweiler gehören – insgesamt positiv entwickelten. Im Jahr 2019 stieg hier insgesamt die Zahl der Ankünfte auf 59 500 (2018: 59.345) und die der Übernachtungen auf 139.352 (2018: 136.734).

"2019 war ein glänzendes Jahr in jedweder Hinsicht", so Tourismusleiterin Bürkle. "Die Zahlen waren so gut wie lange nicht mehr!" Was auch zum Beispiel für die Einnahmen der Stadt aus der Kurtaxe gilt. Die seien um rund 20.000 Euro auf gut 130.000 Euro angewachsen. Allerdings sei es heute "ein anderer Tourismus" in BTZ als zu früheren Zeiten. Beispielsweise hätte man noch 1996 über 100.000 Ankünfte verzeichnet – vor allem aus dem Gesundheitssektor. Seitdem sei – nach dem folgenden Einbruch und Strukturwandel im Tourismus – die Kehrtwende für BTZ geschafft worden zu einem echten Touristen-Ziel. Was sich auch in der Art der Gäste zeige: 87 Prozent an ankommenden Besucher seien echte Feriengäste, nur neun Prozent reine Geschäftsreisende. Wobei sich der Anteil echter Feriengäste seit Jahren kontinuierlich erhöhe.

Meiste Gäste aus Südwesten

Was dabei wenig überrascht: Die meisten Gäste in BTZ kommen aus Deutschland (86 Prozent; 87.496 Übernachtungen; plus 8,9 Prozent), genauer sogar aus dem Südwesten der Republik – 46.684 Personen allein aus dem Postleitzahlenbereich "70.000". Bemerkenswert sei, so Bürkle weiter, dass auf Platz zwei bereits als Herkunftsland der Gäste die Schweiz (4591 Übernachtungen; plus 23,9 Prozent) liege – was für die hohe Qualität der touristischen Angebote in BTZ spreche. Denn die "Schweizer sind sehr, sehr anspruchsvoll", gerade was ihre gastronomischen Präferenzen beträfe. "Das spricht für das Niveau und die Leistungsfähigkeit unserer Betriebe."

Umso höher allerdings dann auch nun die "Fallhöhe" für BTZ in der aktuellen Corona-Krise. Mehr als 24 Milliarden Euro fehlten durch das Pandemie-bedingte Herunterfahren des deutschen Tourismus – wobei das größte Minus (15 Milliarden Euro) auf den Zusammenbruch des Tagestourismus entfielen, der gerade für BTZ einen Großteil der Wertschöpfung ausmache. Laut Berechnungen der Statistiker konnte BTZ im Jahr 2019 noch 30 Millionen Euro Brutto-Umsätze aus dem Tourismus generieren, was einer Steuereinnahme für die Kommune von 666.000 Euro entspräche – ein Plus von 100.000 Euro gegenüber 2018. Man gehe davon aus, dass rund 500 Arbeitsplätze in der Stadt vom Tourismus abhängen – was einem Anteil von 16 Prozent an der Gesamtzahl der Arbeitsplätze im Ort entspräche.

Entsprechend die Katastrophe und die negativen Erwartungen für das laufende Jahr (und die Folgejahre): Seit Februar ist der (Übernachtungs-)Tourismus komplett zum Erliegen gekommen, die Stornos lägen – so bestätigte auch Rolf Berlin – "bei 100 Prozent!". Andererseits funktionierten auch trotz oder gerade wegen Corona touristische Angebote wie der Premium-Wanderweg "Der Teinacher" weiter bestens. "Der lief und lief und lief", schüttelte Bürkle schon auch ein bisschen ungläubig über diesen Erfolg den Kopf. Weil es dadurch auf diesem Wanderweg – gerade zu Corona-Zeiten – fast schon zu viel Betrieb gebe, so dass die aktuell geltenden Abstandregeln nicht mehr durchgängig eingehalten werden könnten. Weshalb man verstärkt die Wanderer nun "auch auf andere Wege locken" müsse.

Gezielte Marketing-Aktionen

In ihrem Ausblick auf das laufende Jahr – und die folgenden – ging die Tourismusleiterin aber auch davon aus, dass sich BTZ schneller als andere Tourismus-Regionen wieder von dem Corona-Schock erholen können müsste.

Tagestouristen und Kurzreisen, wie sie den Schwerpunkt in BTZ stellten, würden sich, so Tourismus-Experten, am schnellsten von den Corona-bedingten Einnahmeausfällen erholen. Wobei man aber beispielsweise bei den Geschäftsreisenden durch die in Coronazeiten gemachten Erfahrungen mit digitalen Meetings von einem dauerhaften Rückgang der Nachfrage ausgehe.

Je nach Szenario aber würden die touristischen Destinationen bis zu mehreren Jahren brauchen, um an die vergangenen Erfolgsjahre wieder anschließen zu können. Selbst das positivste Szenario erwartet nur eine Wiederbelebung der touristischen Umsätze bis zu 90 Prozent innerhalb eines Jahres. Weshalb man, so Bürkle, mit gezielten Marketing-Aktionen – unter anderem gemeinsam mit der Touristik Nordschwarzwald – hier Akzente setzen möchte, die Besucher noch stärker in die Region zu locken.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

Angebot der Woche

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.