Foto: Schwarzwälder Bote

Stadtentwicklung: Bohnenberger-Areal abermals Thema im Bad Teinach-Zavelsteiner Gemeinderat

Das Bohnenberger-Areal ist nach wie vor heiß diskutiertes Thema in Bad Teinach-Zavelstein. Jetzt stellte die Bürgerinitiative ihre Überlegungen in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor. Einige Räte hatten da bereits erste Rückfragen parat.

Bad Teinach-Zavelstein. "Es muss ja keiner in die Cannstatter Kurve stehen", meinte Volker Mönch mit Blick in den hinteren Teil des Sitzungssaals. Der Stadtkämmerer Bad Teinach-Zavelsteins erinnerte sich aber keineswegs ans vergangene Wochenende zurück, als im Stuttgarter Neckarstadion, in dem bekanntlich die Cannstatter Kurve verbaut ist, der VfB Stuttgart die SG Dynamo Dresden mit 3:1 wieder nach Hause schickte.

Sondern Mönch war an diesem Montagabend im Mehrzweckgebäude der Stadt – das gemessen am Andrang in den Zuschauerreihen tatsächlich etwas an die Fankurve des Stuttgarter Stadions erinnerte. Vor allem wegen eines Tagesordnungspunktes: "Bohnenberger Areal – Präsentation einer Projektidee der Bürgerinitiative (BI) ›Lebenswerte Gemeinde‹". Doch bevor die BI ihre Pläne vorstellen konnte, stellte Bürgermeister Markus Wendel zwei Dinge richtig, die im seit Kurzem verfügbaren Online-Forum der Initiative (wir berichteten) aufgetaucht waren.

Wendel entkräftet zwei im Netz kursierende Gerüchte

Zum einen keimte dort die Legende, die Stadt habe für das Bohnenberger-Areal 250 000 Euro ausgegeben. Wendel dazu: "Wenn wir das für dieses Haus ausgegeben hätten, hätte man Gemeinderat und Bürgermeister zu Recht gefragt, ob die noch alle Leuchten auf der Torte haben." Richtig sei, dass man 215 000 Euro ausgegeben hätte – allerdings für Bohnenberger-Haus und 37 200 Quadratmeter Wald. "Wenn man sich die Waldpreise anschaut, dann stellt man fest, dass wir quasi nur den Grundstückswert gezahlt haben", schloss Wendel.

Der zweite Vorwurf: Für die Parkplätze am Freibad seien Hunderttausende Euro locker gemacht worden. Wendels nüchterne Feststellung dazu: Ein derartiges Thema war überhaupt noch nicht im Gemeinderat.

Dann konnte die Präsentation auch endlich losgehen. Wolfgang Krieg übernahm den technischen Teil rund um das Gebäude, Hubert Keller den konzeptionellen Part. Krieg ging zunächst auf die Historie des Bohnenberger-Hauses ein, das ein typischer Vertreter eines Bauernhauses im Nordschwarzwald sei. "Deshalb dürfen wir das nicht abbrechen. Alle würden erschrecken, wenn wir eine Fotomontage hätten, auf der das Gebäude weg wäre", ist sich Krieg sicher. Eine Tagespflege im Erdgeschoss, wie sie zunächst im Gespräch war, sei unpraktikabel – vorausgesetzt, dass man keine Unsummen an Geld verpulvern wolle. "Die Stockwerkshöhen sind unterschiedlich. Um das für eine Tagespflege barrierefrei zu machen, muss man massiv in die Bausubstanz eingreifen", verdeutlichte Krieg.

Eine Decke müsste komplett weg, mehrere Wände müssten ganz neu gezogen werden. Kriegs Fazit: "Diese Nutzung scheidet aus." Stattdessen will die BI im Erdgeschoss Begegnungsräume für Bürger schaffen und eine Bäckerei oder anderweitigen Imbiss ansiedeln. "Vielleicht findet sich dafür ja auch ein Investor", zeigt sich Krieg optimistisch.

In den beiden Obergeschossen sollen Wohnungen entstehen. Da war sich auch Bürgermeister Wendel sicher, dass diese Abnehmer finden würden. "Das kann man fast schon als gesetzt nehmen", so der Rathauschef zu den Plänen rund um die Obergeschosse.

Keller fuhr daraufhin mit den konzeptionellen Überlegungen der BI zum Bohnenberger-Areal fort. "Wir wollen das Erdgeschoss als Ort nutzen, an dem die Gemeinschaft aller Menschen in Bad Teinach-Zavelstein gelebt werden kann", so Keller. Ein Gefühl "Jeder gehört dazu" solle entstehen in den Räumlichkeiten.

Doch Keller hatte nicht nur Phrasen im Gepäck, sondern auch konkrete Vorschläge: "Man kann sich da zur Nachbarschaftshilfe, zum Yoga oder auch für Kulturveranstaltungen treffen." Der Raum könnte auch als "erweitertes Wohnzimmer" fungieren, frei nach dem Motto "mal schauen, wer da ist".

Bürgermeister Wendel zeigte sich angetan von den Überlegungen der BI und bekundete: "Auf den ersten Blick gefallen mir die Ideen gut, daraus kann man was machen." Doch das Zeichnen von Plänen und Aufstellen von Konzepten sei das eine. Das andere viel schwieriger: "Man muss auch jemanden finden, der die Pläne umsetzt." Zumal man auch langfristige Planungssicherheit brauche.

Der Kostenfaktor ist nach wie vor nicht abschließend geklärt

Außerdem müsse man in Erfahrung bringen, was an Kosten auf BI und Verwaltung zukämen: "Reden wir da von 800 000 Euro, 1,2 oder 1,4 Millionen Euro?", fragte Wendel in die Runde. Fakt sei, dass man einen solchen Betrieb im Erdgeschoss lediglich mit Hilfe von Ehrenamtlichen stemmen könne.

Im Gremium kamen dann auch die ersten Fragen auf. Gemeinderätin Andrea Mast wollte in Bezug auf die Wohnungsnutzung wissen, wie es denn mit den Stellplätzen aussehe. "Das haben wir nicht ausprobiert. Aber drum herum wäre schon noch Platz", antwortete Krieg. Rat Jochen Krauss stellte die Frage in den Raum, ob man die Machbarkeitsprüfung einer Tagespflege durch das Konzeptionsbüro "Sutter3" aus Freiburg nun gänzlich eliminiere.

Wendel meinte dazu: "Ich denke schon, weil wenn drei Architekten aus der Stadt sagen, das kostet zu viel, dann vertrauen wir da auch auf diese Expertise." Matthias Schönthaler stellte fest, dass es in Zavelstein ohnehin schon ein Überangebot an öffentlichen Gebäuden gebe. "Die stehen doch zu 80 Prozent leer. Die angedachten Aktivitäten kann man sicher auch dort machen", meinte der Stadtrat in Richtung Keller.

Mast pflichtete ihrem Ratskollegen bei und meinte: "Das sehe ich genauso. Man sollte zunächst mal die bisherigen Räume nutzen, bis ein solches Angebot angelaufen ist." Einig waren sich aber alle, dass man gegen funktionierende Gewerberäume im Haus Bohnenberger nichts einzuwenden habe. Doch Wendel stellte klar: "Wenn man da jetzt für ein paar Hunderttausend Euro Räume hinballert und die stehen nachher leer, dann ist das blöd." Die Einkaufsmentalität im 21. Jahrhundert habe sich eben geändert – und auch vor diesem Hintergrund müsse man auch die Wirtschaftlichkeit sicherstellen.

Rat Gundolf Greule verstand "den Aufhänger nicht". Das Wohl und Wehe des Bohnenberger-Areals trage seiner Meinung nach direkt nichts zur gesteigerten Lebensqualität in Bad Teinach-Zavelstein bei. Überhaupt hatte er noch einen schwäbischen Spruch rund um das alte Haus parat: "Hoschd a bissle Geld ond bisch domm, kaufsch a alts Haus ond bausch om." Kurzum: Ein Fan der Pläne ist Greule sicher nicht. Aber auch er zeigte sich offen dafür, die Machbarkeit zu prüfen.

Machbarkeitsstudie im Vergleich zur Gesamtsumme wenig

Zudem kamen etwaige Fördermittel ins Gespräch. Das LEADER-Projekt scheide wohl aus, mutmaßte der Schultes, da der Föderdeckel hier bei 600 000 Euro Gesamtkosten liege. Das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum (ELR) biete da gerade mit dem aktuellen Fokus auf Wohnraum höhere Chancen. Eine weitere Idee gab Wendel der BI mit auf den Weg: "Vielleicht entwickeln Sie daraus ja ein richtiges Bürgerprojekt und übernehmen den Ausbau des Gebäudes selbst als Bürgerverein." Man könne da ja auch von Seiten der Gemeinde unterstützen und das Grundstück mittels Erbbaupacht an den Verein vergeben. "Die Summen trägt das Mäusle auf dem Schwanz weg", verdeutlichte Wendel.

Apropos Summen: Die 27 000 Euro für das angedachte Machbarkeitsgutachten sei in Anbetracht der Gesamtsumme quasi ein Klacks. "Wenn Sie bei dieser Summe schon zucken, dann brauchen wir uns gar nicht erst auf den Weg machen", mahnte Wendel. Aber alles in allem sei es jetzt wichtig, nichts zu überstürzen, sondern in Ruhe weiter zu planen und zu überlegen. Damit konnten auch die zahlreichen Zuhörer in der "Cannstatter Kurve" d´accord gehen und spendeten dem Einsatz der BI Applaus.

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