Im Alternativen Wolf- und Bärenpark in Bad Rippoldsau-Schapbach sind vier Neuankömmlinge eingezogen. Kolja, Kito, Kleo und Kira wurden aus einem Zoo in Eschede gerettet, in dem sie auch als „Kuscheltiere“ herhalten mussten. Der ist jetzt pleite – und für die Wölfe beginnt im Schwarzwald ein ganz neues Leben.
Für einen Moment ist Wölfin Kira noch unschlüssig, ob sie die Kiste verlassen soll – dann huscht die Wölfin davon. In Bad Rippoldsau-Schapbach sind im Alternativen Wolf- und Bärenpark vier neue Wölfe eingezogen.
Kito, Kira, Kleo und Kolja wurden gerettet: Bisher lebten die vier in einem Tierfilmpark in Eschede bei Hannover. Dort wurden sie nicht nur als Filmtiere eingesetzt: Bei sogenannten „Tieraudienzen“ konnten Besucher mit den Wildtieren auf Tuchfühlung gehen: Kuscheln und Fotos mit Wölfen wurden gegen Geld angeboten.
Damit die Tiere das überhaupt mitmachen, werden sie von klein auf an Menschen gewöhnt und dafür ihren Müttern weggenommen. Dennoch: Wildtier bleibt Wildtier. Kolja biss im vergangenen Jahr einen Achtjährigen in die Brust.
Tiere betreten neues Zuhause zögerlich
Nun ging der Tierfilmpark pleite und für seine Tiere musste ein neues Zuhause gefunden werden. Dafür kontaktierte der verantwortliche Landkreis auch den Park im Schwarzwald. Sabrina Reimann, Leiterin des Wolf- und Bärenparks, erzählt: „Wir waren schon vor ein paar Wochen vor Ort und haben uns die Wölfe angeschaut. Wir wollten sehen, ob das überhaupt passen würde, auch mit unserem jetzigen Bestand. Wir waren dann ganz positiv überrascht.“ Aber: Bis zuletzt war nicht klar, ob die Aktion reibungslos verläuft. Nicht jeder gibt seine Tiere gern ab.
Anstrengend war die lange Reise dennoch: Eine stundenlange Fahrt in einer Transportkiste, purer Stress und dazu die Narkose, damit die Tiere überhaupt verladen werden können. Das sorgt bei den Wölfen für Übelkeit – und Erbrechen.
Im Tierpark werden die schweren Kisten jeweils von vier Personen abgeladen – und dann geht es endlich ins Freie. Etwas zögerlich, mit angelegten Ohren und eingezogenem Schwanz – eine Demutshaltung – schleichen die Wölfe aus ihren Kisten. Aber dann laufen alle vier leichtfüßig über den weichen Waldboden und entdecken ihr neues Heim.
Reimann hat das alte Heim der Wölfe gesehen. „Die Tieranlagen, die Gehege waren recht klein. Es waren zum Teil auch nur Bauzäune, hinter denen sie gelebt haben. Das Gelände war wohl eine ehemalige Geflügelfarm, wo die Gehege in diese Langhäuser eingebaut wurden: also sehr trist, sehr karg, sehr betonlastig. Es war nicht schön und auch hygienisch fragwürdig“, berichtet sie.
Neue Liebe für Kolja
In Bad-Rippoldsau-Schapbach warten mehrere Hektar Wald auf die vier noch jungen Tiere. Kito, Kleo und Kira waren bereits in Eschede ein Rudel und teilen sich auch hier ein Gehege. Kolja zieht in einen anderen Bereich. In Eschede musste er sich von seiner Partnerin trennen. Sie lebt nun in Belgien in einer Auffangstation.
Doch allein sein muss er nicht: „Kolja wird jetzt der neue Partner für unsere Wölfin Gaia, die schon seit einigen Jahren bei uns lebt. Wir hoffen, dass die beiden sich grün sind, sich mögen und ein schönes gemeinsames Leben bei uns haben“, freut sich Reimann. Erst einmal müssen sich die beiden aber beschnuppern: Deshalb gibt es erst einmal einen Zaun zwischen den Tieren.
Jetzt müssen die Wölfe erst einmal ankommen, sich ausruhen und eingewöhnen. Dafür sind sie in kleineren Gehegen untergebracht, aber mit Sträuchern, Bäumen und natürlich angelegten Wasserquellen – alles, was sie bisher nicht kannten. Wenn sie sich eingewöhnt haben, werden sie zu den Bären in die große Anlage entlassen.
Spenden
Wer etwas für die vier Neuankömmlinge oder die anderen Tiere im Alternativen Wolf- und Bärenpark tun will, kann spenden oder eine Tierpatenschaft übernehmen.