Als die Schwarzwaldklinik in Bad Rippoldsau noch geöffnet war, gab es für die Gäste in den Sommermonaten auch Veranstaltungen unter dem Motto "Schwimmbad in Flammen". Foto: Schmid

Regierungspräsidium beobachtet allerdings Entwicklung. Chance soll gewahrt werden.

Bad Rippoldsau-Schapbach - Noch ist das Prädikat "Heilbad" für Bad Rippoldsau nicht in Gefahr. Auf Dauer könnte es allerdings entzogen werden, wenn in dem Dorf keine Kureinrichtung mehr betrieben wird.

 

Bad Rippoldsau wirbt für sich als höchstgelegenes Mineral- und Moorbad des Schwarzwalds. Aber nach der Schließung der Schwarzwaldklinik wurde im Sommer 2011 auch das Mineralbad in Bad Rippoldsau außer Betrieb genommen. Das Regierungspräsidium überwacht, ob Zusatzbezeichnungen wie "Heilbad" zu Recht geführt werden. Letztlich entschieden wird über die Prädikatisierung oder deren Entzug jedoch im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg.

"Wir beobachten die Entwicklung vor Ort und warten ab", sagte Joachim Fischer, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe, auf Anfrage unserer Zeitung. Ein Verfahren zum Entzug der Bezeichnung "Heilbad" sei nicht eingeleitet worden und werde auch nicht angestrebt. Es gebe keine Frist, nach der das Prädikat wegen des ruhenden Badbetriebs automatisch entfällt. Der Gemeinde solle die Chance gegeben werden, dass es mit der Schwarzwaldklinik und dem Mineralbad mit einem neuen Investor weitergeht. Auch im Wolftal hofft man natürlich, dass die jahrhundertelange Badetradition wieder auflebt.

"Der Entzug des Titels ›Heilbad‹ zum jetzigen Zeitpunkt wäre kontraproduktiv", betont Fischer. Auf lange Sicht müssten die Vorgaben nach dem Kurortegesetz allerdings erfüllt und Heilmittel auch angewandt werden. Wenn sich die Anzeichen dafür verdichten würden, dass das Mineralbad in Bad Rippoldsau endgültig geschlossen wird, würde das Regierungspräsidium dies dem Ministerium für Ländlichen Raum mitteilen. Vor 80 Jahren wurde der damaligen Gemeinde Rippoldsau für den Ortsnamen der Zusatz "Bad" verliehen. Diese Bezeichnung wäre laut Fischer selbst dann nicht gefährdet, wenn der Ort das Prädikat "Heilbad" verlieren würde.

Denn das eine habe grundsätzlich nichts mit dem anderen zu tun: Die Bezeichnung "Heilbad" werde nach dem Kurortegesetz verliehen. Der Namenszusatz "Bad" unterliege allerdings dem Kommunalrecht. Nach der Gemeindeordnung habe eine Kommune das Recht, einen historischen Namen zu führen. Bei Änderungen sei die Zustimmung des Regierungspräsidiums erforderlich. Aber auch schon die Aberkennung des Prädikats "Heilbad" wäre ein weiterer tiefer Kratzer am touristischen Image der Doppelgemeinde. Durch die Schließung der Schwarzwaldklinik sank die Zahl der Übernachtungen im Jahr 2011 um fast 25 Prozent auf knapp 90 000.

Alle Hoffnungen im Fremdenverkehr ruhen in Bad Rippoldsau-Schapbach auf dem naturnahen Tourismus, einem Trend, dem die Gemeinde mit dem "Tal der Tiere" entsprechen will. Voll im Trend liegt die Gemeinde jedenfalls in Sachen demografischer Wandel: Hatte Bad Rippoldsau-Schapbach in den 70er-Jahren noch fast 3000 Einwohner, sind es heute nur noch etwa 2225.