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Bad Rippoldsau-Schapbach Geheimnisvolle Ordnung

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Wolfram Lotz hat zwei mysteriöse Erzählungen veröffentlicht. Foto: Schwarzwälder-Bote

(cw). Scheinbar ein Buch für eilige Leser: In gut einer Viertelstunde ist man mit dem neuesten Erzählband "Erscheinungen" von Wolfram Lotz durch. Allerdings ist dann keines der Rätsel gelöst, die der Autor in dem schmalen Taschenbuch schildert. Nicht nur deshalb ist es jedoch lohnend, sich die literarischen Miniaturen nochmals in Ruhe vorzunehmen. Sie sind das neue Werk des Autors, der sich vom Wolftal aus in der literarischen Szene und der Theaterwelt einen Namen gemacht hat. Wolfram Lotz, geboren 1981 in Hamburg, ist in Bad Rippoldsau aufgewachsen und ging in Freudenstadt zur Schule. Er studierte in Konstanz und Leipzig. Lotz schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Lyrik und Prosa. Für seine literarischen Arbeiten wurde er unter anderem mit dem Preis des Theatertreffen-Stückemarkts, dem Kleist-Förderpreis und dem Förderpreis für komische Literatur ausgezeichnet. In der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" wurde er 2011 zum "Nachwuchsautor des Jahres" gewählt. Lotz lebt in Leipzig.

"Einige Engelserscheinungen in Amerika" ist der Titel des ersten Teils der "Erscheinungen". Lutz packt seine fiktiven Episoden aus dem 20. Jahrhundert in die nüchterne Form des Berichts. Dadurch wird der Kontrast zwischen dem objektiven Beschreiben und dem offensichtlich Unaussprechlichen besonders deutlich.

Die Engel bringen das Leben unscheinbarer Bürger schlagartig durcheinander und vermitteln ihnen existenzielle Erkenntnisse. Nicht wenige der Betroffenen stehen nach den mysteriösen Begegnungen endlich zu sich selbst – sie haben, ohne es richtig zu begreifen, in ihren eigenen seelischen Spiegel geschaut. Beispielsweise eine Hausfrau, die sich vor dem Engel zunächst für die unaufgeräumte Küche schämt. Plötzlich jedoch kommen ihr die herumstehenden Tassen und ungespülten Teller "wie in einer geheimnisvollen Ordnung aufgehoben vor, ebenso wie ihr bisheriges Leben auch". Bei einem Engel ist unklar, ob er zu seinem menschlichen Gegenüber "Fürchte dich" oder "Fürchte dich nicht" gesagt hat, aber das ist eigentlich auch nebensächlich: Letztlich wirken die Engel durch ihre Erscheinung, weniger durch ihre vieldeutigen Worte. Wolfram Lotz lässt die übernatürlichen Begegnungen für sich sprechen, vermeidet Analysen und Sinnsuche und untermauert dadurch die These eines fiktiven Wissenschaftlers, der Hauptfigur im Hintergrund: Dass die Erscheinungen nur dann verständlich sind, wenn sie als Phänomene in ihrer Gänze bestehen bleiben.

Mit einer Erscheinung ganz anderer Art befasst sich der Autor im zweiten Teil des Buchs in einer skizzenhaften Zeitreise vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart – mit dem Okánugu. Immer wieder wird das faszinierende und scheue Tier, eine Art Zwergnashorn, im südamerikanischen Regenwald gesichtet. Stets entzieht es sich der genauen Beobachtung, dafür aber widerfährt so manchem seiner Betrachter ein schlimmes Ende.

Zwei Bildfolgen des Künstlers Josef Felix Müller nähern sich dem Thema auf anderer Ebene. Sie ergeben beim raschen Durchblättern eine Mini-Filmsequenz in der Art des Daumenkinos. "Hildegards Erscheinung" gibt nach und nach den Blick auf das erstaunte Gesicht einer Frau frei. "Okánugus Auge" lässt hingegen den Betrachter selbst staunen: Eine nächtliche Aufnahme von farnartigem Gestrüpp wird zwar immer stärker herangezoomt. Was sich darin verbirgt, bleibt aber der Fantasie überlassen. Dieser bietet auch Wolfram Lotz auf knappem sprachlichem Raum erfrischend viel Stoff – ohne Assoziationskommandos. Bis auf eines: Die Bedeutung, die Menschen ihren Beobachtungen geben, hat oft erschreckend wenig mit der Wirklichkeit zu tun.

Das Buch: Wolfram Lotz: Erscheinungen. 112 Seiten. Vexer Verlag St. Gallen, Schweiz. ISBN 978-3-909090-61-7. 16 Euro.

 
 

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