Der "Fürstenbau" zählt zu den markantesten Gebäuden in Bad Rippoldsau. Foto: Schmid Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Schwestern verlassen Ordensniederlassung in Bad Rippoldsau / Silvina GmbH kauft Gebäude

Die Schwesterngemeinschaft der Liebe vom kostbaren Blute hat mit dem Verkauf des "Fürstenbaus" an die Silvina GmbH aus Baden-Baden seine Ordensniederlassung in Bad Rippoldsau endgültig verlassen.

Bad Rippoldsau-Schapbach. Die Ordensgemeinschaft besteht in Würselen im Kreis Aachen fort. In Bad Rippoldsau wirkte sie nahezu 70 Jahre. Der Deutsche Caritasverband hatte 1947 vom Land Baden-Württemberg die Gebäude des früheren Mineral- und Moorbads in Bad Rippoldsau gepachtet, um eine Heim- und Heilstädte für Jugendliche aufzubauen und eine Lungenheilstädte für kranke Flüchtlinge weiterzuführen.

Unter maßgeblicher Beteiligung der zehn Ordensschwestern wurde damals zunächst der "Badbau" notdürftig zur Aufnahme von Flüchtlingskindern instand gesetzt. Schon 1950 wurden im "Fürstenbau" zwei Etagen für erholungssuchende Kinder eingerichtet. Das Haus "Sommerberg" diente zunächst als Lungenheilstädte und der "Brunnenbau" als Altersheim für Flüchtlinge.

1952 wurde der "Fürstenbau" als klinisches Sanatorium mit Mineralbädern und Gästebetten für Kurgäste eingerichtet. Erst 1956 kauften die Schwestern die gesamten Badgebäude. Den Schwestern ist es zu verdanken, dass der einst völlig am Boden liegende Kurbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut werden konnte. Im Zeitraum von zehn Jahren nach Übernahme der Badgebäude investierte der Schwesternorden dazu sechs Millionen Mark. Zudem wurden die teilweise versiegten Mineralquellen saniert. Nach 18-monatiger Bauzeit wurde im Frühjahr 1958 das Kurmittelhaus mit Mineralhallenbad eingeweiht. Auch ein kanonisches Noviziat wurde erreichtet. Zudem entstand 1961 eine Haushaltsschule mit Internat für 36 Mädchen.

Schwesternorden von Klinik-Insolvenz stark betroffen

Um den modernen Ansprüchen zu genügen, musste in die Gebäude laufend investiert werden. Hohe Personalkosten und die sinkende Zahl junger Ordensschwestern führte 1974 zur Gründung einer Kurklinik und Sanatorien GmbH durch den Schwesternorden und die Gemeinde. Die Schwestern verkauften 1975 die Grundstücke mit Quellen an das neu gegründete Unternehmen, behielten aber den vierstöckigen "Fürstenbau", in dem die Schwestern wohnten. Er war bis zuletzt ein Refugium für Menschen aus dem Bereich Kirche, Ordensleute und Gruppen der katholischen Landfrauenbewegung. Sieben "Bad-Schwestern", wie die Ordensfrauen genannt wurden, fanden in der neuen Klinik Arbeit. Die Faktoren, die im 2011 zur Insolvenz und zum Verkauf der Klinik gfeührt haben, sind vielfältig. Von der Insolvenz waren die Gemeinde und der Schwesternorden am stärksten betroffen. Was den Schwestern blieb, ist der denkmalsgeschützte "Fürstenbau", einst Sommersitz der Adelsfamilie Fürstenberg.

Das Haus ist in gutem Zustand, alle Gästezimmer mit Dusche und WC ausgestattet. Trotzdem war es nicht einfach einen Käufer dafür zu finden. Ob und wann sich ein Investor findet, der den Kurbetrieb in Bad Rippoldsau wieder in Gang bringen könnte, ist nicht abzusehen. Die Klinik ist im Eigentum von chinesischen Investoren, die die Klinik in ein Vier-Sterne-Hotel umgestalten wollen. In den vergangenen Monaten hat sich wenig bewegt. Bürgermeister Bernhard Waidele ist dennoch zuversichtlich und geht davon aus, dass im Laufe des Frühjahrs die Eigentümer äußern werden. Tradition Fürstenbau wird weitergeführt

Der Erwerb des "Fürstenbaus" und der evangelischen Friedenskapelle im "Sommerbach" sind in ihrem historischen Kontext zu sehen. Beide Liegenschaften ergänzen sich nicht nur durch ihre unmittelbare nachbarschaftliche Lage, sondern insbesondere in ihrer Nutzung. Bereits in der Vergangenheit wurde der "Fürstenbau", als Gästehaus der Ordensgemeinschaft genutzt. Diese Tradition beizubehalten und auszubauen, ist ein Anliegen der neuen Eigentümerin Silvina GmbH. Von dieser Stätte, so die neue Gebäudeeigentümerin Karen Krusmann, sei schon zweimal ein Impuls zur Entwicklung des Kurorts ausgegangen. Die Entscheidung für den "Fürstenbau" sei vor dem Hintergrund der Zukunftsfähigkeit dieses Platzes gefallen, trotz der derzeitigen, von vielen Seiten als hoffnungslos eingestuften Situation. Der Niedergang der Bad Rippoldsauer Klinik könne auch eine Chance sein, so die Ansicht von Karen Krusmann.

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