Das Badgut in einer Ansicht um das Jahr 1910. Das zweite Gebäude von rechts ist der Fürstenbau von 1865. Hinter ihm ist die Villa Sommerberg zu sehen, im Hintergrund des Badhofs der Brunnenbau von 1820. Foto: Archiv Franz Foto: Schwarzwälder-Bote

Die Goeringer in Bad Rippoldsau: Geschichte einer Familiendynastie

Von Rudolf Franz Bad Rippoldsau-Schapbach. Otto Goeringer, 1853 geboren, zweitältester Sohn von Friedrich Goeringer und Maria Barbara Bacheberle, sollte der letzte seiner Familie als Badbesitzer in Rippoldsau sein. Er übernahm im Januar 1873, 19-jährig, nach dem unerwarteten Tod des Vaters den Familienbesitz zur Verwaltung. Zur Erbengemeinschaft gehörten außer ihm sein ein Jahr älterer Bruder Fritz sowie vier Schwestern.

 

1875/76 erfolgte die Abfindung der Schwestern. Otto und sein Bruder waren damit gemeinsame Eigentümer. 1884 verständigten sich die Brüder, Fritz schied aus, Otto wurde alleiniger Besitzer des Badunternehmens.

Der ersten Ehe von Otto mit Ida Hironimus entstammten zwei Kinder. Sohn Kurt verstarb mit 15 Jahren, Tochter Irma heiratete auswärts. Auch der zweiten Ehe von Otto Goeringer mit Julia Stierlein aus Untertürkheim waren zwei Kinder geschenkt: Otto junior und Hilde. Otto Goeringer als Alleineigentümer hatte weiterhin große Pläne. 1888 errichtete er einen weiteren Trakt, den neuen Badbau, in dem die Gäste nach modernsten Methoden behandelt werden konnten. So wurden Moor-Wannenbäder und bereits hydroelektrische Bäder angeboten. Die Stromerzeugung erfolgte mit einem eigenen Dampfkraftwerk. Ein Werbeprospekt um 1900 berichtete von 340 Betten, Zentralheizung, Aufzug und elektrischem Licht. Tennisplätze, Schießstände, Reitpferde, Jagd und Fischerei und drei Kurkonzerte täglich gehörten ebenso zum Angebot an die Gäste wie Damensalon, Billard-, Lese- und Musikzimmer.

Zur Finanzierung weiterer großer Vorhaben aber kam der rastlose Bauherr nicht umhin, zwei um 1890 im Ort erbaute Villen und das Anwesen Bergle zu verkaufen. Darüber hinaus musste er sein bislang privates Unternehmen 1908 in eine Aktiengesellschaft umwandeln. Als deren Vorstandsvorsitzender und Direktor des Unternehmens hatte er weiterhin das Sagen, Hauptaktionäre indes waren andere. Mit neuem Geld ausgestattet, errichtete er bereits ein Jahr später ein erstes Hallenbad und in sonniger Aussichtslage, über den anderen Gebäuden des Unternehmens, einen einzigartigen Hotelbau, die Villa Sommerberg. Das Badgut war auf dem Höhepunkt seiner internationalen Bedeutung angelangt.

In loser Folge stellen wir in einer Serie die Geschichte der Goeringers, einer alten Familiendynastie in Bad Rippoldsau, vor. 1777 kam Franz Xaver Anton Goeringer aus Bühl als neuer Badpächter ins Wolftal. Mit ihm begann eine fast 150-jährige, sehr erfolgreiche Ära im Badgut Rippoldsau.