Bürgermeister Bernhard Waidele (Zweiter von links) mit Gemeinderäten und Anwohnern, darunter Herbert Zimmermann (Vierter von rechts). Fotos: Hering Foto: Schwarzwälder Bote

Pumpversuche: Bürgerinitiave "Ausgepumpt" beleuchtet ihre Standpunkte bei Informationstreffen

Zu einer Informationsveranstaltung hatte die Bürgerinitiative "Ausgepumpt" eingeladen, um auf ihre Befürchtungen in Sachen Pumpversuche aufmerksam zu machen.

Bad Rippoldsau-Schapbach. Das Treffen, zu dem auch der Bürgermeister und Gemeinderäte eingeladen waren, fand in 918 Metern Höhe im Bereich Heidenstadt statt. Neben Bürgermeister Bernhard Waidele und vielen Gemeinderäten waren etwa 20 betroffene Anwohner und Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) vom Glaswald gekommen. Thema war die Absicht der Peterstaler Mineralquellen GmbH, im Bereich Heidenstadt aus einer Bohrung und im Gebiet Seeebene aus zwei Bohrungen Wasser zu fördern.

Die drei Bohrungen bis in 200 Meter Tiefe seien bereits eingerichtet und auch mehrwöchige Probeentnahmen vorgenommen worden, berichtete der Sprecher der BI, Ludwig Hoferer. Auf die Frage von Bürgermeister Waidele, ob auch Vertreter von "Peterstaler" eingeladen worden seien, erklärte Hoferer, dass dies bewusst nicht gemacht worden sei. Der von "Peterstaler" beauftragte Gutachter habe bei der geplanten Entnahmemenge von maximal 180 Litern pro Minute in diesem Bereich keine Probleme gesehen, da die Regenmenge dort jährlich zwischen 1800 und 2000 Liter pro Quadratmeter liege, so Hoferer.

Er und auch andere Glaswald-Anwohner haben mit Quellen ihre eigene Wasserversorgung, da sie nicht an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen sind. "Wir befürchten, dass wir bei der großen Wasserentnahme auf dem Trockenen sitzen werden", sagte er.

BI wünscht sich ein weiteres Gutachten

Zudem bemängelt die BI die Grundlagen für das Gutachten. Denn es seien die Regenmengen der Jahre 1975 bis 2012 berücksichtigt worden. Die aktuellen Werte lägen wegen der trockenen vergangenen Jahre bei nur noch 1400 Litern pro Jahr.

Die zusätzliche Wasserentnahme hätte bei weiterhin trockenen Jahren auch Folgen für den Wald, die Wolf und die Kinzig, ist die Bürgerinitiative überzeugt. So müssten Wasserkraftwerke an der Wolf ihre Leistung wegen des niedrigen Wasserstands schon reduzieren. Dies bringe der Klimawandel mit sich, ergänzte Hoferer. Auch für das angrenzende Naturschutzgebiet, ein Hochmoor, Feuchtwiesen und Naturreservate sieht die Bürgerinitiative Gefahren.

Für die BI ist das Verhalten der zuständigen Behörden unverständlich. Einerseits werde wegen der Trockenheit verboten, Wasser aus öffentlichen Gewässern zu entnehmen, andrerseits werde das Abpumpen von Wasserreserven genehmigt. Die BI richtete deshalb die Anregung an die Gemeinde, ein zweites, unabhängiges Gutachten zu veranlassen.

Herbert Zimmermann, einer der Anwohner, befürchtet, dass folgende Generationen die intakte Natur in diesem Bereich nicht mehr erleben könnten. Der Naturschutz sei höchst aktiv, wenn es um Feuchtbiotope und Feuchtwiesen im Bereich Glaswald gehe, aber bei der geplanten Wasserentnahme durch ein Unternehmen entwickle er wenig Aktivitäten.

Die Anwohner im Bereich Glaswald befürchten zudem, dass sie mit erheblichen Kosten belastet würden, wenn ihre Häuser an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen werden müssten. Bürgermeister Bernhard Waidele sah die Problematik, dass die Kommune für die Wasserversorgung aufkommen müsse, ebenfalls. Er und die Gemeinderäte strebten deshalb Gespräche mit Verantwortlichen von "Peterstaler" und zuständigen Behörden an, um diese Problematik zu klären. Peterstaler solle in dieser Hinsicht einen entsprechenden Beitrag gewährleisten.

Ein weiteres Problem für die Kommune sei, dass die Flächen, auf denen die Probebohrungen vorgenommen wurden, nicht im Eigentum der Gemeinde sind, so Waidele. Eigentümer sind der Forst Baden-Württemberg und ein Privatwaldbesitzer in Bad Rippoldsau-Schapbach. Damit, so Waidele, lägen die Flächen außerhalb der Einflussnahme durch die Gemeinde.

Laut dem Sprecher der Bürgerinitiative, Ludwig Hoferer, sind bereits Widersprüche gegen die Entscheidungen der Genehmigungsbehörden in die Wege geleitet worden. Zudem sei man mit der Bürgerbeauftragten des Landes, Beate Böhlen, in Kontakt getreten.

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