Albert M. Kraushaar aus Bad Liebenzell sitzt mit seiner Familie in Dubai fest. Der Journalist berichtet von Rauch und Kampfjets – aber auch, warum er sich derzeit keine Sorgen macht.
Seit Samstagmorgen, seit Israel und die USA neue Angriffe auf den Iran gestartet haben, ist die Welt eine andere. Ein neuer Krieg hat begonnen – und der Iran reagiert mit Gegenangriffen. Zahlreiche Länder der Region sind unter Beschuss.
Der Luftverkehr im Nahen Osten ist vielerorts lahmgelegt. Zehntausende Urlauber und Geschäftsreisende sitzen fest. Davon allein schätzungsweise 30 000 Urlauber von deutschen Reiseveranstaltern, hieß es dieser Tage. Einer davon ist Albert M. Kraushaar aus Bad Liebenzell.
„Wir haben hier im Vorfeld nichts mitbekommen“
Kraushaar ist in der Region kein Unbekannter; seit vielen Jahren arbeitet er als freier Journalist für unsere Redaktion. Aktuell befindet er sich mit seiner Familie, Kinder, Enkel, in Dubai.
Urlaub im Familienhotel, am Montag war eigentlich der Rückflug geplant. Am Sonntag machten Nachrichten die Runde, dass es bei der Abwehr von Drohnenangriffen in Dubai zu Verletzten kam. Dass Trümmerteile in die Höfe von Wohnhäusern fielen und Explosionsgeräusche in der Stadt auf Abfangraketen zurückzuführen seien.
„Wir haben hier im Vorfeld nichts mitbekommen und wurden von den Ereignissen völlig überrascht“, berichtet Kraushaar am Dienstag. Samstags habe er noch 45 startende Flugzeuge in einer Stunde gezählt.
Das Hotel der Familie befindet sich etwa sieben Kilometer entfernt von der bekannten künstlichen Inselgruppe „The Palm“, 18 Kilometer sind es bis zum Flughafen. Ein gigantischer Flughafen, von dem in der Regel Tausende Passagiere pro Stunde starteten, erzählt er. Seit Samstagmittag gebe es aber keinen Flugbetrieb mehr.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag seien sie kurz nach 1 Uhr durch einen Warnton des Handys aus dem Schlaf gerissen worden. Es folgte eine Warnung auf Englisch, in die Häuser zu gehen, Fenster und Türen zu meiden .
„Starker Fluglärm und Detonationen am Himmel und am Boden“
„Im Hotel herrschte schnell große Aufregung, Menschen sind auf die Gänge gerannt, ich bin auf den Balkon“, erzählt Kraushaar. „Zu sehen war in der Dunkelheit nichts. Aber es war starker Fluglärm und Detonationen am Himmel und am Boden zu hören.“
Nach einer halben Stunde habe sich das wieder beruhigt. „Am Morgen waren nur vereinzelt Kampfjets in großer Höhe zu hören und die Rauchwolke im Hafen zu sehen.“
Verlässliche Informationen, so der Journalist, gab es keine – „weder vom Hotel, Reiseleiter noch von der deutschen Botschaft“. Auf deutsches Fernsehen hatte Kraushaar keinen Zugriff – dafür aber auf das Internet. Mit allen dort zu findenden erschreckenden Schlagzeilen.
Dennoch hatte die Familie Glück. Da der Rückflug erst auf Montagmittag geplant gewesen war, „sind wir dem Chaos am Flughafen entgangen“, erzählt er.
So warteten sie den halben Tag auf gepackten Koffern im Hotel und hofften, noch abgeholt zu werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Flug noch nicht als annulliert bekanntgegeben worden – dass er es letztlich doch war, diese Information kam erst zwei Stunden nach dem eigentlichen Starttermin an. Die gute Nachricht: Die Familie kann erst mal im Hotel bleiben.
Und das Leben in Dubai gehe inzwischen weiter, als wäre nichts geschehen, berichtet der Journalist. Am Montag seien „noch zwei, drei Detonationen am Himmel und eine am Boden zu hören gewesen, im Kern jedoch heute (Dienstag, Anm. d. Red.) nur noch drei, vier Mal Lärm durch Kampfjets in großer Höhe“.
Am Boden sei alles ruhig, man höre auch keine Sirenen, sehe kein Blaulicht.
Kinder würden bei 30 Grad Sonne, Strand und Meer genießen – bei Urlaubsstimmung und Unterhaltungsprogramm.
„Ich persönlich mache mir keine Sorgen, ich fühle mich auch sicher“, erklärte Kraushaar am Dienstag. Der Grund: An ihrem Aufenthaltsort gebe es keine militärisch sinnvollen Ziele. Und seine Erfahrung beim Militär sage ihm, „dass höchstens von Irrläufern oder abgeschossenen Raketenteilen Gefahr ausgehen kann“.