Der Bad Liebenzeller Bürgermeister Roberto Chiari Foto: Frisch

Roberto Chiari äußert sich erstmals öffentlich zu seiner krankheitsbedingten Abwesenheit. Er gibt Details und äußert sich emotional. Auch für seine Gegner hat er Worte übrig.

Seit dem 17. März fehlte der Bad Liebenzeller Bürgermeister Roberto Chiari im Rathaus. Der Ausfall sei „krankheitsbedingt“, hieß es von dort. Genauere Informationen gab es nicht. Am 2. Mai kehrte Chiari in den Dienst zurück, leitete seither eine Ausschuss- und eine Sondersitzung des Gemeinderats. In Letzterer nutzte er die Gelegenheit, um eine Stellungnahme abzugeben. „Die Diagnose lautet Erschöpfungssyndrom“, sagte er über die gesundheitlich bedingte Pause.

 

Gewisses Tabuthema

Dieses Krankheitsbild sei immer noch ein gewisses Tabuthema. Psychische Erschöpfung entstehe nicht über Nacht, es gebe nicht die eine Ursache. Vielmehr sei es ein komplexes Zusammenspiel. Chiari sprach unter anderem von „unvorhergesehenen Schicksalsschlägen“. Bis zum 11. April sei er krank geschrieben, danach im Urlaub gewesen. Den habe er schon voriges Jahr eingereicht, ihn dann bis 30. April verlängert. Es sei für seine langfristige Arbeitsfähigkeit notwendig gewesen, sich diese Zeit zu nehmen. „Körperliche Gesundheit ist messbar - seelische Belastung weniger. Aber sie ist genauso real“, sagte Chiari. Auch Führungskräfte müssten auf Warnsignale hören und lernen, Hilfe anzunehmen. Für unterstützende Nachrichten aus dem Gremium, der Verwaltung oder von den Bürgern bedankte er sich.

Doch es gab während seiner Abwesenheit auch Kritik aus dem Gemeinderat. Vor allem, dass er bei der gescheiterten Verabschiedung des Haushaltes nicht dabei war, wurde von CDU und ZBL kommentiert. Chiari sah die Arbeit im Gremium als „ in Teilen schwer belastet“ an. Es gebe Mitglieder, die sein „politisches Aus“ zum Ziel hätten. Kritik und Meinungsvielfalt gehöre zur Demokratie. Aber wenn aus Gegnerschaft Strategie werde, leide die Handlungsfähigkeit der Stadt.

Kein „Einzelkämpfer“

Er sprach auch die Vorwürfe an, dass er sich zu sehr auf seine Amtsleiter verlasse oder sich nicht genug auskenne. Sein Verständnis von moderner Führung sei, auf das Fachwissen der Amtsleiter zu bauen. „Gute Führung bedeutet nicht, alles selbst zu wissen“, sagte Chiari. Es gehe darum, Verantwortung zu tragen – und am Ende mit klarem Kopf zu entscheiden. Das sei kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck eine „kooperativen Führungsstils“. Er sei kein „Einzelkämpfer“. „Sprechen sie mit mir, arbeiten sie mit mir“, sagte er zu denen, die Zweifel an seiner Amtsführung hätten. Nur gemeinsam könne man die Herausforderungen der Stadt bewältigen.

Bei seinem Amtsantritt sei die Situation aufgrund der Finanzlage nicht günstig gewesen. Trotzdem habe man zusammen einiges bewegt: die Einnahmesituation verbessert, den Neubau des Kindergarten in Unterlengenhardt, den Neubau an den Reuchlin-Schulen, Vorankommen bei der Erweiterung des Egartens, die Fortführung des Sanierungsgebietes. Das sei alles trotz Personalproblemen im Bauamt geschehen. Er wisse auch, dass es man nicht alles geschafft habe. Aber von einem Stillstand könne man nicht reden – eher von „Vorwärtskommen mit Augenmaß“.

Verlässliches Team

„Ja, ich war weg“, sagte Chiari, weil Körper und Geist ihn zum innehalten gezwungen hätten. Ja, er kenne sich nicht mit allem aus. Aber er habe ein verlässliches Team und übernehme Verantwortung. Vielleicht sei er zu sensibel und zu weich. Aber genau das brauche es, in einer Zeit in der „zu oft Lautstärke mit Stärke verwechselt wird“, fand er. Und ja, auch er mache Fehler, so Chiari. „Aber ich lerne“, sagte er. Er wolle Verantwortung tragen - trotz der außergewöhnlichen Situation in Bad Liebenzell. Er plädierte für einen konstruktiven Austausch im Gemeinderat. Und dafür, dass alle an einem Strang ziehen. Das habe „unsere Heimatgemeinde“ verdient.