Der Bad Liebenzeller Gemeinderat hat die kommunale Wärmeplanung abgesegnet. Die Stadt will fünf Maßnahmen daraus umsetzen. Um welche geht es?
Die kommunale Wärmeplanung hat ein klares Ziel. Bis 2040 sollen der Treibhausgasausstoß und der Energiebedarf im Sektor der Wärmeerzeugung drastisch gesenkt werden. Weg von fossilen, hin zu erneuerbaren Energieformen ist die Maßgabe. Denn das Land hat es sich zur Aufgabe gemacht, bis 2040 klimaneutral zu werden. Und die Kommunen machen sich mit auf den Weg.
Keine Verpflichtungen
Der Gemeinderat hat nun eine kommunale Wärmeplanung verabschiedet. Darin ist aufgelistet, wie die Ziele erreicht werden können. Noch nutzen viele Liebenzeller Heizöl. Laut Wärmeplanung gibt es aber gerade im Bereich der PV-Anlagen auf Dächern noch Potenzial. Verpflichtungen für die Bürger ergeben sich aus dem Gemeinderatsbeschluss aber keine. Die Wärmeplanung soll als Leitfaden dienen, hieß es bei einer Informationsveranstaltung im Februar.
Allerdings hat der Gemeinderat durchaus Maßnahmen beschlossen. Diese betreffen jedoch nur die Kommune selbst. Dazu zählt zum Beispiel die „Steigerung der Energieeffizienz in allen Bereichen“, wie es im Text der Wärmeplanung heißt. Das klingt etwas schwammig. Konkret sollen Messsysteme in allen großen Abnehmeranlagen eingebaut werden. Erst dadurch lassen sich konkrete Maßnahmen für das einzelne Gebäude ableiten, etwa wo sich eine Dämmung der Wände und des Daches oder neue Fenster lohnen.
Großer Schritt
Die zweite Maßnahme ist die Machbarkeitsstudie eines Wärmenetzes in der Kernstadt in Verbindung mit dem Missionsberg. Das Wärmenetz könne ein großer Schritt zur Klimaneutralität sein, heißt es in der Wärmeplanung. Aktuell werden die Grundlagen einer Projektskizze erarbeitet. Damit soll eine Förderung für das Projekt beantragt werden. 2028 könnte es schließlich in die konkrete bauliche Umsetzung gehen.
Studie soll Klarheit bringen
Als dritte Maßnahme hat der Gemeinderat beschlossen, zu prüfen, ob und wie die Kläranlage als Energiequelle dienen kann. Laut Wärmeplanung könnte das Faulgas oder die Abwärme aus dem abfließenden Brauchwasser besser genutzt werden. Dazu sei eine Kombination mit bestehenden Blockheizkraftwerken, PV-Anlagen oder neuen Energiespeichern möglich. Eine Studie soll Klarheit über die sinnvollsten Varianten bringen.
Neue Belastungen
Auch hinter der vierten Maßnahme versteckt sich eine Studie. Diese soll klären, wie das örtliche Stromnetz für ein dezentraleres Nutzungsverhalten fit gemacht werden kann. Denn künftig wird die Zahl von E-Autos, PV-Anlagen und Wärmepumpen steigen. Das sind neue Belastungen für ein Stromnetz, in dem bisher vor allem zentral erzeugter Strom aus Kraftwerken in die Haushalte floss. Die Wärmeplanung spricht von „steuerbarer Lastführung“ und „intelligenter Netzsteuerung“, welche die Stromnetze stabilisieren könne.
Frühestens 2027
Die letzte Maßnahme ist ebenfalls eine Studie, oder genauer gesagt: mehrere Studien. Die sollen ausloten, in welchen Gebieten sich Nahwärmenetze lohnen, welche Standorte für Heizzentralen, welche Flächen für Trassen benötigt werden. Diese „Quartierskonzepte“ sollen aber frühestens 2027 erstellt werden. Und auch nur dann, wenn die Stadt dafür Fördermittel bekommt.