Der Bad Liebenzeller Gemeinderat verlängert den Vertrag. Hölzlberger sollte als interner Verwaltungsleiter ursprünglich eine Übergangslösung sein. Bald ist er seit einem Jahr da.
Seit mehr als einem Jahr ist Bürgermeister Roberto Chiari mit kurzer Unterbrechung krankgeschrieben. Die Amtsgeschäfte leitet seither sein Stellvertreter Sebastian Kopp (UL).
Der Stellvertreter-Job ist ein Ehrenamt. Deshalb entschied sich der Gemeinderat im Juni 2025 dazu, Kopp einen hauptamtlichen Helfer zur Seite zu stellen. Haiterbachs Alt-Bürgermeister Andreas Hölzlberger fungiert seither als interner Verwaltungsleiter.
Zwischenlösung Diese Konstruktion war ursprünglich als Zwischenlösung gedacht. Hölzlberger sollte solange die Verwaltung leiten, bis Chiari aus dem Krankenstand zurückkehrt.
Im letzten Sommer befristete der Gemeinderat Hölzlbergers Vertrag auf Maik Volz’ (CDU) Initiative hin deshalb zunächst auf ein halbes Jahr. Die Möglichkeit der Verlängerung war gegeben. Volz wollte aber einen Verlängerungs-Automatismus verhindern.
Viele Nachfragen Allerdings zieht sich Chiaris Abwesenheit weiter hin. Wann und ob er überhaupt ins Amt zurückkehrt, ist offen. Kopp hat auf viele Nachfragen in diversen Sitzungen stets betont, dass die Verwaltung lediglich über die Daten der Krankschreibung Bescheid wisse.
Darüber hinaus gebe es keine offiziellen Informationen. Diese Krankschreibung Chiaris wurde mehrmals verlängert, wie Kopp zu verschiedenen Zeitpunkten erklärte. Zuletzt hätte Chiari zum 1. März zurückkehren sollen, dann zum 1. April. Doch auch daraus wurde nichts.
Der Gemeinderat hatte zwischenzeitlich Hölzlbergers Vertrag bis zum 31. März verlängert. Zunächst fasste das Gremium im Dezember den Beschluss, den internen Verwaltungsleiter weiterzubeschäftigen. Hözlberger bekam für seine Arbeit viel Lob.
So gelang es ihm, den jahrelangen Streit zwischen Stadt, Gemeinderat und der Firma Häberle über Pachtverträge für Grundstücke in den Talwiesen beizulegen.
Doch im Gremium wurde auch Kritik laut. Hölzlbergers Anstellung verursache hohe Personalkosten. Und der Gemeinderat bemängelte, dass es keine Informationen zu Chiaris Verbleib gibt.
Abstimmung Nun stand in der März-Sitzung wieder eine Abstimmung über die Weiterbeschäftigung Hölzlbergers auf der Tagesordnung. „Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht“, sagte Kopp. Es gebe immer noch keine Informationen über Chiaris mögliche Rückkehr. Kopp warb deshalb dafür, die „praktikable Lösung“ mit Hölzlberger als Verwaltungsleiter weiterzuführen. Eine Vertragsverlängerung bis Ende Juni stand zur Abstimmung.
Billigere Alternative? Norbert Maier (AfD) war wie schon im Dezember dagegen. Hölzlberger mache einen guten Job, koste die Stadt aber viel Geld. Da müsse der Gemeinderat angesichts der hohen Verschuldung handeln. Zumal es seiner Meinung nach eine billigere Alternative gibt. „Für was haben wir drei Stellvertreter?“, fragte er in die Runde. Denn neben Kopp sind auch Katrin Heeskens (UL) und Ekkehard Häberle (ZBL) Stellvertreter des Bürgermeisters. Das seien gute Leute, so Maier. Wenn der Job für Kopp allein zu viel Arbeit sei, könne das Trio sich den Job ja teilen. Das käme die Stadt billiger, als Hölzlberger weiterzubeschäftigen.
Katrin Heeskens (UL) warf ein, dass die Stellvertreter schon viel machten. Aber was in dem Job gefragt sei, könnten die Stellvertreter gar nicht leisten. Eine Aufteilung der Arbeit, so wie Maier sich das vorstellt, sei organisatorisch gar nicht machbar, sagte Kopp. „Das ist fernab jeder Realität“, fand er. Mit den Hauptberufen der jeweiligen Stellvertreter sei das einfach nicht darstellbar. Fritz Steininger (UL) merkte an, dass Kopp wegen seiner Stellvertretertätigkeit in seinem Job als Bestatter auf viel Geld verzichten müsse.
Kosten Die Verwaltung machte auch erstmals konkrete Angaben dazu, was Hölzlbergers Anstellung die Stadt kostet. Für seine bisherige Tätigkeit von Juli bis März waren es 63 500 Euro. Die Verlängerung bis Ende Juni kostet nochmals 25 000 Euro.
Der Gemeinderat stimmte schließlich mehrheitlich für Hölzlbergers Weiterbeschäftigung. Ende Juni ist Hölzlberger dann seit einem Jahr in seinem Job. Eine lange Zeit für jemanden, der eigentlich als Zwischenlösung geholt wurde.