September 2021: Roberto Chiari wirft seine Bewerbung für das Bürgermeisteramt in den Briefkasten des Rathauses. Foto: Krokauer

Roberto Chiari ist seit einem halben Jahr krankgeschrieben. Andreas Hölzlberger unterstützt in der Zwischenzeit die Verwaltung. Doch wie lange muss – und darf – er das noch tun?

Im Mai machte Bürgermeister Roberto Chiari erstmals seine Burn-Out-Erkrankung öffentlich. „Die Diagnose lautet Erschöpfungssyndrom“, begründete er damals seine sechswöchige Abwesenheit. Aber Chiaris Rückkehr dauerte nur kurz. Bereits nach wenigen Wochen fehlte er erneut. Er war wieder krankgeschrieben, erst bis 11. Juli, dann bis zum Jahresende.

 

Wie schon im März übernahm seit Mai wieder Chiaris Stellvertreter Sebastian Kopp (UL) die Amtsgeschäfte. Der Stellvertreterposten ist ein Ehrenamt. Das heißt, Kopp geht seinem normalen Beruf als Bestatter weiterhin nach. Als sich die längere Abwesenheit Chiaris abzeichnete, machte sich der Ältestenrat gemeinsam mit Landrat Helmut Riegger und der Kommunalaufsicht Gedanken, wie Kopp in seinem Ehrenamt entlastet werden könnte.

Innere Verwaltung

In dieser Runde entstand eine Idee: Kopp führt zwar weiterhin die Amtsgeschäfte. Aber der Haiterbacher Alt-Bürgermeister Andreas Hölzlberger leitet künftig die innere Verwaltung. Der Gemeinderat stimmte diesem Plan im Juli zu. Hölzlberger verbrachte seither 35 Stunden die Woche im Liebenzeller Rathaus. Auf Maik Volz’ (CDU) Antrag hin befristete der Gemeinderat Hölzlbergers Anstellung bis zum Jahresende.

Andreas Hölzlberger mag die Herausforderung – so auch bei der Verwaltungsleitung in Bad Liebenzell. Foto: Katzmaier

Chiari fällt wohl weiter aus

Nun gibt es keine offiziellen Informationen dazu, ob Chiari am 1. Januar wirklich wieder ins Amt zurückkehrt. Allerdings scheinen sie im Rathaus nicht davon auszugehen.

Deshalb beschäftigte sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung nun erneut mit Hölzlbergers Stelle. Die Verwaltung schlug vor, ihn bis zum 31. März weiterzubeschäftigen, „um die Verwaltung zu stabilisieren“, wie in der Sitzungsvorlage steht. Kopp betonte, dass er nicht sagen könne, wann Chiari zurückkommt. Die Verlängerung von Hölzlbergers Vertrag schaffe für die Verwaltung Planungssicherheit.

Rundum Lob

Im Gemeinderat gab es rundum Lob für Hölzlbergers Arbeit. Volz (CDU) beispielsweise bedankte sich bei ihm, dass er die Streitigkeiten bezüglich der Pachtverträge in den Talwiesen zwischen der Stadt und der Firma Häberle ausgeräumt habe. Trotzdem war Volz gegen eine Weiterbeschäftigung Hölzlbergers. „Es geht auch ums Geld“, so Volz. Hölzlberger wird für seine Tätigkeit von der Stadt bezahlt. Er bekomme weniger als Chiari, aber mehr als Kämmerer René Kaufmann, erklärte Hölzlberger im Sommer. Chiaris Gehalt liegt bei etwa 8100 Euro. „Wir können uns keine zwei Bürgermeister leisten“, sagte Norbert Maier (AfD). Es gebe drei Stellvertreter. Die müssten sich die Arbeit eben teilen.

Hölzlberger zu teuer?

„Ja, Herr Hölzlberger kostet Geld“, erkannte Kopp an. Aber mit ihm habe die Verwaltung viel „weggearbeitet“. Da sei man noch nicht am Ende. Deshalb brauche man ihn weiterhin. Es seien organisatorische Defizite zu Tage getreten, die sich über viele Jahre angestaut hätten. „Der Mann ist sein Geld wert“, sagte Dietmar Lehmann-Schaufelberger (Grüne) über Hölzlberger. Die Stadt brauche jemand, der sich auf der Position auskenne. Katrin Heeskens (UL) hielt es für unrealistisch, dass die drei Stellvertreter Hölzlberger ersetzen könnten. Dietmar Fischer (CDU) bemängelte, dass nicht wenigstens ein kleiner Kreis über Chiaris aktuellen Zustand und eine mögliche Rückkehr informiert werde. Im Gremium kam es schlecht an, dass der krankgeschriebene Chiari, der auch Kreisrat ist, bei der Wiederwahl von Landrat Helmut Riegger Anfang November im Kreistag anwesend war. Volz bezeichnete das im Gemeinderat im November als „Schweinerei“. Die Bürger fühlten sich „verarscht“.

Mehr Infos vom Landrat

Fischer schlug vor, als Gremium einen Brief an den Landrat zu schreiben, um mehr offizielle und „dienstrechtlich zulässige Informationen“ zur aktuellen Situation und zur Perspektive zu bekommen. Diese Informationen brauche des Gremium als Orientierung und um handlungsfähig zu bleiben, las Fischer aus dem vorformulierten Brief. Auch Fischer betonte, das Hölzlbergers Weiterbeschäftigung Geld koste und „wenig Druck aufbaue“. „Wir sind in einer Art Zwangslage“, sagte Fischer. Das Bürgermeisteramt habe eine Verantwortung, der man gerecht werden müsse. Es war in der Sitzung unklar, wer aus dem Gremium Fischers Brief mitunterzeichnen will. Kopp erklärte zudem, dass viele der Fragen bereits in einer nicht -öffentlichen Sitzung beantwortet wurden.

Große Mehrheit

Für Marco Hofmann (ZBL) stellte sich angesichts der fraglichen Weiterbeschäftigung Hölzlbergers vor allem eine Frage: „Ist es ohne Herrn Hölzlberger überhaupt machbar?“. Es ginge schon, sei für die Stadt aber nicht zielführend, antwortete Kopp. Und schließlich genehmigte der Gemeinderat mit großer Mehrheit, dass Hölzlberger bis Ende März bleibt. Maier (AfD), Fischer und Volz (beide CDU) stimmten dagegen. Ekkehard Häberle (ZBL) enthielt sich.

Doch die großen Fragen blieben unbeantwortet. Wann kehrt Chiari ins Amt zurück? Kehrt er überhaupt ins Amt zurück? Oder müssen die Liebenzeller bald einen neuen Bürgermeister wählen?