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Bad Liebenzell "Wir spielen Klavier, seit wir acht Jahre sind"

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Klavierkonzerte in Krankenhäusern haben Seltenheitswert. Wenn dann noch Zwillinge am Piano sitzen, ist das eine Rarität, die ein Hinhören wert ist. So war der Blaue Saal in der Paracelsus-Klinik in Unterlengenhardt beinahe voll besetzt, als Clara und Marie Becker Werke von Robert Schumann und Johannes Brahms spielten.

Bad Liebenzell-Unterlengenhardt. Aber erst mal ein paar Worte zu den beiden Künstlerinnen: Das Auffallendste sind ihre roten Haare, die ihnen, wie es sich eben bei Zwillingen gehört, in haargenau gleicher Länge über die Schulter fallen. Zwei auffallend hübsche junge Frauen, beide gleichen sich in der Tat wie ein Ei dem anderen. Wie man sie denn unterscheiden könne, will man wissen? "Marie spielt immer den oberen Part", antwortet Clara wie aus der Pistole geschossen.

Auf der Bühne, vor dem schwarzen Flügel sitzt Marie rechts, also dem Publikum zugewandt und ist zuständig für die höheren Oktaven. Marie ist dunkel gekleidet, ihr für die tieferen Töne verantwortlicher Zwilling ist hell gekleidet. Gleich beim ersten, sehr lebendigen und leidenschaftlichen Stück – es sind "Variationen" von Brahms – entsteht der Eindruck, Marie sei die Dominierende im Spiel, zuständig für die rasanten Tonkaskaden, die schnellen Läufe, das Fortissimo. Clara wirkt streckenweise beinahe wie eine Begleitung, so wie bei Kammermusik mitunter der Kontrabass eher in den Hintergrund tritt. Doch die Mischung, die die beiden Frauen an diesem Abend bieten, wirkt wiederum durchaus ausgeglichen und harmonisch. Es gibt warmen Beifall.

Aber die beiden jungen Pianistinnen – beide sind 21 und stammen aus Mainz – haben ein Problem. Marie spricht das beim kurzen Plausch vor dem Auftritt ganz offen an: "Das Repertoire zum Vierhändigen ist eher beschränkt." Die großen, die dem breiten Publikum bekannten Klaviersonaten oder Klavierkonzerte sind eben in der Tat fast ausschließlich für Piano-Solisten komponiert. Man sei dadurch musikalisch etwas eingeschränkt, sagt die Musikerin mit deutlichem Ton des Bedauerns. Meist sind es die Romantiker, die für Doppel-Pianisten komponiert hätten. Daher ist es auch kein Zufall, dass die beiden vor einem Klavierstück ausdrücklich darauf hinweisen, wenn es speziell fürs Vierhändige geschaffen wurde. Wie etwa bei den beiden "Großromantikern" Brahms und Schubert.

Schade ist, dass die beiden jungen Frauen dem Publikum nicht ein bisschen vorgestellt wurden. Ihr Werdegang ist bemerkenswert: Sie stammen aus einer Musikerfamilie. Musik habe es Zuhause schlichtweg immer gegeben. "Wir spielen Klavier, seitdem wir acht Jahre alt sind", sagt Marie. Doch erst seitdem sie 14 sind, sitzen sie gemeinsam am Piano. "Es hat sich so ergeben." Nach dem Abitur vor zwei Jahren sei die Sache dann ernst geworden. "Wir haben in Paris studiert", die Lehrerinnen heißen Isabelle und Florence Lafitte, "die beiden sind übrigens auch Zwillinge". Zwillinge lehren Zwillinge die hohe Kunst des Pianospiels – das Leben schreibt doch immer noch die tollsten Geschichten.

Bald treten die beiden in New York auf

Abschluss und Höhepunkt ist dann wieder Brahms. "Die Ungarischen Tänze kennen Sie ja wahrscheinlich alle?", fragt Clara. Tatsächlich handelt es sich vor allem bei dem ersten Tanz beinahe um einen Ohrwurm, auch wer noch nie in seinem Leben in Ungarn war, hört hier sofort "irgendwie etwas Ungarisches" heraus. Bekannt und weltweit gehört ist allerdings eher die Orchesterversion.

Beide Pianistinnen spielen energisch und präzise – mitunter scheint der Saal für ihr Fortissimo ein wenig zu klein. Zwei begabte junge Frauen, man kann ihnen nur Erfolg wünschen. Marie sagt, demnächst würden sie in New York spielen. Der Beifall im "Blauen Saal" der Paracelsus-Krankenhauses fällt ausgesprochen herzlich aus, es gibt sogar eine Zugabe.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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