Schellten die humorvollen Neujahrsnachrichten in der Kurstadt aus: der Büttel (rechts) und sein Gefolge vom Musikverein Bad Liebenzell-Beinberg bei einem musikalischen Pausenumtrunk zusammen mit Bürgermeister Volker Bäuerle (links). Foto: Eitel

Büttel wundert sich über Formulierungskünste für Volksabstimmung.

Bad Liebenzell - Gesundheit, Glück und Heiterkeit wünschte der Bad Liebenzeller Büttel den Bürgern und Gästen zum neuen Jahr. Über das alte Jahr hatte er viel zu erzählen, und es würde den Rahmen sprengen, auf alle Details seiner Schilderungen einzugehen.

Aber einige Ereignisse haben es ihm besonders angetan. Die Volksabstimmung über Stuttgart 21 beispielsweise kam ihm doch recht seltsam vor: "Wenn Du dagega bist, muss Du ›Ja‹ sagen, und wenn Du dafür warst, hast Du ›noi‹ saga müssa." Von dererlei Formulierungskünsten hätte auch der Schultes gelernt. "Gell ihr habet nichts gegen die Erhöhung der Hundesteuer", habe er im Gemeinderat gefragt. Die Räte hätten mit ja geantwortet und würden sich jetzt noch wundern, dass es keine Erhöhung gibt. "Da sieht man scho, dass Demokratie nix für Domme ist", meint der Büttel.

Einen schlimmen Eingriff in die Privatsphäre schwante dem Büttel bei der Bürgerbefragung zur Abwassergebühr: "Jetzt wollen dia wissa, ob i bei meim Geschäft sitz oder steh und wie i mei Toilet benutz." Unbehagen bereiten ihm auch die geschwollenen Fachausdrücke und das Amtsdeutsch. So sei aus dem im Blumenstiel geplanten Altersheim mit medizinischer Versorgung eine "Verbundeinrichtung der Gesundheitsvorsorge, Klinik für geriatrische Rehabilitation und eine Pflegeeinrichtung im Wohngruppenkonzept" geworden. Der Büttel befürchtet, dass er auf seine alten Tage noch in einer Wohngemeinschaft landet. Um so mehr freut sich der Büttel über die Wiedereröffnung der Therme im Frühjahr: "I hoff blos, dass des Frühjahr 2012 gmoint isch."

Wohlwollende Anmerkungen zollte der Büttel der neuen Hochschule auf dem "Missionsbuckel", den zahlreichen Aktivitäten des neuen Stadtseniorenrats, der Gewerbeansiedlung im Unterhaugstetter Egarten und den Festlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Turnvereins Maisenbach-Zainen, bei dem Vorstand Fritz Steininger sein Entertainertalent einmal mehr unter Beweis gestellt habe. Auch andere Großveranstaltungen wie der Halbmarathon, Tanzsportwettbewerbe im Kurhaus, der Familienabend des Schwarzwaldvereins oder der Autokorso im Kurpark kamen nicht zu kurz.

Mit gemischten Gefühlen beobachtet der Büttel jedoch den derzeitigen Generationswechsel in den Vereinen. "Der Schwarzwaldverein hat koin Apotheker und Wirt mehr im Vorstand und die Feuerwehr kein Fischer", stellt er fest. Dafür gebe es mit dem neuen Kommandanten neben dem Schultes einen zweiten Bäuerle. Gewaltigen Eindruck auf den Büttel haben auch der Weinkeller im Pfarrhaus und die Künste von Stadtpfarrer Dieter Lohrmann als spiritueller Wanderführer gemacht.

Eine menschliche Note obendrein erhielten die "Gschichtle" zum neuen Jahr, als Büttel Hubertus Teufel seinen Vorgänger Erich Blessing begrüßte, der vor ihm mehr als zwei Jahrzehnte lang die Neujahrsnachrichten ausgeschellt hatte.

Und auch die Ernennung des ausscheidenden Amtsboten und "Mann für alle Fälle", Erich Warum, zum Oberhofrat belohnten die zahlreichen Besucher mit herzlichem Beifall.