Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Bad Liebenzell Vorträge schildern eindrucksvoll die Zeit im "Spitzel-Staat DDR"

Von
Die Akteure (von links): Helmut K. Schiek, Alina Höffgen, Barbara Schmidtke, Gerhard und Renate Treichel Foto: Schiek-Pabst Foto: Schwarzwälder Bote

Bad Liebenzell. Der Stadtseniorenrat Bad Liebenzell hatte, ganz der bisherigen Tradition folgend, zu der beliebten Veranstaltung mit "Worten und Noten" eingeladen, die nunmehr im sechsten Jahr stattgefunden hat. Die Organisation lag in den bewährten Händen von Renate und Gerhard Treichel.

Bürgermeister Dietmar Fischer begrüßte die Zuhörer und meinte, dass der bescheidene Besuch möglicherweise dem schönen Frühlingswetter geschuldet sei. Gerhard Treichel beschrieb aus seinem neuen Roman "Am späten Nachmittag – Wir sind das Volk, Szenen des Aufbruchs" eindrucksvoll die Zeit vor dem Mauerfall im Oktober vor 30 Jahren. Es ging dabei um die Verteilung der Broschüre "Sputnik", in der die "Perestroika/Glasnost" beschrieben war. Diese Verteilung war jedoch in der ehemaligen DDR verboten und führte zu erheblichen Schwierigkeiten mit der Stasi.

Da auch ein DDR-Bürger als verschwunden gemeldet wurde und dessen Verbleib zunächst unbekannt war, fasste die Familie bei einem Anwalt ihres Vertrauens nach. Dieser ermittelte den Aufenthalt im Stasi-Gefängnis in Bautzen.

Von Musik untermalt

Der Stasi war wenig später bekannt, woher die Broschüre stammte und wer diese verbreitet hat. Der Informant war der "vertrauenswürdige" Rechtsanwalt, was sich aber erst sehr viel später herausstellte. Der Vortrag von Gerhard Treichel wurde durch ein musikalisches Intermezzo untermalt.

Barbara Schmidtke, Inhaberin des "Freien Theaters" in Bad Liebenzell, las eindrucksvoll aus dem Buch von Ines Veith, das auch verfilmt wurde, "Die Frau vom Checkpoint Charlie". Es waren niederschmetternde Szenen und menschenunwürdige Zustände im berüchtigten Frauengefängnis Hoheneck/Stoltenberg, die die Hauptperson im authentischen Roman durchmachen musste. Sie wurde damals vom Gericht in Dresden wegen ihrer gescheiterten Flucht mit einer Schlepperbande zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Fluchtversuch galt als Hoheitsverrat in der damaligen DDR.

Beide Vorträge schilderten eindrucksvoll die damalige Zeit im "Spitzel-Staat DDR", in dem die Bürger keine eigene Meinung kundtun durften, um nicht Gefahr zu laufen, verhaftet zu werden.

Während der beiden Lesungen trübte sich das Wetter ein und es begann zu regnen, so als ob auch der Himmel über die damalige Zeit weinte.

Für Helmut K. Schiek war danach der Übergang zu seinen Anekdoten und Gedichten ein schwieriger Akt, den er dadurch meisterte, dass er zunächst über seine eigenen Erfahrungen mit dem DDR- Unrechtsstaat berichtete und meinte: "Den Mauerfall vor 30 Jahren sollte man als das Frühlingserwachen aus der gesellschaftlichen Erstarrung mit Angst und Hoffnungslosigkeit der Wiedervereinigung betrachten!" Anschließend berichtete er in Anekdoten und Gedichten über seine Kindheit und Jugendjahre, die oftmals nicht leicht waren, ihn aber in seinen Zielen und seiner späteren Berufslaufbahn gestärkt hätten. Es sei seinen Eltern trotz deren Strenge noch heute dankbar.

Um die Zuhörer in die Veranstaltung mit einzubeziehen, bat er diese mit ihm zusammen zwei Lieder zum Monat Mai zu singen: "Der Mai ist gekommen" und "Komm lieber Mai und mache".

Die Veranstaltung wurde von der jungen Pianistin Alina Höffgen, Wildbad, musikalisch am Klavier begleitet. Die Musikstücke wurden von Renate Treichel mit Texten nachträglich unterlegt. Sie führte auch durch das Programm. Die Zuhörer bedankten sich bei allen Vortragenden mit Beifall. Der Veranstaltung schloss sich ein Ständerling an.

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.