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Bad Liebenzell Von kräftigem Honig und leuchtenden Bienen

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Die Gruppe um Koch Raphael Dworak (Zweiter von links) lauscht den Ausführungen. Foto: Schwarzwälder Bote

Es ist ein echtes, kleines Schlaraffenland – der Bad Liebenzeller Ortsteil Unterlengenhardt. Dank des Ulmenhofs hier, dank der Menschen. Und heute fließt hier tatsächlich der Honig. In Strömen. Exklusiv für die Jugendlichen des Werkbereichs des Heil- und Erziehungs­instituts Burghalde.

Bad Liebenzell-Unterlengenhardt. Die Jugendlichen besuchen an diesem Morgen Hobby-Imker Joachim Hobbach auf seinem "Birkenhöfle"; einst – wie der Hausherr erklärt – die "Keimzelle" des weit über Unterlengenhardt hinaus bekannten Ulmenhofs. Die Idee zum Besuch der Burghalden-Jugendlichen entstand, erzählt Hobbach, als er mit Raphael Dworak, dem Koch des Werkbereichs der Burghalde, "in den Kirschen hing", um die rote Frucht direkt vom Baum zu pflücken.

Nicht selbstverständlich

Denn genau unter den Kirschbäumen in Hobbachs Garten steht der große Bienenstand. Es summt und brummt ohne Unterlass – auch für die Bienen ist das hier alles "ein prall gedeckter Tisch": überall blüht es, duftet es. "Das ganze Jahr hindurch ist das so", erzählt Juschka Hobbach, die Frau des Hauses. Selbst – den Titel trägt sie mit großem Selbstbewusstsein – eine versierte "Kräuterhexe" (auch "Heilkräuter-Lehrerin" genannt). Heute aber ist sie die Assistentin ihres Mannes, die mit dem üppig qualmenden "Smoker" die fleißigen Bienen ein bisschen in Schach hält. Die sind zwar sowieso ungewöhnlich friedlich – auch ohne "Smoker" – , aber heute ist ja Besuch da, da geht man lieber auf Nummer sicher. Joachim Hobbach sieht derweil in seiner vollen Imker-Montur mit Schutzanzug, Gas-Helm und Handschuhen auch ein wenig wie ein Raumfahrer oder – ganz aktuell – wie ein sich vor Corona schützender Mediziner aus.

Die Aufgabe heute: Aus der Beute, der Bienenbehausung, sollen einige Waben entnommen werden, aus denen die Jugendlichen später in ihrer Werkküche eigenen Honig und daraus dann Leckereien herstellen sollen. "Die Bienen um den Honig bitten", nennt das Hobbach. Weil die Ernte niemals eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Der süße Saft ist ein Geschenk, das man mit Ehrfurcht empfangen sollte, ist der Imker überzeugt – vor dem Leben und der Leistung der Bienen. Für ein einziges Glas Honig legten die Bienen eine Strecke zurück, die einer Umkreisung der Erde entspricht: 40 000 Kilometer für 250 Gramm.

Allerdings – erstes Hindernis bei der Honigernte heute: Die Zargen im Bienenstand (in die die Rahmen für die Waben eingehängt sind) lassen sich nicht so einfach voneinander lösen. Auch nicht mit ein bisschen mehr Kraft. Oder dem Stockmeißel, dem Allzweckwerkzeug eines Imkers. "Vorführeffekt", lacht Imker Hobbach. Und zieht die Waben halt so von oben aus den Kästen. Dann schüttelt er die Bienen von den Waben vorsichtig ab, reicht die honigtriefenden Rahmen herum. Jeder darf, soll mal von dem Honig selber kosten – direkt auf den Finger; frischer geht’s nicht. "Da wird man echt zum Honigbär", lacht der Imker.

Die Jugendlichen, die kosten, sind begeistert. Die anderen schüchtern. Aber das gibt sich bald. Derweil erklärt Juschka Hobbach, dass der Unterlengenhardter Honig mit der ersten Ernte im Frühjahr "sanft, frisch und leicht" im Geschmack anfange – und dann mit den Trachten des Sommers "immer kräftiger" werde – was sie selbst dann besonders gerne mag. Da mischten sich dann die Aromen des Waldes in den Honig. Oder – ganz aktuell – der "Nachtkerze", eine alte Heil- und gerade neu entdeckte Kulturpflanze. Die hier im großen Garten der Hobbachs sehr vielfältig verbreitet ist und besondere Eigenschaften hat: "Wenn wir abends auf der Terrasse sitzen, leuchten die Bienen in der Abenddämmerung – so dass wir sie erst für Glühwürmchen hielten." Aber es war der Pollen der Nachkerze, den die Immen trugen – und der fluoreszierende Eigenschaften hat.

Jetzt dürfen die Jugendlichen ihre Fragen stellen: "Woraus besteht eigentlich das Bienenwachs?", fragt einer. Damit hat Hobbach nicht gerechnet – "eine gute Frage", die er auch nach 15 Jahren Imkerei nicht aus dem Stand beantworten kann. "Das muss ich nachschlagen", meint er. Wahrscheinlich aus viel Gutem – denn Heilkräuter-Lehrerin Juschka macht aus dem Bienenwachs Salben für den Hausgebrauch. Nun wird eine Kugel Propolis herumgereicht, ein ganz besonderes Bienenwachs. Auch "Imker-Kaugummi" genannt. Duftet nach Karamell, "schützt vor Erkältung". Auch dies "made in Unterlengenhardt".

Doch jetzt wird alles eingepackt. Zurück geht es in die Werkküche der Burghalde. Wo Dworak den Honig gemeinsam mit seinen Schützlingen übernehmen wird. Was es geben wird? "Mal sehen, was die Kinder wollen", sagt er, der die große Karriere in der europäischen Spitzengastronomie an den Nagel gehängt hat, um hier auf der Burghalde in seiner sonderpädagogischen Werkküche zu arbeiten. Warum nur? "Wegen der wahnsinnig tollen Produkte, die es hier direkt vor der Haustür gibt!" Ein klein bisschen neidisch blickt man den Burghalden-Kindern hinterher, die gleich verschiedene Schmankerl mit dem Honig probieren dürfen.

Nachtrag – damit die Frage nicht unbeantwortet bleibt: Bienenwachs besteht aus Myricin (Gewichtsanteil rund 65 Prozent), einem Gemisch von Estern langkettiger Alkohole und Säuren, das von Palmitinsäuremyricylester dominiert wird; daneben freie Cerotinsäure, Melissinsäure und ­ähnlichen Säuren (zwölf Prozent), gesättigten Kohlenwasserstoffen (etwa 14 Prozent), Alkoholen (rund ein Prozent) und anderen Stoffen (wie bienenartspezifischen Aromastoffen; sechs Prozent).

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