In den nächsten zwei Wochen werden die Pflasterarbeiten der Zugangswege abgeschlossen sein. Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Soziales: In Unterkünften gibt es Wechselspiel zwischen Gemeinschaft und Privatsphäre

Bad Liebenzell. Beim Tag der offenen Tür in den Hoffnungshäusern Bad Liebenzell der Hoffnungsträger Stiftung mit Sitz in Leonberg ließen sich die vielen Besucher von den Mitarbeitern der Bereichsleitung Immobilien die Gebäude erklären. Ebenso war das integrative Wohnkonzept Grund für viele Fragen an die Betreiber des Projektes, hier speziell an die künftigen Hauseltern Sarah und Tobias Zinser sowie den Sozialarbeiter Dominic Schikor.

Die Hauseltern mit ihren vier Kindern werden im Haus wohnen. Die ersten Bewohner ziehen ab 10. Februar ein, erzählte Sarah Zinser in einer Drei-Raum-Wohnung, die künftig von zwei Frauen und einem Kind genutzt wird. Die Auswahl der künftigen Bewohner fand nach gemeinsam von Landratsamt Calw, Stadt Bad Liebenzell und dem Arbeitskreis Asyl aufgestellten Kriterien statt. Es sind anerkannte Flüchtlinge aus Afghanistan, Pakistan, Somalia, Äthiopien, Syrien und dem Irak. Weiter wird es eine Sechser-Wohngemeinschaft mit Studenten und eine Vierer-Wohngemeinschaft mit Studentinnen der Internationalen Hochschule Bad Liebenzell geben. "Die Zusammensetzung muss stimmen, betont Sarah Zinser und sagt weiter: "Es soll mehr als Wohnraum sein für die 50 neuen Mitbewohner." Sie und ihr Mann stellen sich ein gegenseitiges Geben und Nehmen, auch mit der Nachbarschaft vor. "Jeder hat etwas zu geben, was einem anderen hilft und nützlich ist. Und jeder hat Bedürfnisse, für die ein anderer etwas beitragen kann." Die Aufteilung der Häuser nehmen das Wechselspiel der Grundbedürfnisse zwischen Privatsphäre und Gemeinschaft auf: Im vorderen Haus mit dem großen Gemeinschaftsbereich im Erdgeschoss, wo gemeinsame Abendessen aller Bewohner, Dienstgespräche der Mitarbeiter, Hausaufgabenbetreuung, ein Sprachcafé oder Treffen mit den Nachbarn stattfinden werden. Und in den Wohnungen mit den zentralen Wohn-Küchen, um die sich die Zimmer je nach Wohnungsgröße und die Sanitärräume gruppieren. Der zentrale Baustoff Holz – in Bad Liebenzell durch die Hanglage erst ab dem Obergeschoss eingesetzt – vermittelt eine warme und lebendige Atmosphäre und hält gleichzeitig die Kosten niedrig. Die Wohnungen wurden mit Fußbodenheizung unter einem versiegelten Estrich ohne weiteren Belag ausgestattet. Die Wände wurden durchgängig mit schadstofffreien Platten versehen. Jede Wohnung hat eine der Wohnungsgröße angepasste Kücheneinrichtung im zentralen Wohn-Ess-Raum und je nach Bewohnerzahl ein oder zwei Nassräume mit bodengleicher Dusche und Toilette.

Die geschwungenen Balkone sind durchgängig begehbar und ermöglichen Kommunikation auch etagenübergreifend. Durch die einfache, jedoch zweckmäßige und ansprechende Bauweise und Ausstattung der Häuser konnten pro Haus 250 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden, betonen die Bauherren auch den ökologischen Aspekt ihrer Bauausführung. In den nächsten zwei Wochen werden die Pflasterarbeiten der Zugangswege abgeschlossen sein, sodass die künftigen Bewohner ab dem 10. Februar auf sauberen Wegen ihre neue Heimat erreichen können.

Noch keine Erfahrungen

Familie Hanna aus Syrien wird am 12. Februar ihre rund 100 Quadratmeter große Wohnung beziehen. Vater Rafa Hanna, Mutter Adra Kouba, die Töchter Lojain (12), Maya (15) und Sohn Fadi (7) freuen sich riesig darauf, nach zwei Jahren in der Gemeinschaftsunterkunft Forchenhalde in Bad Liebenzell ins Hoffnungshaus umziehen zu können. Die neuen Hoffnungsträger-Häuser haben den Status einer Anschlussunterbringung, erläuterte Marcus Witzke, Vorstand der Hoffnungsträger Stiftung. Es ist geplant, die Flüchtlinge etwa zwei bis drei Jahre in den Häusern unterzubringen. Danach sollten sie auf eigenen Beinen stehen können.

Erfahrungen mit diesem Prozess gibt es noch nicht, führte Witzke weiter aus, denn auch das erste Hoffnungshaus in Leonberg ist erst seit Herbst 2016 bewohnt.

Weitere Informationen: www.hoffnungstraeger.de

Durch die spezielle Bauweise der beiden Hoffnungshäuser wurden

250 Tonnen Kohlendioxid pro Gebäude eingespart.

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