Die Kandidaten stellten sich in Bad Liebenzell der Debatte.Foto: Erwachsenenbildung Foto: Schwarzwälder Bote

Wahl: Evangelische und katholische Erwachsenenbildung organisieren Diskussion

In weniger als zwei Wochen findet die Landtagswahl statt. Durch die Pandemie ist es für die Wähler jedoch schwierig, mit den Politikern in Kontakt zu kommen. Deshalb organisierte die evangelische und katholische Erwachsenenbildung eine Podiumsdiskussion per Livestream, bei der sich fünf Kandidaten aus dem Kreis Calw präsentieren konnten.

Kreis Calw/Bad Liebenzell. Dabei stellten sich Thomas Blenke (CDU), Philipp Göhner (SPD), Miguel Klauß (AfD), Herbert Müller (FDP) und Johannes Schwarz (B90/Grüne) den Fragen der Moderatoren Tobias Götz und Nicole Uhde. Eingeladen waren nur die Kandidaten der bereits im Landtag vertretenen Parteien. Die Politiker kamen alle in die Räume des Vereins Zedakah, allerdings ohne Publikum. Dieses konnte die Debatte auf YouTube verfolgen und sich dort per Chat Fragen einbringen.

Eines fiel sofort ins Auge: Es saßen nur Männer auf dem Podium. Bei Grünen, SPD und FDP haben es Frauen immerhin noch auf Ersatzkandidatenplätze geschafft. Bei CDU und AfD sucht man hier vergeblich. Der 25-jährige Göhner und der 34-jährige Klauß korrigierten wenigstens den Altersdurchschnitt der Kandidaten etwas nach unten.

Blenke sitzt seit 20 Jahren im Landtag, was er als "große Ehre" empfinde, erklärte er in einem Eröffnungsstatement. Für ihn gehe es vor allem um die Stärkung des ländlichen Raums und christliche Werte. Göhner legte den Fokus auf die Perspektive junger Menschen, welche er in die Politik mit einbringen möchte.

Für Klauß stand "die eigene Bevölkerung" im Mittelpunkt. So wolle er die Steuerlast vermindern und gegen Altersarmut angehen. Die Verdächtigung der AfD durch den Verfassungsschutz aufgrund rechtsextremer Tendenzen tat er als politisches Manöver der Regierungsparteien ab.

Müller nannte als zentrales Anliegen die Stärkung der Wirtschaft durch die Verbindung von Ökologie und Ökonomie. Schwarz legte sein Augenmerk auf die Verknüpfung von Kreis- und Landespolitik. Hier könne man durch inhaltliche Arbeit viel für den Umweltschutz erreichen.

In einem ersten Themenblock ging es um Digitalisierung und Bildung. Blenke gab zu, dass man beim Breitbandausbau zwar vorangekommen sei, aber noch Nachholbedarf habe. Müller forderte ein eigenes Ministerium für Digitalisierung. Nur so lasse sich die Aufgabe bewältigen.

Göhner erzählte von den Nachteilen, welche manche Kinder beim Online-Unterricht durch eine schlechte Internetverbindung hätten. Auch dafür sei der Breitbandausbau wichtig. Zudem sei er für die Abschaffung der Kita-Gebühren. Klauß sah in der Bildungspolitik eine "grüne Ideologie". Das alte System sei besser gewesen. Schwarz widersprach dem entschieden. Die Gemeinschaftsschulen ermöglichten durch längeres gemeinsames Lernen bessere Sozialkompetenzen. Außerdem sei im alten System vor allem die Hauptschule benachteiligt gewesen.

Zum Thema Umweltschutz meinte Klauß, dass es "völliger Nonsens" sei, dass der Mensch auf das Klima Einfluss habe. Schwarz widersprach. Zudem sei er nicht für ein generelles Verbot von Einfamilienhäusern. Der Architekt mahnte aber eine Fokussierung auf Nachverdichtung und Sanierungen an. Blenke sprach sich zeitgleich für Einfamilienhäuser und weniger Flächenverbrauch aus. Zudem hätten die Grünen im Land seit sie an der Macht seien den Umweltschutz nur wenig vorangebracht. Göhner mahnte an, Umweltpolitik sozial zu gestalten, wie zum Beispiel durch einen bezahlbaren ÖPNV. Müller plädierte für technologische Lösungen satt Verboten.

Bei der Integration von Geflüchteten sah Schwarz einige Erfolge und dankte allen Beteiligten dafür. Klauß sah hier vor allem eine Gefahr für die innere Sicherheit und forderte die Abschiebung von "kriminellen Ausländern". Blenke merkte an, dass viele dieser "Ausländer" einen deutschen Pass hätten. Eine effektive Polizei und Justiz sei wichtiger. Für Müller war es wichtig, gegen Antisemitismus vorzugehen. Klauß schob diesen hauptsächlich muslimischen Einwanderern in die Schuhe.

Zum Schluss ging es um das Thema Kirche. Blenke dankte den Kirchen für die Seelsorge während der Pandemie. Göhner betonte die Wichtigkeit christlicher Grundwerte. Müller verwies auf die gute Arbeit von Diakonie und Caritas. Schwarz bekannte sich klar zu seinem christlichen Glauben, erklärte aber auch, dass man keine Religion bevorzugen solle.

Für Klauß waren christliche Werte wichtig, auch ein er selbst nicht religiös sei. Er mahnte die Kirchen zudem zur Neutralität gegenüber der AfD. Er kritisierte die Ausladung seiner Partei vom Kirchentag. Herbei konnte er jedoch weder die Namen der Verantwortlichen noch der Veranstaltungen richtig zuordnen.

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