Nachruf: Fast zwei Jahrzehnte lang die Geschichte des Kurortes vermittelt / Plötzlich verstorben

Bad Liebenzell. Nur wenige Monate vor seinem 74. Geburtstag ist Ernst Heeskens am Montag plötzlich und unerwartet einem Herzinfarkt erlegen. Der Tod des Mannes mit dem markanten weißen Bart, der seine Pfeife stets als Markenzeichen bei sich trug, reißt eine große Lücke in die Bad Liebenzeller Freizeit- und Tourismus-Aktivitäten. Er gilt als "Liebenzeller Original" und hat annähernd zwei Jahrzehnte lang vielen neugierigen Gästen aus nah und fern Wissenswertes zur Geschichte der Stadt und zur Entwicklung des Kurortes als "Stadtbüttel" vermittelt. Diese Rolle war ihm auf den Leib geschrieben. Kritisch, mit scharfem Verstand und Witz, kommentierte er, was einst in Bad Liebenzell wichtig war oder es doch zumindest für ein paar Tage zu sein schien.

Als Stadtführer trug er seine "Uniform" mit langem Gehrock und Stiefeln. Wer wissen wollte, warum er dazu eine "Uniform" trug, bekam als Antwort: "Das ist keine Uniform. Es ist die Tracht vom ›Hinteren Wald‹ und diese Tracht wurde von der Trachtengruppe der Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins Bad Liebenzell getragen." Da die Trachtengruppe seit mehreren Jahren nicht mehr aktiv ist, trug Heeskens stolz diese Tracht bei Burg- und Stadtführungen oder bei abendlichen Fackelführungen durch die Altstadt. Besonders attraktiv war sein Gewand beim "Erkingerfest".

Gerlernter Betriebswirt

Fünf Mal konnte er als "Büttel" den Riesen Erkinger alias Michael Rehfeld begleiten und mit Begeisterung über die Sage vom furchterregenden Riesen Erkinger, der im 16. Jahrhundert auf der Burg Liebenzell sein Unwesen getrieben haben soll, berichten. Der begnadete Erzähler, der auch als Wanderführer durch das Monbachtal führte, konnte "mal eben" mehr als 300 Jahre Bad- und Bädergeschichte rund um Bad Liebenzell im Schnelldurchgang Revue passieren lassen. Dabei war er unterhaltsam, klug, witzig, nachdenklich und hatte viel Humor.

Als kritischer Gefährte dagegen war er im Volksmund als "Roter Ernst" bekannt und als bekennender SPD-Mann im Ortschaftsrat aktiv. Darüber hinaus war der belesene und stets neugierige Heimatforscher mit seinem ehrenamtlichen Engagement in vielen weiteren Vereinen aktiv und hat sich als ausgebildeter Sophi Park-Guide intensiv mit der Geschichte der Philosophie auseinandergesetzt.

Der gelernte Betriebs- und Volkswirt, der trotz seiner langjährigen Tätigkeit als kaufmännischer Leiter mit 51 Jahren plötzlich ohne Beschäftigung dastand, konnte anpacken. 2004 legte er mit dem Bio-Laden "Das Radieschen" den Grundstein für seine erfolgreiche Selbstständigkeit, denn zehn Jahre später wurde sein Fachgeschäft bundesweit zu den "Besten Bio-Läden 2014" gewählt.

Mit seiner Familie trauern viele Menschen in Bad Liebenzell um einen Mann, der in seinen Geschichten das von ihm beschriebe Zeitgeschehen lebendig werden ließ, denn er selbst war ein Original. "Ein Mann mit Ecken, Kanten und Charakter, den viele in Zukunft vermissen werden", wie Bürgermeister Dietmar Fischer betont. Noch im November des vergangenen Jahres konnte er Ernst Heeskens für seine Stadtführungen ehren und auszeichnen.

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