Unberührte Natur an der Nagold soll erhalten bleiben: Auch der Fischreiher liebt die Nagold – hier bei normalem Pegelstand von 85 Zentimetern. Foto: Zoller

Werte unter 45 Zentimeter gemessen: Liebenzeller Fischereiwart Rebmann schlägt Alarm.

Bad Liebenzell - "Die hohen Sommertemperaturen wirken sich massiv auf die Pegelstände in der Nagold aus", sagt Fischereiwart Hermann Rebmann aus Bad Liebenzell. Täglich kontrolliert er mit kritischem Blick die Wasserstandsmeldungen, die mittlerweile bereits einen kritischen Niedrigstand erreicht haben. Rebmann: "Normalerweise haben wir einen Pegelstand von 85 Zentimetern, bei dem die Nagold im Frühjahr flott dahinfließt. Nun aber haben wir schon Werte unter 45 Zentimeter gemessen und das ist mehr als alarmierend."

Dabei runzelt der ehrenamtlichen Fischereiwart der Stadt Bad Liebenzell nicht nur die Stirn, sondern das Entsetzen steht im regelrecht ins Gesicht geschrieben. Das derzeitige Niedrigwasser lässt zahlreiche Pflanzen und Tiere sterben. "Bedroht werden alle Arten, die auf Feuchtigkeit angewiesen sind", verdeutlicht er. Das betreffe nicht nur die Forellen, sondern auch die Lebewesen, die nicht flüchten können. Die Larven und Wasserorganismen sind daher die ersten Opfer.

Fliegen sind ein Festmahl

Ein sinkender Flusspegel führt zu einer Reihe von Folgeproblemen, die die sonst schnell dahinfließende Nagold belasten. "Meine Sorge gilt der Oligoneuriella rhenana", so Rebmann, der die Eintagsfliege, die einst am Rhein massenhaft zu finden und seit den 1970er-Jahren als ausgestorben galt, an der Nagold wiederentdeckte. Weil aber Oligolarven einen hohen Anspruch an den Sauerstoffgehalt des Wassers stellen, vermehren sie sich in der Nagold in ganz besonderem Maße. Und das wiederum freut die Forellen, die Anfang August nach diesem für sie schon fast fürstlich zu nennenden Festmahl schnappen. Weil aber die Brutstätten der Fliegen am Uferrand auszutrocknen drohen, muss mit dem Verlust eines gesamten Brutjahres gerechnet werden. "Wenn die auf der Strecke bleiben, verenden viele weitere Lebewesen, die in den Gewässern oder drumherum heimisch sind", so der Tenor des Fachmanns, der dazu appelliert, insbesondere jetzt die Natur zu schützen.

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