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Bad Liebenzell Kleinod vermittelt jede Menge Wissenswertes

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Friedrich Böckle (links) führt Besuchergruppen immer wieder gerne durch den Apothekergarten. Fotos: Wallburg Foto: Schwarzwälder Bote

Seit annähernd 20 Jahren existiert der Apothekergarten in Bad Liebenzell. Sein Charakteristikum ist die Anordnung der Pflanzen nach Anwendungsgebieten, nicht nach deren Gattung oder Verträglichkeit, seine Besonderheit ein Duft- und Tastgarten.

Bad Liebenzell. Im Juli 2020 feiert der Apothekergarten Bad Liebenzell sein 20-jähriges Bestehen. Viele anschauliche wie informative, häufig auch amüsante Führungen wurden bis heute, jeweils zwischen Mai und September, vom Mitinitiator des Projekts, Friedrich Böckle, Apotheker vor Ort, angeboten. Ungebrochen ist das Interesse an dem eindrucksvollen Garten, der Jahrhunderte alten Naturheilkunde und dem sinnvollen Einsatz von Heilkräutern.

Bereits mehr als 30 ähnlich strukturierte Apothekergärten gibt es zwischenzeitlich in Deutschland, so Böckle, während der Bad Liebenzeller Garten damals erst der Dritte im Lande war. Der rasche Anstieg der Gartengründungen deutet auf den immer größer werdenden Zuspruch für derartige Einrichtungen und das enorme Interesse an den vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten mit pflanzlichen Arzneistoffen ohne Chemie hin.

Gut verständliche Schautafeln

Auf einer Fläche von rund 1200 Quadratmetern, eingebettet zwischen Kur- und Sophi Park, finden sich alle wichtigen Arznei- und Heilpflanzen. Übersichtlich angeordnete und gut verständliche Schautafeln an elf Indikationsbeeten informieren über die Wirkungsweise und die Besonderheiten dieser Pflanzen. So können jederzeit auch ohne Führung Heilpflanzen entdeckt werden, die als Gesamtes oder in Teilen (Wurzeln, Blüten, Blättern) zur Heilung von Krankheiten des angegebenen Bereiches Verwendung finden.

Viele freiwillige Helfer waren zur Jahrtausendwende 2000 im Einsatz, um unter der Leitung der am Ort ansässigen Gartenarchitekten Marianne und Karl-Heinz Gegenbach den abgetrennten Bereich des Kurparks zu gestalten und mit Heilkräutern zu bepflanzen. Sie sind bis heute auch die sogenannten Pateneltern, welche die vielen anderen Beetpaten Jahr für Jahr fachmännisch anleiten, um die Gärten zu pflegen und in Ordnung zu halten. Da der Naturschutz und die Heimatpflege neben dem klassischen Wandern die grundlegenden Arbeitsgebiete des Schwarzwaldvereins sind, hat der Vorstand des Schwarzwaldvereins Bad Liebenzell damals auch die Trägerschaft für den Garten übernommen.

Wirksamkeit von Zubereitung abhängig

Etwa 160 Pflanzen befinden sich in den elf Beeten. Alle Pflanzenarten werden in der Begleitbroschüre aufgelistet, mit Beschreibung des Anwendungsgebiets, aber auch, ganz wichtig, der Anwendungsform. Da auch Tees zum Beispiel Nebenwirkungen haben können, empfiehlt es sich auf jeden Fall, vor dem Gebrauch auch bei derartigen alltäglichen Produkten, immer vorher die Informationen zu lesen. Die Wirksamkeit eines Tees ist stark von seiner richtigen und sachgemäßen Zubereitungsart abhängig.

Apothekergärten gehen auf Klostergärten des Mittelalters zurück. In einem "hortus botanicus" wurden damals Pflanzen ganz gezielt zu medizinischen Zwecken angebaut. Über einen Kräutergarten hinausgehend enthielt der mittelalterliche Arzneigarten neben den typischen Arzneipflanzen also auch weitere Pflanzen, denen medizinische Wirkungen zugesprochen wurden (zum Beispiel Sellerie, Lupinen und Spinat), und auch geschmacksgebende und würzende Pflanzen und Kräuter (etwa Dill, Knoblauch, Majoran, Raute und Salbei). In Bad Liebenzell sind diese eher vertrauten Gewürzkräuter auch wiederzufinden. Neben weiteren bekannten Pflanzen wie Lavendel oder Maiglöckchen beherbergen die Beete aber auch Seltenheiten wie zum Beispiel einen Ginkgo-Baum, den Stechapfel oder das Schlafmützchen. Auch gibt es die Gelegenheit, etwa Huflattich, Mariendistel, Artischocke, Sonnenhut, Matestrauch, Tollkirsche oder Alraune einmal in Natura kennen zu lernen und sich über ihre Anwendung zu informieren. Eine gewisse historische Gestaltung unter Verwendung bereits damals genutzter Heilpflanzen vermittelt dem Garten eine besondere Lebendigkeit.

Die Tatsache, dass in unmittelbar angrenzender Nachbarschaft des Apothekergartens auch die philosophischen Gedanken von einflussreichen Lehrern, Medizinern, Apothekern und anderen Universalgelehrten wie Hildegard von Bingen oder Paracelsus neben vielen anderen näher beschrieben sind, gibt dem ganzen Parkensemble eine einmalige Note, wie sie nur in Bad Liebenzell zu finden ist.

Seit 2001 gibt es im Apothekergarten auch einen Duft- und Tastgarten für Sehbehinderte, der einen Auszug der wichtigsten Pflanzen mit Hinweistafeln in Blindenschrift und Tastmauern als Führung der Besucher enthält. Ein weiteres hervorzuhebendes Alleinstellungsmerkmal.

Bei den Führungen weist Böckle immer gerne auf das sogenannte Ähnlichkeitsprinzip als Grundprinzip in der Homöopathie hin. Während das Therapieprinzip der konventionellen Pharmakotherapie auf der reinen Arzneiwirkung basiert, wo ein bestimmter Zustand im Organismus erzwungen werden soll, arbeitet die homöopathische Therapie nach seinen Worten mit einer Verstärkung der jeweiligen Symptomatik. Ziel dieser Verstärkung ist es, eine Reaktion zu provozieren, die der Wirkung entgegengesetzt ist – ähnlich wie der Organismus Wärme produziert nach einem Guss mit kaltem Wasser. Das Problem dabei: Der menschliche Organismus ist ein komplexes autoregulatives System; er reagiert auf äußerliche Einwirkungen, seien diese physikalischer oder pharmakologischer Art. Auf einen Kältereiz reagiert er mit nachfolgender (und überschießender) Erwärmung. Für eine konventionelle Pharmakotherapie ist dies ein fortlaufendes Problem; wiederholte Gaben eines Abführmittels führen zu einer Obstipation, also einer Verstopfung, und häufige Schlafmittel zu einer Schlaflosigkeit. Für die Homöopathie ist das Ähnlichkeitsprinzip grundlegendes Paradigma und Namensgeber (homoios pathos – ähnliches Leiden).

Böckle betreibt den Apothekergarten und seine Führungen mit Leidenschaft. Nach 20 Jahren würde er, der jedes Jahr auch umfassende Pflanzenexkursionen mit Biologen im Gebirge unternimmt, gerne einmal sehen, dass seine Aufgabe so langsam auch jemand anderes, zumindest mittelfristig, übernehmen könnte. Bislang, so seine Aussage, ist noch kein Nachfolger in Sicht.

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