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Bad Liebenzell In den Akten der Staatssicherheit lauern noch etliche "Brandsätze"

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Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit der DDR, Roland Jahn, diskutierte mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken (links) und der früheren SPD-Landtagsabgeordneten Birgit Kipfer über die Menschenrechtsverletzungen in der ehemaligen DDR. Foto: Eitel Foto: Schwarzwälder Bote

Bad Liebenzell. Auf Einladung des SPD-Ortsvereins Bad Liebenzell/Unterreichenbach und des Internationalen Forums Burg Liebenzell berichtete der Bürgerrechtler und Journalist Roland Jahn über das Leben und die Menschenrechtsverletzungen in der ehemaligen DDR.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken moderierte die Veranstaltung. Mit der früheren Landtagsabgeordneten Birgit Kipfer als Vorstandsvorsitzendende der Stiftung "Lernort Demokratie, das DDR Museum Pforzheim" war weitere Politprominenz in den voll besetzten Räumlichkeiten des Burgcafés vertreten.

Jahn ist bekannt als Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR (Stasi). Erst vor Kurzem ist seine Behörde in die Schlagzeilen gekommen, als der Bundestag beschloss, sie in das Deutsche Bundesarchiv zu überführen. Jahn begrüßt diese Maßnahme auch wegen der dringend erforderlichen Verbesserung der Lagerhaltung für die elf Kilometer langen Aktenreihen. Bislang hätten mehr als zwei Millionen Menschen Einblick in die Dokumente genommen, berichtete Jahn. Das Interesse von Betroffenen und Wissenschaftlern sei ungebrochen, denn jährlich würden rund 4000 Anträge auf Einsicht in die Akten gestellt. Und Jahn kennt deren Brisanz zu genau, war er doch jahrelang oppositioneller Bürgerrechtlicher im Unrechtsstaat. Aufgefallen war er, als er öffentlich gegen die Ausweisung des Liedermachers Wolf Biermann protestierte und deshalb aus der Universität verbannt wurde. Nach weiteren Protestaktionen musste er sechs Monate ins Gefängnis und wurde danach in den Westen abgeschoben.

Schlimme Erinnerungen

"Man hat mir meine Heimat gestohlen", beschrieb er seine Gefühle bei der Trennung von seinen Angehörigen. Schlimme Erinnerungen hat Jahn auch an die permanente Bespitzelung von Bürgern durch die Stasi. Diese scheute sich nicht, auch Kinder und Jugendliche für ihre Dienste zu missbrauchen. Hierüber lauerten in den Akten noch etliche "Brandsätze", meinte Jahn. Dies gelte auch für 15 mit Papierschnitzeln gefüllte Säcke aus der Zeit des Umbruchs. Die Wiederherstellung dieser zerstörten Akten gleiche einem Puzzlespiel und koste viel Geld und Geduld. Geschichtlich sei sie aber enorm wichtig.

Auf die Bedeutung der Dokumentation für die Geschichte hatte Jahn bereits am Vormittag anlässlich seines Vortrages vor den 60 Zehntklässlern der Reuchlin-Realschule hingewiesen. Durch Geschichte schaffe man sich die Erfahrung, um gefährliche Entwicklungen schon frühzeitig erkennen zu können. Didaktisch geschickt brachte Jahn Beispiele über Einschränkungen auch für die Jugend. Etwa über das Verbot langer Haare nach westlichem Vorbild oder des Anhörens westlicher Musik. Konzentriert folgten die Schüler den Ausführungen des Bürgerrechtlers und spendeten kräftigen Applaus. Für einige von ihnen war der Bericht Jahns so interessant, dass sie auch die abendliche Hauptveranstaltung auf der Burg besuchten. Dort hörten sie abschließend die im Dialog vorgetragene romantische aber auch abenteuerliche Liebesgeschichte von Rüdiger und Marion Krause. Beide hatten sich auf einer kirchlichen Veranstaltung in Hoyerswerda in der damaligen DDR kennen- und lieben gelernt. Obwohl sie sich mehrmals trafen, unter anderem auch in Ungarn, mussten sie zur Vermeidung von Repressalien ihre Beziehung geheim halten. Nach einem Ausreiseantrag von Marion musste das Paar zunächst hohe Hürden überwinden. Marion und ihre Familie wurden bespitzelt, und auch das Telefon wurde angezapft. Aber schließlich gab es doch ein Happy End.

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