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Bad Liebenzell Gandenberger suchtneue Herausforderung

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Gertrud Gandenberger mit einem künstlerischen Werk zu Europa, das in einem ihrer Seminare entstanden ist.Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Gertrud Gandenberger hat das Internationale Forum Bad Liebenzell nach 21 Jahren verlassen, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen.

Bad Liebenzell. Sie ist künftig im Landratsamt in Tübingen, wohin sie zusammen mit ihrem Mann umgezogen ist, für Europäische Angelegenheiten und Strukturförderung zuständig und wird Förderprojekte von Land, Bund sowie Europa sinnvoll koordinieren. Politische Bildung wird also weiter ihr Metier sein, nun jedoch auf der anderen Seite der Projektarbeit.

Seminar-Partner äußern Bedauern

Man muss sich erstmal an den Gedanken gewöhnen, dass Gandenbergers kreativer, umtriebiger Geist künftig nicht mehr in der Jugendbildungsstätte in den ehrwürdigen Mauern des Bad Liebenzeller Wahrzeichens wirkt. "Das ist eine Zäsur! Schade, dass Sie gehen." So habe sich mancher Seminar-Partner aus ihrem über die vielen Jahre aufgebauten und weitreichenden Netzwerk bedauernd geäußert, als sie ihre Wechselpläne öffentlich gemacht habe, erzählt Gandenberger im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Die Burg, ihre Wirkungsstätte, im Rücken und Bad Liebenzell zu Füßen, lässt sie auf einer Bank mit Aussicht Revue passieren, wie sie 1999 an "diese kuschelige Bildungsstätte" kam und zusammen mit Wolfgang Borkenstein vom Kreisjugendreferat beim Landkreis in einem ersten Seminar Jugendliche für die Themen Asyl und Flucht – damals schon so aktuell wie heute noch – sensibilisieren wollte. Und es sprudelt weiter nur so aus ihr heraus, welche Themen sie mit den Teilnehmern aus ganz Europa bearbeitet, welche länderübergreifenden Projekte sie initiiert hat und welche Anstöße und nachhaltige Prägung mancher Jugendliche auf der Burg für sein weiteres Leben erhalten hat.

Zum Beispiel der Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion der Grünen, Andreas Schwarz, zunächst Jugendgemeinderat und später junger Gemeinderat in der Stadt. Er unterstützt die Arbeit des Internationalen Forums seit vielen Jahren, unter anderem als Mitglied des Landeskuratoriums Politische Bildung und gibt so wieder etwas zurück an den Ort, der seinem Lebensweg entscheidende Anstöße gegeben hat. Oder Fabio Hubert, heute in der Verwaltung der Kurstadt tätig, hat den Impuls, sich 14-jährig zum Jugendgemeinderat wählen zu lassen, ebenfalls in einem politischen Seminar des Forums bekommen.

"Neue Generationen brauchen immer wieder Impulse und Bildung in den Themenfeldern Demokratie und Politik." Gandenberger nennt Seminare zusammen mit Soldatinnen und Soldaten oder mit Europapolitikern, in denen die Jugendlichen in Simulationen erfahren haben, warum es zum Beispiel so schwierig ist, sich im Europaparlament auf eine gemeinsame Sicherheitspolitik zu verständigen. Ihre Arbeitsweise in ihren Seminaren und Workshops auf der Burg beschreibt die leidenschaftliche "Bildungswerkerin" so: "Am Anfang bin ich die Provokative, denn mein Bildungsauftrag ist, den Jugendlichen im geschützten Raum Grenzerfahrungen zu ermöglichen, sie zu öffnen für neue Themen, für kontroverse Möglichkeiten, andere Sichtweisen und ihren Geist zu entgrenzen. Und dann konstruktiv alles so zusammenzuführen, dass am Ende ein Erkenntnisgewinn für die Teilnehmer steht."

Ungezählt sind die länderübergreifenden Projekte zu unterschiedlichsten Themenfeldern: Menschenrechte gestern und heute, Austausch mit Studenten aus Mali, Kongo und Kenia, Projektpartnerschaft mit einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte bei Auschwitz in Polen, Begegnungen mit Zeitzeugen des Holocaust, Diskussionen zwischen Christen und Muslimen sowie viele mehr. "Das war sehr meins, internationale Begegnungen initiieren und aufbauen. Daraus sind sehr persönliche Projektpartnerschaften entstanden", erzählt sie weiter und man spürt etwas die Wehmut, die sich mit dem Abschied von der Burg auch verbindet.

"Netzwerkerin" ist wohl der zweite Vorname von Gandenberger, sie hat in Bad Liebenzell internationale Initiatoren von politischer Jugendarbeit auch untereinander vernetzt, zu Fragen wie "Wie gestalte ich meine Projekte, wie finanziere ich sie, mit welchen Themen können wir wirken?". "Europa bewegt" wäre so ein nächstes Thema gewesen und spannend dabei, welche Bilder die Jugendlichen zu diesem Thema mitgebracht hätten.

Viel Stehvermögen notwendig

"Herausfordernd war die Überzeugungsarbeit", erinnert sich Gandenberger an einen Höhepunkt unter ihren Projekten. Es brauchte Stehvermögen, um 2005 bei der Verwaltung des Forums das Einverständnis für den Start des Jugendmedienzentrums zu bekommen. Anhand von Film- und Videoprojekten setzten sich die Jugendlichen mit Genderfragen, Menschenrechtsfragen, rechter Thematik oder Hate Speech auseinander, ein beliebtes Projekt.

"Ich bin immer offen auf die Leute zugegangen, wenn es darum ging, Kontakte zu knüpfen und Unterstützung anzufragen. Und wenn es sein musste auch auf sie zugeschwommen", wie sie schmunzelnd erzählt. Der inzwischen verstorbene Bürgermeister Volker Bäuerle habe wie sie selbst das frühe Schwimmen im Bad Liebenzeller Freibad geschätzt und wenn sie in seine Nähe geschwommen sei, habe er mit den Worten: "Frau Gandenberger, was brauchet Sie?" Bereitschaft gezeigt, ihr zuzuhören.

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