Ines Veith mit Sophi Park-Broschüre im Themenfeld Aufklärung – davor sind die kleinen Blütenbällchen des Wiesenknopfs zu sehen.Foto: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

Natur: Bekannte Pflanze in Bad Liebenzell: Der große Wiesenknopf ist "Blume des Jahres 2021"

Bad Liebenzell. "Man ehrt den großen Wiesenknopf – mit seinem krausen Purpurschopf", reimt Reinhard Mey zur Wildpflanze, die 2021 zur "Blume des Jahres" gekürt wurde. Seit 2017 steht die Pflanze als Symbol für den Sophi Park in Bad Liebenzell.

1979 gründete Loki Schmidt, die Ehefrau des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt, die Stiftung zum Schutze gefährdeter Pflanzen, die seitdem Jahr um Jahr eine besondere Wildpflanze auswählt, deren Bestand gefährdet ist. Mit dem Ziel, die Öffentlichkeit für die Thematik des Wildpflanzenschutzes zu sensibilisieren, werden seltenen Gewächse zur "Blume des Jahres" gewählt, damit sie nicht vollständig aus der Naturlandschaft verschwinden.

Mit der Wahl des großen Wiesenknopfes setzt sich die Loki-Schmidt-Stiftung zudem für den Erhalt seines artenreichen Lebensraumes ein, der insbesondere auf Feucht- und Nasswiesen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten eine wichtige Lebensgrundlage bietet.

Von Juni bis Herbst zu bestaunen

Die purpurfarbenen Blütenbällchen des großen Wiesenknopfes zieren die Titelseite zum Begleitbuch des Sophi Parks, das Ines Veith verfasst hat. "Der große purpurfarbene Wiesenknopf drückt eine beschwingte Leichtigkeit und Lebensfreude aus", so die Autorin, die in Bad Liebenzell lebt und arbeitet und die Pflanze gerne als ein "philosophisch-poetisches Windspiel" bezeichnet.

Real sind die roten Blüten von Juni bis in den Herbst hinein im Themenfeld der Aufklärung zu bestaunen. "Speziell im Zeitalter der Aufklärung unterzogen sich Denker und Philosophen einer gedanklichen Entgiftungskur und befreiten die Menschen vom Aberglauben", so Ines Veith, die zu berichten weiß, dass der Wiesenknopf-Tee entgiftend wirkt.

Im Mittelalter galt der große Wiesenknopf als eine häufig verwendete Heilpflanze und wurde zum Schutz vor Pest und Tuberkulose eingesetzt. In der Wundbehandlung galten seine Wirkstoffe als heilend und daher wird diese ungiftige Pflanze auch heute noch als entzündungshemmendes Heil- und Küchenkraut benutzt.

Bienen lieben die fast einen Meter hoch werdende Pflanze, die pro Ähre bis zu 40 dunkelrote Blütenbällchen trägt. Er ist ein Tiefwurzler und gehört in der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zur Gattung Wiesenknopf (Sanguisorba). Verbreitet ist Sanguisorba officinalis von der mitteleuropäischen Atlantikküste über das gesamte gemäßigte Asien bis zur Pazifikküste Nordamerikas. Er toleriert nährstoffreiche, basische aber auch magere und saure Bodenverhältnisse und ist in Deutschland vor allem im Süden weit verbreitet. Es gibt schätzungsweise 20 bis 50 Arten innerhalb dieser Gattung.

Als ausdauernde, krautige Pflanze erreicht die Blume des Jahres eine stattliche Wuchshöhe von 50 bis 120 Zentimeter, in Einzelfällen sogar bis 180 Zentimeter. Wie hoch ein einzelnes Individuum wachsen kann, ist sehr stark von den Standortverhältnissen wie der Nährstoffverfügbarkeit im Boden abhängig. Für den Hellen und Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist der große Wiesenknopf allerdings eine überlebenswichtige Blume, die damit Schmetterlingsarten ebenso wie die Vielfalt der Insektenwelt bereichert.

Wer Garten oder einen Balkon hat, kann sich mit der "Blume des Jahres – Samenpostkarte 2021" nicht nur einen eigenen großen Wiesenknopf heranziehen, sondern sorgt durch die Aussaat zudem für ein reichhaltiges Nahrungsangebot zahlreicher Insekten. Weitere Informationen unter www.loki-schmidt-stiftung.de.

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