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Bad Liebenzell Eine Frage bleibt: Ist das Utopie oder wirklich umsetzbar?

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Britta Martin und Uwe Spille stellten Szenen aus dem Alltag eines Ehepaares dar. Foto: Wallburg Foto: Schwarzwälder Bote

Bad Liebenzell. An Demenz Erkrankte müssen Teil der Gesellschaft bleiben, sich in ihrer gewohnten Umgebung so lange wie möglich wohl fühlen können, glücklich sein und am sozialen Leben teilhaben können. So zumindest zitierte Diana Neubrand, Koordinatorin des neu gegründeten Demenz-Netzwerks Bad Liebenzell, aus dem frisch gedruckten Flyer und eröffnet den Theaterabend.

Im Stück "Genieße das Leben, bevor du tot bist – Dementieren zwecklos" stellten die Schauspielkollegen Uwe Spille und Britta Martin den Abbau der kognitiven Fähigkeiten eines Ehepartners im Alter dar. Stückeschreiber Spille möchte nicht zuletzt bereits mit dem Titel aufrütteln und zum Nachdenken anregen.

Was genau ist Demenz? Nützen vielleicht Vitamintabletten und Gehirnjogging gegen das Vergessen? Überhaupt, was ist Alter und was schützt einen vor den unangenehmen Folgeerscheinungen, die das Leben und insbesondere das Älterwerden mit sich bringen? Oder ist es vielleicht gar schädlich, sich schon in jungen Jahren mit dem Thema zu beschäftigen?

Beide Schauspieler spielen bravourös und authentisch in verschiedenen Szenen, jeweils im Zeitraffer, das Ehepaar Irene und Heinz, sie 66 und er 68 Jahre alt, beide im wohlverdienten Ruhestand. Zwischendurch diskutieren sie immer wieder real als Uwe und Britta, als Schauspielerpaar und moderieren den Abend und die ernste Thematik, interaktiv und tiefgründig unter sich und mit dem Publikum.

Obgleich sich die Tagesabläufe des gespielten Ehepaars speziell bei einer ausgewählten Frühstücksszene über die Jahre kaum verändern, verändern sich Persönlichkeit und geistige Fähigkeit von Irene zusehends, denn sie erfährt irgendwann, dass sie an Demenz leidet. Viele humorvolle und ironische Äußerungen sowie spontane Einschübe lockern das eher dramatische Stück immer wieder gekonnt und emotional auf.

Wie gehen beide mit der plötzlichen Nachricht um? Verändert sich nunmehr alles? Eher weniger. Denn in den Theaterszenen geht Heinz weiterhin beherzt und geduldig auf Irene ein, immer das Positive in ihren Äußerungen und Reaktionen suchend. Später zieht man sogar in Form einer Mehrgenerationenverbindung in ein gemeinsames Haus mit dem Sohn zusammen.

Ist das nun Utopie und völlig an der Realität vorbei oder durchaus ein Modell zum Nachdenken und in Wirklichkeit auch praktisch umsetzbar? Es gibt wohl kein einheitliches Patentrezept und die Meinungen und Sichtweisen in den unterschiedlichen Gesellschaftsstrukturen, Generationen und Kulturkreisen könnten wohl nicht unterschiedlicher sein. Genau darauf zielen die Zwischenmoderationen ab. Interaktionen mit dem Publikum werden provoziert.

Dass Demenz aber keinesfalls nur im Alter thematisiert werden sollte, sondern vielmehr auch in jungen Jahren und generell sich die gesellschaftspolitischen Sichtweisen wie auch der menschliche Umgang mit Betroffenen speziell in Europa verändern muss, darüber gibt es wohl kaum Zweifel.

Spille wünscht sich mit dem Stück, dass die gesamte Gesellschaft Verantwortung für Menschen mit Demenz übernimmt, nicht nur Betroffene und Angehörige. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sind aufgefordert, sich der demografischen Entwicklung noch viel deutlicher als bisher zu stellen und hilfreiche Modelle zu unterstützen.

Wichtiger Anstoß

Genau dieses Ansinnen bezweckt auch das Demenz-Netzwerk in Bad Liebenzell. Menschen mit Demenz gehören mitten ins Leben und nicht weggesperrt. Die damit verbundenen, vielschichtigen Fragen müssen breit thematisiert werden und über den richtigen Umgang mit demenziellen Erkrankungen informiert und geschult werden, womit auch das Theaterstück einen wichtigen Anstoß gegeben hat. Der erste Flyer des Demenz-Netzwerks Bad Liebenzell führt erste Adressen auf, die sich aktuell bereits im Versorgungsverbund engagieren. In einem zweiten Schritt wird aus dem Netzwerk heraus ein umfassender Demenz-Wegweiser entwickelt, der zu allen wichtigen Aspekten auch allgemeine Informationen zu Demenz, Diagnosen, ärztliche, therapeutische und niederschwefligen Betreuungsfragen, Schulungsangeboten, Wohnmodellen und vielem mehr liefern wird.

Das Theaterstück selbst und die interaktiven Dialoge von Spille und Martin passen hervorragend zur Entwicklung eines Demenz-Netzwerks in der Kommune und zur gesellschaftspolitischen Herausforderung mit Demenz. Das Thema kabarettistisch in Szene gesetzt – wertgeschätzt und sensibilisiert – eine Empfehlung an alle.

Das Schauspiel "Dementieren zwecklos" mit Elementen aus Kabarett, Drama und Komödie entstand 2013/2014 als Auftragswerk durch eine Kooperation des Brennpunkt-Theaters, des Gesundheitsamtes Schwarzwald-Baar-Kreis sowie des Arbeitskreises Demenz. Autor, Schauspieler und Komödiant Uwe Spille erarbeitete das Stück in einer zehnmonatigen Recherche. Die Erstaufführung fand 2014 statt, seit 2016 tritt Spille mit Schauspielkollegin Britta Martin mit dem Stück vor allem in Süddeutschland auf.

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