Anlässlich des 200. Geburtstags des ehemals viel gelesenen, heute fast vergessenen Dichters Hermann Kurz versammelten sich Vertreter des Schwarzwaldvereins Bad Liebenzell sowie der Stadtverwaltung bei der Inschrift an einem Felsen unterhalb der Burg Liebenzell zu einer Gedenkfeier. Foto: Fisel

Gedenkfeier zum 200. Geburtstag des Dichters. Schwarzwaldverein Bad Liebenzell pflanzt Baum unterhalb der Burganlage.

Bad Liebenzell - "Der Weihnachtsfund", eine Erzählung von Hermann Kurz, gilt nach Aussagen der Fachwelt als eine der schönsten Novellen der deutschen Sprache.

Und da sich jene Geschichte vermutlich in Bad Liebenzell abgespielt hat und auch daselbst niedergeschrieben wurde, gedachte der Schwarzwaldverein in einer kleinen Feier des schwäbischen Dichters.

Bereits zum 100. Geburtstag hatte der damalige Verschönerungsverein Bad Liebenzells die Inschrift "Dem Dichter Hermann Kurz – geboren 30. November 1813 – zum 100sten Geburtstag" auf einen Felsen wenige Meter unterhalb der Burganlage eingravieren lassen.

An dieser Stelle versammelte sich nun eine kleine Schar Geladener, um sich Leben und Wirken des hochbegabten, jedoch weitgehend vergessenen Schriftstellers, Publizisten und Übersetzers in Erinnerung zu rufen. "Heute stehen wir hier unter der Flagge des Schwarzwaldvereins", eröffnete Peter Weidenbach, zuständig für die Heimatpflege bei der Bad Liebenzeller Ortsgruppe, seine Ansprache.

In einem kurzen Abriss ließ der Redner die Lebensgeschichte des 1813 in Reutlingen geborenen Dichters Revue passieren. "Wir würden ihn heute als Linken bezeichnen, damals galt er als Demokrat", beschrieb Weidenbach die politische Gesinnung des examinierten Theologen. Veröffentlichungen während seiner Tätigkeit als Übersetzer und freier Schriftsteller, später auch als Journalist und Publizist brachten ihm sogar eine mehrwöchige Haftstrafe ein.

Jürgen Schweier, Kirchheimer Verleger für Literatur aus Schwaben und Förderer längst vergessener Schriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, sieht in Hermann Kurz nicht nur den schwäbischen Heimatdichter, sondern auch einen Protagonisten der Weltliteratur. Um nun dessen Verdienste zu würdigen, startete Ernst von Mohl, langjähriger Lebensgefährte von Hermann Kurz´ Tochter Isolde, im Jahre 1913 einen Aufruf, dem Dichter überall dort einen Gedenkstein zu errichten, wo er gewirkt hatte. Wahrscheinlich ließ daraufhin Karl Mohl, zu jener Zeit Apotheker in Bad Liebenzell, die Inschrift am Burgberg anfertigen.

"Unser Burgberg ist schon etwas Besonderes", war sich Heiko Killinger als Vertreter des Burgbergteams bewusst. Ihm und seinen engagierten Mitstreitern verdankt das Gelände unterhalb der Burg sowohl sein gepflegtes Aussehen als auch seine wiederhergestellten Pfade, Treppen und Trockenmauern.

Neben der Inschrift wurde zu Ehren von Hermann Kurz eine Eiche, als Dank an Karl Mohl eine Stechpalme gepflanzt.

"Hermann Kurz gehört ein Stück weit in die Wirkgeschichte der württembergischen Pfarrhäuser", erinnerte Stadtpfarrer Dieter Lohrmann. Er sehe sich in gewissem Sinne mit dem geehrten Autor verbunden, da dieser mehrere Wochen im Liebenzeller Pfarrhaus in der Oberstadt bei der damaligen Pfarrfamilie Buttersack weilte. "Er wohnte in demselben Haus, in dem ich jetzt für eine Zeit wohnen darf", stellte Lohrmann fest.

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