Kämmerer Lucas Hansen wird den Platz an seinem Schreibtisch Ende August räumen. Dann geht es für ihn in den Ruhestand. Foto: Biermayer

Seit 2012 hat Lucas Hansen die Finanzen der Stadt Bad Liebenzell im Auge. Im August wird er 65 Jahre alt und darf dann seinen verdienten Ruhestand antreten. Über seine Zeit in der Kurstadt zieht er ein positives Fazit. Es seien seine beruflich interessantesten Jahre gewesen.

Bad Liebenzell - Es ist ein Montagmorgen. Lucas Hansen sitzt zufrieden in seinem Büro im fünften Stock des Rathauses. Der Wochenanfang sei zwar immer etwas stressig. Man müsse dann meistens erst einmal ein paar Beschwerden abarbeiten, erzählt er. Doch das bringt ihn nicht aus der Ruhe, so wie ihn ohnehin kaum etwas aus der Ruhe bringt.

Das habe er in seine Jahren in Liebenzell gelernt. Man brauche hier für den Job des Kämmerers einen kühlen Kopf und gute Nerven, betont Hansen. Zwei GmbHs, fünf städtische Eigenbetriebe, dazu noch der städtische Haushalt und die Liegenschaften – für all das war Hansen in den vergangenen Jahren zu­ständig. Da müsse man den Überblick behalten, meint er mit einem Lächeln, und viele Grundsatzfragen klären.

Erklären, dass macht Hansen gerne. Jeder, der ihn einmal in einer Gemeinderatssitzung oder einer Einwohnerversammlung erlebt hat, weiß, dass er es versteht, ­trockene und komplizierte Zahlenwerke auch für Laien verständlich zu machen. Dabei ist er nie um eine Anekdote oder ein Beispiel verlegen. Und Anekdoten aus seinem Berufsleben hat er viele.

Hansen begann seine Laufbahn mit einer Ausbildung in Baden-Baden. Es folgte ein Studium in Kehl. Ab 1980 war er als Stadtinspektor in Bad Wildbad. 1984 wurde er nach Oberreichenbach versetzt. Dort bekleidete er unterschiedliche Ämter, bis er schließlich zum Kämmerer aufstieg. 2012 folgte der Wechsel nach Bad Liebenzell.

In seiner Zeit in Ober­reichenbach habe er viel gelernt. Durch die vielfältigen Aufgaben seien ihm Einblicke in verschiedenste Bereiche ermöglicht worden. So habe Oberreichenbach damals noch eigene Nutztiere gehabt, die man gewinnbringend auf einer Auktion versteigern wollte. Als Zuständiger für die Finanzen sei er damals mitgegangen. Es sei ein eindrückliches Erlebnis gewesen.

Zusammenarbeit mit Gemeinderat stets von Respekt geprägt

Es habe ihm verdeutlicht, dass es zu den Zahlen auch immer einen realen Bezug gebe, erläutert er. Dies habe er danach versucht, beizubehalten und weiterzugeben. Er habe eine neue Mitarbeiterin in Liebenzell dann mal mit zu einem Rohrbruch genommen. Die habe sich dort die Schuhe schmutzig gemacht. Danach sei aber klar gewesen, für was hier Geld benötigt werde und welche Ausgaben sinnvoll seien, erinnert sich Hansen.

Seinen Erfahrungsschatz hat Hansen auch als Lehrbeauftragter für Nachwuchskräfte weitergegeben. Über mehr als zehn Jahre hat er am Landratsamt in Calw ­unterrichtet. "Rechtsanwendung bedeutet mehr als nur am Schreibtisch zu sitzen", erklärte er dort den jungen Leuten seine Philosophie.

Zudem ist ihm wichtig, dass er als Kämmerer keine Entscheidungen treffe – dies tue der Gemeinderat. Er zeige dem Gremium lediglich verschiedene Szenarien auf. Darauf habe er vor allem in seiner Anfangszeit immer wieder hinweisen müssen. Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sei aber stets von Respekt geprägt gewesen, auch wenn man diesen hin und wieder habe einfordern müssen.

Auch mit seinem Team in der Verwaltung habe die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert, lobt der Kämmerer. Trotz eines großen Arbeitspensums hätten seine Mitarbeiter sich immer engagiert eingebracht. Chef von so vielen Menschen zu sein, sei für ihn anfangs neu gewesen. Allerdings habe er sich im Zweifel immer vor sein Team gestellt. Dies sei für ihn selbstverständlich.

Auch mit Bürgermeister Dietmar Fischer habe er "Hand in Hand" gearbeitet. Er habe viele Vollmachten gehabt. Außerdem habe Fischer ein neues Denken mitgebracht. Man müsse Geld investieren, um auch in Zukunft Geld einzunehmen. Dies sei gerade im Hinblick auf die Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell wichtig, so Hansen. Hier sei man in den vergangenen Jahren auf einem guten Weg.

Vom Haushaltssystem Doppik ist er nicht überzeugt

Man sei in Bad Liebenzell eigentlich noch immer auf einem Haushaltskonsolidierungskurs, erklärt der Kämmerer. Das heißt, man müsse entweder die Ausgaben kürzen oder die Einnahmen erhöhen. Auch Steuererhöhungen seien hier ein probates Mittel – wie zum Beispiel bei der Grundsteuer. Nur gelte auch hier: Solche Erhöhungen müssten mit Augenmaß passieren und man müsse die örtlichen Gegebenheiten im Auge behalten. Ganz getreu Hansens Philosophie, nicht bloß vom Schreibtisch aus zu entschieden.

Ein anderes Thema, das ihn als Kämmerer beschäftigt habe, sei die Einführung des neuen kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens gewesen. Er ist von dem System nicht überzeugt. Kommunen könnten nicht wie Unternehmen wirtschaften. Ein Betrieb könne bestimmte Vermögenswerte veräußern, um an Kapital zu kommen. Eine Kommune könne aber ja nicht so einfach Straßen oder einen Kindergarten verkaufen.

Abschreibungen funktionierten vielleicht bei der Wasserversorgung, weil hier Gebühren erhoben würden. In anderen Bereichen sei das nicht praktikabel. Die Ge­nerationengerechtigkeit, welche als Begründung für die neue Doppik herangezogen werde, sieht er ebenfalls nicht wirklich gegeben. Denn durch die kalkulatorischen Kosten entstünden jährliche Defizite.

Aber all das muss ihn bald nicht mehr beschäftigen. Seit Januar ist Hansens Nachfolger René Kaufmann in Bad Liebenzell. Gemeinsam bereiteten sie die Übergabe vor. Dass Kaufmann seine Aufgabe gut meistern wird, daran hat Hansen keine Zweifel.

Er selbst freut sich auf seine Zeit im Ruhestand. Er könne sich dann endlich seinen Hobbys wie der Fotografie, der Poesie oder der Musik zuwenden. Außerdem habe er vor vier Jahren ein Haus gekauft. Hier stünden noch Renovierungsarbeiten an. Langweilig wird es also nicht.

Und auf die Zeit mit seiner Familie – er hat zwei Kinder und ein Enkelkind – freut er sich ganz besonders. Auch seine Frau Marina habe bestimmt ein paar Aufgaben für ihn, scherzt er. Er denke ­gerne an die Zeit ihres Kennenlernens zurück. Er hofft, dass diese Stimmung jetzt wieder in den Alltag zurückkehrt.

Hansen sei gern Kämmerer in Bad Liebenzell gewesen. Die Arbeit sei zwar fordernd, aber auch sehr spannend gewesen. Manche privaten ­Leidenschaften seien deshalb auf der Strecke geblieben. Ab September hat er dafür endlich Zeit, auch wenn er weiterhin am Amtsgericht in Calw tätig bleiben wird.