Viel Recherchearbeit steckte Gerhard Treichel in seinen Geschichtsroman.Foto: Buck Foto: Schwarzwälder Bote

Literatur: Gerhard Treichel aus Bad Liebenzell-Beinberg hat drei Jahre an seinem neuen Buch gearbeitet / Wenig Aufzeichnungen

Geschichte ist bisweilen trocken und langweilig – so ein landläufiges Vorurteil. Doch dass in der Historie mitunter spannende und unerwartete Dinge schlummern, zeigt der Beinberger Gerhard Treichel in seinem neuen Buch.

Bad Liebenzell-Beinberg. Aus Gerhard Treichel sprudelt das geschichtliche Interesse förmlich heraus. Das spürt man in jeder Minute, in der er sein neues Buch "Prinzessin Antonia – die erste Frau der Neuzeit" vorstellt und die Hintergründe erklärt. Sein 250 Seiten starker Geschichtsroman sei ein steter Wechsel aus "Wahrheit und Dichtung", erklärt Treichel.

Der 77-Jährige studierte einst in der Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, Philosophie und Maschinenbau an der Technischen Universität. Eigentlich hatte er schon damals Geschichte studieren wollen, durfte dies in der ehemaligen DDR allerdings nicht. Nach dem Mauerfall frönte er dann seiner historischen Leidenschaft, studierte Geschichte in Chemnitz und Tübingen. Inzwischen lebt er seit einigen Jahren im Bad Liebenzeller Teilort Beinberg.

Der Ausgangspunkt für sein jetziges Buch ist die Lehrtafel der württembergischen Prinzessin Antonia, die in der Dreifaltigkeitskirche in Bad Teinach zu finden ist. Die Tafel zog Treichel in ihren Bann. Die Prinzessin aus Württemberg hatte darauf ihr Wissen gesammelt, Anregungen zur Gleichberechtigung der Frau, dem Verständnis des Judentums und vorreformatorische Impulse gegeben. Doch Treichel wollte die Frau hinter der Tafel kennenlernen, herausfinden, wer Antonia war und wie sie gelebt hatte. Allerdings stellte sich dieses Unterfangen als deutlich schwieriger heraus als gedacht. "Es gibt so gut wie keine Quellen", erklärt der Beinberger das Problem. Und das obwohl Antonia damals als gebildete Frau mit historischen Persönlichkeiten in regem Austausch stand.

In einer Zeit voller Umbrüche gelebt

Doch damals, Antonia lebte von 1613 bis 1679, ist eben auch schon recht lange her. Außerdem lebte die Prinzessin inmitten einer Zeit voller Umbrüche. Nur fünf Jahre nach ihrer Geburt brach der Dreißigjährigen Krieg aus – und wütete bis 1648. Kein Wunder also, dass es aus dieser Zeit wenige Aufzeichnungen zu finden gibt. Für Treichel allerdings eine willkommene Herausforderung: "Ich habe indirekte Quellen genutzt, um sie zu charakterisieren." Ein Gedicht eines Theologen, der Antonia in den höchsten Tönen lobt, beispielsweise, aber freilich auch noch viele andere.

Ebenjener Theologe war Johann Valentin Andreä. Und über diesen fand Treichel zahlreiche Quellen und Bücher. Auf diese Weise kam er auch Prinzessin Antonia immer näher. Drei Jahre lang hat der Autor an seinem Buch gearbeitet, musste viel Recherchearbeit leisten. "Ich wollte den ganzen historischen Kontext erfassen", erklärt Treichel, weshalb er so lange intensiv nach dem Wesen von Antonia geforscht hat. Jetzt hat er das Geheimnis gelüftet, wie er selbst sagt. "Antonia war eine lebensfreudige Frau, die sozial engagiert und vielseitig gebildet war."

Treichel bringt dies in seinem Buch auch mithilfe von fingierten Briefwechseln zum Ausdruck, aber immer nah an der geschichtlichen Detailtreue. Dichtung und Wahrheit eben, wie er selbst sagt, werden geschickt miteinander verwoben.

Der Startpunkt seines Romans ist Bad Liebenzell. Ein Professor Conradi macht während seines Kurzurlaubs in der Kurstadt einen Abstecher zur Lehrtafel nach Bad Teinach. Und ist, hier ist die Parallele zum Autor, direkt gefesselt und erpicht darauf, mehr über die Frau hinter der Tafel zu erfahren. Genau wie Treichel begibt sich der Buchcharakter auf eine langwierige Suche, die zu spannenden Erkenntnissen führt.

Der Endpunkt des Buches und des Lebens von Prinzessin Antonia ist übrigens ebenfalls Bad Liebenzell. Denn dort starb Antonia im Jahre 1679. Und auch wenn die Prinzessin schon so lange tot ist, Treichel ist auch heute noch begeistert von ihr – und meint mit Blick auf die Lehrtafel: "Die wirkt noch bis in die heutige Zeit."

Die Motivation des studierten Geschichtsexperten, sich derart tief in die Materie einzuarbeiten, ist nicht nur die Leidenschaft für das Vergangene, sondern auch andere dafür zu begeistern. "Ich will Geschichte lebendig machen, denn sie ist eine Bereicherung", erklärt Treichel, der in seinem Regal nach einem Buch sucht und ergänzt: "Das ist mein Lebenselixier." Und genau das spürt man, nicht nur während des ganzen Gesprächs, sondern auch auf jeder Seite seines Buches.

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