Einst als blinder Passagier nach Europa gebracht, ist die Asiatische Hornisse heute eine ernsthafte Bedrohung. Experten schlagen Alarm. So auch Torsten Schiebenes aus Bad Herrenalb.
Die Vespa velutina (Asiatische Gelbfußhornisse) erobert Baden-Württemberg. Sie ist schwarz, flink und extrem erfolgreich: Die Asiatische Gelbfußhornisse breitet sich in Europa mit einer Geschwindigkeit von etwa 80 Kilometern pro Jahr aus. Was 2004 mit einer einzigen Königin in Südwestfrankreich begann, hat sich längst zu einer flächendeckenden Herausforderung entwickelt. Nachdem sie 2014 erstmals in Baden-Württemberg nachgewiesen wurde, explodieren die Fundzahlen aktuell: Wurden 2020 in Deutschland lediglich acht Nester entdeckt, waren es im Jahr 2023 bereits über 480.
Profiteur des Klimawandels Die Hornisse, die ursprünglich aus China und der Grenzregion Indien/Myanmar stammt, fühlt sich in unseren Breiten zunehmend wohl. „Diese invasive Art profitiert offenkundig von den warmen Sommern und milden Wintern der letzten Jahre“, betont Torsten Schiebenes. Der Imker, der aktuell als einziger speziell ausgebildeter Nestentferner in Bad Herrenalb aktiv ist, um der invasiven Art zu Leibe zu rücken, weiß, dass der „Generalist“ aus Asien „hier bei uns einen reich gedeckten Tisch vorfindet, während unsere Natur mit der Trockenheit kämpft“.
Elf Kilogramm pro Volk Der Appetit eines einzigen Hornissenvolkes ist mit rund 11,3 Kilogramm Insekten-Biomasse gewaltig. Diese Zahl entspricht etwa 97.000 einzelnen Tieren, die pro Jahr benötigt werden, um die Brut aufzuziehen. Auf dem Speiseplan stehen Fliegen, Wildwespen und insbesondere Honigbienen.
Mahnung zur Vorsicht
„Wir haben das Problem, dass unsere europäischen Bienen im Gegensatz zu ihren asiatischen Verwandten keine Verteidigungsstrategie haben. Während sich asiatische Bienen in einer Traube um die Hornisse stürzen und sie durch Hitze töten, sind unsere heimischen Völker der Jagdtaktik der Eindringlinge oft schutzlos ausgeliefert“, so Schiebenes. Trotz der Bedrohung durch die invasive Art mahnt er zur Vorsicht. Immer wieder werden Nester der streng geschützten heimischen Hornisse (Vespa crabro) zerstört – ein fataler Irrtum für die Biodiversität.
Unterschiede Da die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) unter Artenschutz steht, ist es verboten, diese Tiere zu töten oder ihre Nester zu zerstören. Die Ausbreitung und Etablierung der Asiatischen Hornisse hingegen soll unterbunden werden. Daher sind die Unterschiede deutlich zu beachten:
Sowohl die Königinnen als auch die Arbeiterinnen und Drohnen unterscheiden sich markant von der heimischen Hornisse. Auf den ersten Blick sind die Asiatischen Gelbfußhornissen etwas kleiner, deutlich dunkler (fast schwarz) gefärbt und haben die namensgebenden gelben Füße. Die heimische Hornisse fällt hingegen durch ihren gelb-schwarz gemusterten Hinterleib auf. Arbeiterinnen der Asiatischen Hornisse erreichen eine Körperlänge von bis zu zweieinhalb Zentimetern, Königinnen bis zu drei Zentimetern. Damit sind sie etwas kleiner als die heimischen Hornissen.
Asiatische Hornisse: Der Körper ist fast vollständig schwarz, charakteristisch sind die gelben Beine (Gelbfußhornisse). Heimische Hornisse: deutlich gelb-schwarz gemusterter Hinterleib, rötlich-braune Beine.
Kampf gegen Ausbreitung „Die ersten Königinnen der Asiatischen Hornisse konnten in Bad Herrenalb und den Eingemeindungen schon gesichtet werden“, berichtet Schiebenes, der insbesondere jetzt im Frühjahr auf die dringend notwendige Bekämpfung der Asiatischen Hornisse hinweist.
Ab Mitte März bis Mitte April muss man mit dem Ausflug der Königinnen der Vespa velutina aus ihren Winterquartieren rechnen. Wenn man davon ausgeht, dass in einem solchen Quartier bis zu 500 Königinnen überwintert haben und diese sich nun unter anderem mithilfe des Windes im Umkreis von rund 80 Kilometern verbreiten, ist es immens wichtig, die Entdeckung der Gründungsnester zu melden.
Präziser Zeitplan
Die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse folgt einem präzisen biologischen Zeitplan, der im zeitigen Frühjahr beginnt. Ab März erwachen die Jungköniginnen aus ihrer Winterstarre und beginnen mit dem Bau der sogenannten Gründungsnester. Die Königinnen sind dann aktuell auf sich allein gestellt, bevor in den Nestern die ersten Arbeiterinnen heranwachsen.
Diese ersten Behausungen entstehen meist an geschützten, bodennahen Stellen, etwa in Schuppen, unter Dachvorsprüngen oder in Sträuchern. Die Nester bestehen aus zerkauten Holzfasern, sind ockerfarben bis hellbraun und bestehen zunächst aus einer einzigen Brutwabe, die von einer schützenden Nesthülle umgeben ist. In dieser Phase ist die Bekämpfung besonders effektiv, da die Nester noch klein und leicht zu entfernen sind. Diese sogenannten Primärnester können ganz einfach nach Einbruch der Dunkelheit durch Überstülpen eines entsprechend großen Schraubglases entfernt werden, berichtet Schiebenes, da die Asiatischen Hornissen nicht nachtaktiv sind.
Imposanten Konstruktionen Nach einer Entwicklungszeit von etwa 48 Tagen schlüpfen im Mai oder Juni die ersten Arbeiterinnen. Mit ihrem Erscheinen ändert sich die Dynamik im Volk: Die Arbeiterinnen übernehmen fortan die Nahrungssuche und den weiteren Nestausbau, während die Königin das Nest nicht mehr verlässt und sich ausschließlich auf das Eierlegen konzentriert.
Ab Juli oder August zieht das Volk häufig um und legt in der Nähe des ursprünglichen Standorts ein sogenanntes Sekundär- oder Filialnest an.
Diese imposanten Konstruktionen hängen meist frei in den Baumkronen, oft in einer Höhe von zehn bis zu 30 Metern, und sind durch das dichte Laub oft kaum zu erkennen. Ein solches Sekundärnest kann beachtliche Ausmaße von bis zu einem Meter Höhe und 80 Zentimetern Durchmesser erreichen. Charakteristisch ist das seitliche Flugloch – ein klares Unterscheidungsmerkmal zu den Nestern der heimischen Hornisse, deren Ausgang sich meist unten befindet. Auf dem Höhepunkt der Saison können in einem solchen Nest bis zu 2.000 Individuen gleichzeitig leben, was die enorme Schlagkraft und den Nahrungsbedarf eines einzigen Volkes verdeutlicht.
Daher betont Schiebenes: „Jedes entfernte Primärnest hilft, die Ausbreitung der Asiatischen Hornisse einzudämmen, und bedeutet einen großen Mehrwert für die Biodiversität.“
Meldeportal des Landes
https://bienenkunde.uni-hohenheim.de/vespavelutina Sichtungen in Baden-Württemberg Sichtungen von Asiatischen Hornissen (Einzeltieren oder Nestern) sind ausschließlich über das Meldeportal des Landes über die „Meine Umwelt“-App (Playstore/App-Store) oder die Webseite der LUBW: https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/asiatische-hornisse-melden zu melden.