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Bad Herrenalb Zeitlebens großes Heimweh gehabt

Von
Bernhard Kraft (hinten links) gestaltete den Abend zum Thema "Dobler Geschichten" mit Infos über Auswanderungen aus Dobel. Foto: Gegenheimer Foto: Schwarzwälder Bote

Dass es nicht immer alle Menschen nur auf die Sonneninsel zog, sondern dass zahlreiche aus Dobel sogar in die weite Welt auswanderten – darüber berichtete Bernhard Kraft bei "Dobler Geschichten". Elf interessierte Gäste hatten sich eingefunden, darunter etliche Ur-Dobler, die selbst das eine oder andere zum Thema beisteuern konnten.

Dobel. Mehrere größere Wellen der Auswanderung hat es vor allem im 19. Jahrhundert gegeben, so Kraft. Gründe war unter anderem der kahl geschlagene Wald, der den Menschen kaum Arbeit und kein Auskommen mehr bot. So machten sich etwa zwischen 1800 und 1910 gut 550 Personen aus Dobel auf, um eine neue Heimat in Polen, Südamerika, schwerpunktmäßig aber in Nordamerika zu finden. Zum Vergleich: Um 1850 hatte der Ort knapp mehr als 1000 Einwohner. Dass die Zahlen, Namen und teilweise auch die Geschicke der Dobler Auswanderer noch heute so gut nachvollzogen werden können, verriet Kraft, ist einer Dobler Lehrerin zu verdanken.

Karteikarten aus Standesbüchern

Anne Pfrommer, geboren 1914 in Würzbach und 2013 fast 100-jährig verstorben, erfasste auf Karteikarten aus Standesbüchern, aber auch nach Erzählungen der zurückgebliebenen Verwandten, Daten und Informationen über viele Auswanderer. "Deine Mutter ging noch bei ihr in die Schule", erklärte er der beeindruckten Besucherin Ursula Neuweiler. Bedauerlicherweise, so Kraft, seien diese Karten derzeit im Archiv nicht auffindbar.

Umso erfreulicher, dass Werner König sie einst abfotografiert hatte. So konnte Kraft Beispiele zeigen – in sauberer Kurrentschrift von Lehrerin Pfrommer erfasst. Wie das von Philipp Jakob Ruff, der 1780 samt Ehefrau nach Westpreußen auswanderte und 1791 Dobel nochmals besuchte, oder das von Familie Wildprett vom Stierhof, wo es zunächst nur den Ehemann in die Neue Welt zog. Eine lange Inventarliste von der Hochzeit liegt hier noch vor – bis hin zur Zahl der "Haipfel". "Ja, meine Großeltern haben so auch noch zum Kopfkissen gesagt", kannte Besucherin Irmgard Bernhard den alten Begriff.

Dicke Bände im Rathausarchiv, erzählte Kraft weiter, zeugten von langwierigen Erbauseinandersetzungen wie denen über den Nachlass von Johannes Ruff, der 1837 mit der zweiten Ehefrau und acht Kindern nach Amerika auswanderte. Alle galten als verschollen und wurden 1900 vom Amtsgericht Neuenbürg für tot erklärt.

Langwierig gestaltete sich die Suche des Notars nach den insgesamt 62 Erbberechtigten für die in Dobel hinterlassenen Liegenschaften. Die Korrespondenz dazu ging mehrfach über den großen Teich.

Gast Werner König hatte selbst eine Menge Informatives zum "Dobler Geschichten"-Abend mitgebracht. So einen historischen Bericht aus dem "Enztäler" von 1863, in dem die Leser vor den Gefahren einer Auswanderung gewarnt werden. Aber auch Interessantes zur eigenen Familie. Wie zum Großonkel Fritz Bott, der nach New Jersey ausgewandert war, wo er sein Auskommen fand, aber zeitlebens unter großem Heimweh litt. König wusste auch zu berichten, dass verschiedene Dobler in "diese Ecke" Nordamerikas auswanderten und den Kontakt untereinander aufrecht hielten.

Es zeigte sich, was Kraft als Kenner der Dobler Geschichte schon zu Beginn gesagt hatte: "Wir könnten zahlreiche Abende zu diesem Thema machen!"

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 130891

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