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Bad Herrenalb Wutbürger auch mal links liegen lassen

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Bürgermeisterkandidatin Sabine Zenker Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Sie ist die Kämmerin von Bad Herrenalb: Sabine Zenker. Und würde gerne Bürgermeisterin werden in "ihrer" Stadt. Den ersten Wahlgang am 20. Oktober konnte sie mit 39,2 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich entscheiden. Womit man eine Favoritenrolle für den zweiten Wahlgang am 10. November annehmen darf.

Bad Herrenalb. Es ist ein traumhaft schöner Herbsttag in Bad Herrenalb. Strahlender Sonnenschein. Weshalb sich Sabine Zenker für dieses Gespräch die Terrasse des Kurhauses aussucht. Die Bedienung – man kennt sich.

Zenker ist seit 2008 in der Stadt, die ihr längst zur Heimat geworden sei. Eine Kaffee-Latte – wie immer? Erst sagt Zenker ja – dann bestellt sie aber doch eine heiße Schokolade. Später wird sie erzählen, dass daheim ihre Tiere "und ganz viel Schoki" durch den Stress des Wahlkampfs helfen. "Wenn der noch ein paar Wochen weiterginge, bräuchte ich neue Kleider" – mit einer größeren Kleidergröße.

Probleme lösen

Zenker wirkt äußerlich entspannt. Doch ihre Augen sind es nicht. Die Anspannung muss auch groß sein, der Ton im Herrenalber Wahlkampf hat sich verschärft. Der Druck im Gemeinderat gerade auf sie als Stadtkämmerin ist groß.

"Ich habe nicht erwartet, dass es einfach wird, als ich die Stelle hier in Bad Herrenalb antrat", erzählt die 36-Jährige. Aber als sie den Schreibtisch der Finanzverwaltung übernommen hatte und dann irgendwann sah, was ihr die Vorgänger im Amt überlassen hatten, habe sie schon "Hoppla!" sagen müssen: "Das war ein echter Schock". Über 90 Prozent der Pflichtaufgaben der Kämmerei seien damals "nicht aufgearbeitet gewesen".

Aber: "Ich wurde eingestellt, Probleme zu lösen." Das Beitragswesen der Stadt Bad Herrenalb zum Beispiel. Das Thema ist Legende im Ort, die Ursachen reichen bis in die 1960er-Jahre zurück. Beschäftigt jetzt, nachdem sich Zenker der Sache konsequent angenommen hat, die Gerichte. Macht sie zum "Buh-Mann" dieser Geschichte, obwohl sie nur versucht, den Mist auszukehren, den andere angerichtet haben. Mit strafrechtlichen Konsequenzen – eigentlich: "Wer als Kämmerer solche Pflichtbeiträge für seine Kommune nicht eintreibt, begeht eine Straftat" – macht sich der Unterschlagung schuldig.

Man könnte die "Altlasten" in Bad Herrenalb auch anders lösen – mit einer Gesetzesnovelle, die per Verjährung einen Strich drunter zieht. Aber da duckt sich die Landesregierung, das Innenministerium weg, berichtet Zenker. Die riefen lieber einmal alle halbe Jahr bei ihr an um zu fragen, ob es was Neues "von den Gerichten" in dieser Sache gebe. Zenker nimmt jetzt einen besonders tiefen Schluck von ihrer heißen Schoki. Und spricht über die Dinge, die toll laufen in Bad Herrenalb. Die Innenstadtentwicklung zum Beispiel. Oder die "Neuentdeckung des Kurparks" durch die Gartenschau.

"Früher war hier alles umzäunt, mit dicken Hecken blickdicht abgeschirmt." Wurden von den Herrenalbern selbst kaum genutzt. Heute ist der Kurpark das heimliche grüne Stadtzentrum, das von den Herrenalbern aktiv in ihr Alltagserleben eingebunden wird. "Das weiß heute hier keiner mehr, wie es früher aussah." Sagt Zenker – mit ein bisschen Tadel, aber auch ganz viel Sympathie für "die Herrenalber" in ihrer Stimme. Da schwingt auch Stolz mit – an dieser Entwicklung als Geschäftsführerin der Gartenschau-GmbH und zeitweise des Tourismusbetriebs aktiv und maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. "Diese Arbeit möchte ich fortsetzen", unterstreicht Zenker mit viel Nachdruck. "Stillstand ist Rückschritt."

Sie habe einen Entwicklungsplan für Bad Herrenalb für mindestens die nächsten zehn Jahre im Gepäck. Wohnbau, Gewerbe, Infrastruktur, Betreuung (Jung und Alt), Angebot regionaler Erzeugnisse. Sie wisse genau, bei welchen Betrieben im Ort demnächst Generationswechsel anstünden – und damit in der Regel Expansions-Ideen der künftigen Chefs. Das müsse Priorität haben vor Ansiedelungen von außen. Bei der Flächenentwicklung gebe es "Binnen-Reserven" – also Leerstände. Und sie listet einige auf. Zenker arbeitet offensichtlich gern systematisch. "Ja", lacht sie. "Ich hab nicht nur einen Plan ›A‹ – sondern immer auch einen Plan ›B‹, ›C‹, ›D‹, ›E‹ und ›F‹".

Aber Bad Herrenalb kann auch ein fieses Pflaster sein. Noch-Bürgermeister und Zenkers Dienstherr Norbert Mai kann ein Lied davon singen. "Ja, die Wutbürger." Die alles kaputt reden, gegen alles und jeden sind. Jede (konstruktive) Diskussion in den sozialen Netzwerken mit ihrer ätzenden Häme vergiften. "Damit muss man souverän umgehen", sagt Zenker – selbst oft genug Ziel dieser manchmal auch persönlichen Diffamierungen. "Es gibt immer das Angebot zum persönlichen Gespräch" – Face-to-Face. "Aber wer eigentlich keinen konstruktiven Austausch will" – wie manche dieser Herrenalber Berufs-Wüteriche – "den muss man auch links liegen lassen können".

Zenkers Schoki-Tasse ist mittlerweile leer. Wo sie ohne Schoki die Kraft, diese Energie hernimmt, die sie permanent ausstrahlt. "Mein persönliches Umfeld", sagt sie. Der Partner – Hufschmied von Beruf. Gut geerdet. Die Tiere daheim im neuen Eigenheim in Bernbach – sechs Schafe. Und die Bienen. "Denen eine halbe Stunde zuschauen – und es geht mir wieder gut." Bereit für neue Aufgaben. Und auch die, die noch abgearbeitet werden müssen.

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