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Bad Herrenalb Wehmütige Gedanken an rauschende Feste

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Derzeit wird das ehemalige Wanderheim des Schwarzwaldvereins Karlsruhe im Oberen Gaistal in Bad Herrenalb saniert. Eine ortsansässige Familie kaufte inzwischen das Gebäude.   Foto: Zoller Foto: Schwarzwälder Bote

Urlaub im Ländle ist in aller Munde und so hat auch viele die Wanderlust gepackt, die es sonst eher an die Meeresküsten in ferne Länder zieht.

Bad Herrenalb. Wer wandert, will einkehren und so bietet der Schwarzwaldverein zahlreiche Wanderheime an Höhen- und Fernwanderwegen mit meist malerischen Aussichten. In diesem Sommer sucht der Wanderer die Informationen zur Wanderhütte im Oberen Gaistal jedoch vergebens.

Das Wanderheim Hans-Linz-Haus auf der Gemarkung Bad Herrenalb wurde an eine ortsansässige Familie verkauft, die das Haus in seinem äußeren Erscheinungsbild erhält und nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ausschließlich privat nutzen wird.

Vorbei die Zeiten, als noch am Sonntag der Stammtisch zum Plausch unter Einheimischen lockte und man das Wichtigste aus dem Ort aus erster Hand erfuhr. Vorbei die vielen Feste und Freundschaften, die sich bei einer Einkehr ins Gedächtnis brannten und dazu gar besondere Schriften verfassten. In seinem Privatarchiv hat Richard Clauer ein Gedicht mit dem Titel "Unser Wanderheim" hervorgekramt. Die Verse stammen vom Herrenalber Heimatdichter Hubertus Waldteufel (1879-1957) der sich als gebürtiger Karlsruher das Gaistal zur Heimat auserkoren hatte: Und kehr vom Bergwald ich zurück. Zu Daseinskampf und Pflicht, liegt fern des Waldes einsam Glück, vergessen will ich nicht, wie reich der Bergwald mich bedacht und sehnsuchtsvoll ich träum so manche Stund, so manche Nacht vom Gaistal – Wanderheim.

Noch spricht Emil Dietz mit seinem Pseudonym Waldteufel vom "Wanderheim", dem schmucken Schwarzwaldhaus mit Krüppelwalmdach und holzverschalten Außenwänden am Hang des Schweizerkopfes, das dank seiner herrlichen Fernsicht ins Tal viele Gäste ins Gaistal lockte. 1934 wurde es vom Schwarzwaldverein Karlsruhe für die stolze Summe von 25 900 Reichsmark gebaut und erhielt erst 1952 als Dank für den unermüdlichen Einsatz seines Erbauers und der treibenden Kraft im Karlsruher Schwarzwaldverein den Namen "Hans-Linz-Haus". Die Wanderlust und den Schwarzwald hatten die Karlsruher bereits vor mehr als 100 Jahren für sich entdeckt, als die Albtalbahn eine schnelle Anreise bis nach Herrenalb ermöglichte. "Rund 800 Mitglieder vom Karlsruher Schwarzwaldverein reisten gemeinsam mit Vertretern auswärtiger Ortsgruppen im festlich geschmückten Albtalbähnle nach Herrenalb", um im Anschluss nach einem knapp zweistündigen Fußmarsch die Eröffnung mit großem Festakt im Gaistal zu feiern. Das ist aus einem Zeitungsbericht aus dem Jahr Eröffnungsjahr zu erfahren, der nicht vergisst, das Ehepaar Braml lobend zu erwähnen, das als Bewirtschafter des Wanderheims mit dampfenden Eintopf die vielen Gäste bewirtete.

Sonntäglicher Stammtisch als Treff

Gute Küche und bürgerliche Kost lockten auch in den 1970er-Jahren viele Gäste ins Gaistal, wie Lore Ambos berichtet. Von 1965 bis 1971 war sie gemeinsam mit ihrem Mann Werner ganzjährig um das Wohl der Wanderer an sieben Tagen in der Woche bedacht. "Damals gab es in der Gastronomie noch keine Ruhetage", so die rüstige Rentnerin (83), die sich gerne an die Zeit im Wanderheim zurückerinnert. Als Köchin stand sie am Herd und ergänzte die Speisekarte um Rumpsteak, Schnitzel und Schlachtplatte.

"Es gab vier Doppel- und vier Einzelzimmer und alle mit fließendem Wasser", berichtet Lore Amos, die heute schmunzelnd hinzufügt: "Eine Dusche gab es damals nicht." Für die Mitarbeiter war Platz unter dem Dach und als Pächterpaar wohnten sie selbst im Parterre des Hauses.

Zum ultimativen Treff für Einheimische galt der sonntägliche Stammtisch, der in dem als öffentliches Lokal geführten Haus stets gut besucht war und darüber hinaus auch Fremde anlockte. Denn die urige Wirtshausstube mit blanken Holztischen, Kaminofen und holzvertäfelten Wänden wurde für viele zu einem Stück Heimat.

An das Wanderheim als Kristallisationspunkt vieler Feste und Erlebnisse vom Schwarzwaldverein können sich auch noch viele Karlsruher erinnern. "Viele unserer langjährigen Mitglieder haben dort rauschende Familienfeste gefeiert und jedes Jahr gab es im Sommer ein Bergfest", erklärt Elfriede Maria Dahlke.

Die Vorsitzende des Schwarzwaldvereins Ortsgruppe Karlsruhe weiß aber auch von vielen Altvorderen zu berichten, "die sich heute noch gerne an die Vereinsfeste und Veranstaltungen im Wanderheim wie zum Beispiel Altenkaffee, Weihnachtsbasteln erinnern, aber heute altersbedingt das Haus nicht mehr nutzen können."

Das Management eines Wanderheims ist eine Riesenaufgabe, die nicht nur engagierte Mitglieder fordert, sondern auch mit Verwaltungs- und Sanierungsarbeiten verbunden ist.

Das Haus, das in die Jahre gekommen ist, wurde zwar mehrfach modernisiert, doch wurden die 14 Zimmer im Wanderheim zuletzt von Gruppen oder Einzelpersonen als Selbstversorger gemietet.

Durch die meist nur am Wochenende angefragten Räumlichkeiten waren die Kosten für notwendige Sanierungsmaßnahmen nicht mehr zu erwirtschaften, sodass in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juli 2018 in Karlsruhe der Beschluss gefasst wurde, das Wanderheim zu verkaufen. "Die Bedingungen der Mitglieder waren, als Käufer eine ortsansässige junge Familie zu finden und das Haus in seinem äußeren Erscheinungsbild zu erhalten", so Dahlke, die ergänzend hinzufügt: "Diese Anforderungen konnten umgesetzt werden." Wer nun einen Ausflug ins Gaistal macht, kann die fortschreitenden Sanierungsarbeiten des Hauses begutachten und am Buckelweg 61/Ecke Waldteufelweg einen Stopp einlegen, um die herrliche Fernsicht ins Tal zu genießen.

Für die Mitglieder des Schwarzwaldvereins Karlsruhe bleiben lediglich die Gästebücher und die "unzähligen Erinnerungen an schöne Erlebnisse an eine nun vergangene Ära."

Als ältester deutscher Wanderverein wurde der Schwarzwaldverein zur Pflege von Landschaft und Kultur 1864 von sieben Gastwirten in Freiburg gegründet. Mit rund 65 000 Mitgliedern ist er der zweitgrößte Wanderverein in Deutschland, der sich für Wege, Wandern, die Kulturlandschaft und das heimatliche Brauchtum stark macht. 1887 entstand die Sektion Karlsruhe des Schwarzwaldvereins durch natur- und wanderbegeisterte Bürger aus Karlsruhe und Umgebung.

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