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Bad Herrenalb Von Beginn an "chronisch unterfinanziert"

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Die Amtseinsetzung von Norbert Mai am 13. Februar 2004 fand im proppenvollen Bad Herrenalber Kurhaus statt. Der damals älteste Stadtrat, Karl Kull, nahm die Vereidigung und Verpflichtung des neu gewählten Rathauschefs vor. Foto: Stadt Foto: Schwarzwälder Bote

Einfach gut drauf – so präsentiert sich Norbert Mai in den letzten Tage als Stadtoberhaupt. Im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten blickt er auf 16 Jahre als Bad Herrenalber Rathauschef zurück. Am Freitag, 10. Januar, wird er ab 19 Uhr im Kurhaus verabschiedet.

Bad Herrenalb. Mai schaut allerdings am Donnerstag, 16. Januar, noch mal im Rathaus vorbei, um sich von seinen Mitarbeitern zu verabschieden. Tags darauf nimmt dann Nachfolger Klaus Hoffmann auf dem Chefsessel Platz. Werden derzeit im Rathaus mit Tourismus und Stadtmarketing etwa 40 Beschäftige gezählt, sind es im Bauhof rund 15, im Thermalbad mehr als 20 und circa zehn bei den Stadtwerken. Nicht zu vergessen die ungefähr 60 Erzieherinnen in den Kindergärten der Siebentälerstadt.

Der Noch-Bürgermeister, der im Wonnemonat Mai seinen 65. Geburtstag feiert, hatte am 17. Januar 2004 seinen ersten Arbeitstag in der Kur­stadt. Zuvor war er Stadtkämmerer in Neuenbürg.

"Kein Anfang ist leicht", stellt Mai fest. Doch er sei aus der Verwaltung gekommen und habe das Amt hoch motiviert angetreten. Die Mitarbeiter hätten mitgezogen – relativ schnell sei die Einarbeitung erfolgt. Und die ersten Erfolge hätten sich ebenfalls flugs eingestellt: Zuschüsse habe es in Form des Landessanierungsprogramms (LSP) und des Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum (ELR) gegeben. "Zudem konnten die Zukunftsprojekte in Angriff genommen werden", erinnert sich das scheidende Stadtoberhaupt. In diesem Zusammenhang nennt es das Feuerwehrgerätehaus in Neusatz, das Kinderhaus Regenbogen im Dobeltal oder die Antragstellung für die Gartenschau im Jahr 2017 als Beispiele.

Gute Zusammenarbeit

Mit den Mitarbeitern sei die Zusammenarbeit stets gut gewesen. "Es hat nie große Probleme gegeben", bemerkt Mai. Das Gleiche gelte für das Miteinander mit den Stadt- und Ortschaftsräten.

Auf das Baugebiet Rennberg und die Erneuerung der kompletten Technik der Siebentäler Therme samt Dampfbad kommt der 64-Jährige auch gerne zu sprechen. Apropos Therme: Das geplatzte Bäderprojekt auf der Schweizer Wiese habe zig Beratungen und Diskussionen begleitet. An Manpower habe es nicht gefehlt. Dabei erinnert er an den positiven Bürgerentscheid. Es gebe wohl kaum Investoren, denen der Weg so vorbereitet worden sei wie in Bad Herrenalb. Dennoch sei das großzügige Angebot nicht angenommen worden. "Im Nachhinein gesehen ist das Ganze vielleicht eine Nummer zu groß für die Stadt gewesen", blickt der Noch-Schultes zurück. "Nicht auszudenken, wenn mit dem Bau angefangen worden wäre und dann eine Ruine hinterlassen worden wäre." Nichtsdestotrotz: Zwei bis drei Jahre habe das Projekt "uns viel abverlangt".

Als Höhepunkt seiner Ära bezeichnet Mai die Gartenschau. Bad Herrenalb habe ein neues, modernes und attraktives Gesicht bekommen. Die Infrastruktur habe sich verändert. Über doppelt so viele Besucher als ursprünglich kalkuliert freut sich der 64-Jährige genauso wie über den Ruck, der durch die Bevölkerung ging. "Und das Wir-Gefühl ist bis heute zu spüren." Er spricht von gefestigten Gruppierungen, die den Veranstaltungskalender bereichern. In diesem Zusammenhang lobt er das rege Vereinsleben in der Stadt – ohne dieses Engagement wäre es viel kälter in der Stadt.

Bei der Bevölkerungs- und Wohnungszählung 2011 (Zensus) hatte Bad Herrenalb rund 7150 Einwohner, aktuell sind es mehr als 8000. Darüber informiert Mai genauso gerne wie über die Bürger, die ihm in schlechten Zeiten immer Mut zugesprochen haben. Die Begegnungen mit den Bad Herrenalbern, "die Verständnis für das schwierige Amt zeigten, halfen mir, auch Tiefschläge zu verkraften".

Zusätzlicher Aufwand

"Es ist nicht möglich, es allen recht zu machen", weiß Mai. So gehören die Personen, die Entscheidungen des Gemeinderats nicht verstanden hatten oder verstehen wollten, mit zu den weniger erfreulichen Erinnerungen. Der Gemeinderat entscheide im Sinne der Bürgerschaft, erklärt der Noch-Schultes. So stehe das Gemeinwohl vor Privatinteressen. So zum Beispiel bei entsprechenden Baugesuchen. Manche Leute sollten deshalb ein bisschen sorgsamer sein, "mit dem was sie in den Medien sagen oder schreiben". So habe es Aussagen gegeben, die teilweise unter der Gürtellinie gingen.

Die Aufarbeitung von Altlasten war ein zusätzlicher Aufwand in der Ära Mai. Das ganze Beitragswesen habe zusätzlich belastet. "Und obendrein ist uns Aktiven unterstellt worden, es sei unsere Schuld gewesen." Dabei sei das Ganze im Rathaus liegen gelassen worden, konstatiert Mai.

Mit einem musste der "16-Jahre-Bürgermeister" von Beginn an klarkommen: "Die Stadt ist chronisch unterfinanziert". Das habe damit zu tun, dass man sich Einrichtungen leiste, "die Kommunen in unserer Größenordnung so nicht haben". So werde alles wegen der Teilorte mal vier genommen: vier Hallen, vier Kindergärten, vier Friedhöfe. Diese Einrichtungen seien in guten Zeiten geschaffen worden und mittlerweile in die Jahre gekommen. Deshalb müssten intensiv Diskussionen darüber geführt werden, was bei einem klammen Stadtsäckel die besten Lösungen seien. Allerdings dürfe in Anbetracht der Daseinsvorsorge die Lebensqualität nicht nur am Geldbeutel festgemacht werden, erklärt Mai. Die Leute müssten gerne in Bad Herrenalb wohnen. Und einige Einrichtungen würden erwartet. So müsse das Kurhaus genügend Veranstaltungen anbieten. Eines stehe jedenfalls fest: Bad Herrenalb biete eine hohe Aufenthaltsqualität mit attraktiven Plätzen.

Der Noch-Bürgermeister wünscht sich nun, dass die Bürgerschaft seinen Nachfolger ebenso unterstützt, wie "ich es erfahren habe". Freuen würde er sich zudem über "mehr Zufriedenheit in der Gesellschaft".

Zeit für Familie

Mai, der im Jahr 2005 im Peter-Besucher-Weg ein Haus baute, will sich in seinem Ruhestand vollkommen aus der Kommunalpolitik heraushalten. Dafür möchte er sich mehr um seinen Garten kümmern, "zudem gibt es viel Schriftverkehr zu erledigen". Und dann soll die Familie nicht mehr zu kurz kommen. Schließlich waren es im Durchschnitt um die 60 Arbeitsstunden in der Woche. Auch mussten schon Urlaube wegen wichtiger Ereignisse in der Stadt abgebrochen werden. Enkel Lenn darf sich künftig mehr über Opa Norbert freuen und der Entlebucher Sennenhund Buddy seiner Tochter wird öfter mit dem Schwanz wedeln, weil Mai mit ihm Gassi geht.

Vermissen wird Mai, das weiß er jetzt schon, die Gespräche mit seinen Mitarbeitern und den Bürgern. Auf den Weg gebracht hat er zuletzt noch den Bau des Kindergartens in Rotensol (Spatenstich im Februar) und die Stadtkernsanierung mit Blick auf die Ortseingänge Gernsbacher und Ettlinger Straße. Außerdem habe es in Sachen Siebentäler Therme bei den Gesprächen in Stuttgart "deutlich positive Zeichen" gegeben. Mai bekräftigte stets, wie wichtig das Bad für die Kur­stadt ist. Jedoch: Was künftig Priorität habe, müsse nun sein Nachfolger Hoffmann mit den Stadträten festlegen.

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 130891

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