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Bad Herrenalb Verlustreduzierung der Bäderbetriebe auf null Euro

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Die Therme bietet Badevergnügen im 30 bis 35 Grad Celsius warmen Wasser an. Foto: Archiv Foto: Schwarzwälder Bote

Die Therme liegt am malerischen Ortseingang von Bad Herrenalb, eingebettet zwischen den Parkanlagen der Schweizer Wiese und dem Falkenstein. Das Heilwasser wird aus einer mineralischen, urzeitlichen Wasserblase in 625 Metern Tiefe gewonnen. Das klingt nach Idylle, Ruhe und Entspannung. Allerdings kommt es da sehr darauf an, wen man fragt.

(mak). Am 25. April vorigen Jahres wurde in Bad Herrenalb bei Stimmenpatt der Haushalt 2018 abgelehnt. In der Gemeinderatssitzung am 16. Mai gab es dann nur noch eine Gegenstimme und eine Enthaltung.

Wobei diese Beschlüsse den Ausschlag dafür gaben: "Der Gemeinderat beschließt, den Verlust des Eigenbetriebs ›Touristik Bad Herrenalb‹ im Haushaltsjahr 2019 auf 200 000 Euro zu deckeln. Nach Vorlage des Tourismuskonzeptes wird über die Festsetzung der weiteren Verlustzahlungen ab 2020 beschlossen." Außerdem sagten die Stadträte "Ja" dazu, dass die von der Stadt "zu beeinflussenden Einnahmen" bis zum 31. Dezember 2019 "in der durchschnittlichen Einnahmensumme" um zehn Prozent gesteigert werden müssen. Des Weiteren wurde Bürgermeister Norbert Mai beauftragt, "eine Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH einzuberufen. Dort ist bis 31. Dezember 2018 eine Entscheidung zur Verlustreduzierung der Bäderbetriebe auf null Euro ohne direkte oder indirekte Risikobeteiligung der Stadt Bad Herrenalb herbeizuführen. Die aus der getroffenen Entscheidung folgenden Maßnahmen sind bis zum 30. Juni 2019 vollständig umzusetzen."

Wie Rathauschef Mai auf Anfrage unserer Zeitung Anfang Dezember des vorigen Jahres sagte, sei ein Schnellschuss nicht hilfreich.

Er könne die Gesellschafterversammlung nur einberufen, wenn er eine klare Weisung des Gemeinderats erhalten habe. 2018 werde es wohl keine Einigung im Gremium geben, weil Gespräche mit potenziellen Investoren "noch nicht zu Ende geführt sind".

Der Jahresabschluss 2017 der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH wurde mit einem Fehlbetrag in Höhe von rund 463 000 Euro festgestellt. Die einzelnen Sparten hatten folgende Betriebsergebnisse: Stromvertrieb 254 000 Euro Gewinn, Stromnetz 173 000 Euro Gewinn, Wasserversorgung 154 000 Euro Gewinn, Siebentäler Therme 923 000 Euro Verlust, Freibad 144 000 Euro Verlust, Dienstleistungen 23 000 Euro Gewinn.

Bad Herrenalb. "Es gibt so viele Mängel, die auf einfachste Art zu beseitigen wären", sagt Winfried Blum aus Karlsruhe, der zehn Jahre lang Stammkunde in der Siebentäler Therme war. Er berichtet von quietschenden Stühlen, von lauten, ratternden Uhren in der Sauna, von Lärm im Ruheraum und von Zugluft. Laut eigener Aussage ist er nicht der Einzige, der unzufrieden ist. Ganze Cliquen seien im Laufe der Jahre weggeblieben, "und das wundert mich auch nicht", sagt Blum. Viele der Probleme seien auf seine Anmerkung hin behoben worden, jedoch oft erst nach langer Zeit, beschwert sich der ehemalige Stammgast. "Weil die ratternde Uhr in der Sauna nach Wochen noch nicht repariert war, habe ich Werkzeug und Öl mitgenommen und mich darum gekümmert. Dass die Uhr wieder läuft, habe ich der Geschäftsführerin, Karina Herrmann, mitgeteilt. Sie hat gemeint, dass da trotzdem eine neue Uhr eingebaut werde, weil sie bestellt sei." Damit aber noch nicht genug.

Steckdose zugeklebt

Die Brause im Dampfbad sei monatelang locker gewesen und eine Steckdose im Umkleideraum habe nicht funktioniert und sei dann ganz zugeklebt worden. Die Begründung habe gelautet, sie liege im Nassbereich und es gebe genügend Alternativen. Das sieht Blum anders. Er hat eine Menge Verbesserungsvorschläge parat. "Den Ruheraum im Erdgeschoss könnte man zum wirklichen Ruheraum mit geschlossenen Wänden umbauen und ihn besser heizen." Außerdem wünscht er sich eine größere Außensauna und ein Dach über der Raucherecke. "Im Laufe der Jahre habe ich den Verantwortlichen mehrere Mängel gemeldet und Vorschläge gemacht, wie man sie beseitigen könnte. Und die Antworten waren teils grenzwertig!"

Blum sagt, ihm sei von der Geschäftsleitung nahegelegt worden, die Therme nicht mehr zu besuchen. "Dieser Aufforderung komme ich gerne nach", meint der leidenschaftliche Saunagänger. Seine Dauerkarte wollte er sich auszahlen lassen, "aber das ging nicht, weil das Kassenpersonal es nicht hinbekommen hat." Das Restguthaben ist inzwischen aber fast aufgebraucht. Was der Mann in der Siebentäler Therme zu schätzen wusste, war die familiäre Atmosphäre. "In Zukunft werde ich darauf aber verzichten." Er zählt einige andere Thermen in der Umgebung auf, auf die er nun ausweichen will.

"Herr Blum hat sich in den letzten Jahren immer wieder beschwert", bestätigt Karina Herrmann, Geschäftsführerin der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH. "Und wenn Beschwerden eingehen, dann nehmen wir die ernst und kümmern uns darum", versichert sie. Einige Dinge seien recht schnell umsetzbar, andere brauchten etwas mehr Zeit. "Manchmal muss man erst etwas Neues bestellen." Gewisse Umbauarbeiten seien nur in der Zeit im Jahr zu machen, in der das Bad geschlossen sei. "Eine kaputte Fliese auszutauschen geht prinzipiell schnell, aber über neue Fliesen darf eine Weile lang niemand laufen. So etwas kann man nur machen, wenn sowieso niemand da ist."

Für Badekappenpflicht

Und dann sei da noch die dritte Art von Beschwerde, nämlich die, die relativ zu sehen sei. "Wir haben bis zu 140 000 Besucher. Es ist unmöglich, es allen recht zu machen." Was für den einen ein Mangel sei, könne für den anderen positiv sein. "Manche Gäste wünschen sich einen sehr lauten, imposant zelebrierten Aufguss, andere wollen es lieber ruhig und unauffällig." Dann gebe es Gäste, die eine Badekappenpflicht wollten, viele seien da jedoch dagegen. Besucher mit Kindern fragen laut Hermann, warum nicht schon Babys in die Therme mitkommen dürfen, Gäste ohne Kinder wünschten sich überhaupt keine unter 14-jährigen Besucher.

Mails stets beantwortet

Und bei all den unterschiedlichen, teils leicht, teils schwer umsetzbaren Anmerkungen, kämen die meisten von Blum, erklärt Hermann. "Wir sind dankbar für Verbesserungsvorschläge und setzen sie nach besten Kräften und so schnell wie möglich um. Doch ich habe das Gefühl, dass wir machen können, was wir wollen. Herr Blum scheint nie zufrieden zu sein", meint sie mit Bedauern. Sie habe seine Mails stets beantwortet und erklärt, wann und ob seine Vorschläge umgesetzt werden. "Wenn wir sie nicht oder nicht gleich umsetzen konnten, habe ich ihm erklärt woran das liegt."

Einige der Anregungen seien mit zu viel Aufwand verbunden gewesen. "Wir investieren jährlich 100 000 Euro nur in die Instandhaltung des Bads. Es ist von 1970, also nicht mehr gerade neu. Und wenn die Verschleißerscheinungen beseitigt sind, dann ist noch nichts renoviert." Daher sei genau zu überlegen, welche Neuerungen wirklich nötig seien. "Wir achten auch darauf, ob Dinge von einzelnen Besuchern bemängelt werden oder von vielen." In jüngster Zeit hätten sich die Gäste mehrfach eine größere Sauna gewünscht. "Die wird nun deshalb auch gebaut." Es sei eine Gratwanderung, wenn man auf die Wünsche aller Besucher eingehen wolle. "Wir freuen uns über Anreize zur Verbesserung, doch Blum war stets sehr unerfreut, wenn nicht auf jede seiner Anmerkungen sofort eingegangen wurde."

Ein Thermenbesuch solle schließlich Erholung sein, da die Besuche bei dem ehemaligen Stammgast jedoch eher Unbehagen und Ärger auslösten "müssen wir leider sagen, dass es für ihn möglicherweise besser wäre, eine andere Therme zu besuchen, die seinen Bedürfnissen entspricht. Wir verzichten ungern auf ihn, aber nachdem wir auf all seine Hinweise eingegangen sind und ihn dennoch nicht glücklich machen konnten, sind uns die Hände gebunden."

Einen Rückgang der Besucherzahlen kann Hermann übrigens nicht bestätigen. Beim Bau der Gartenschau im vorletzten Jahr sei eine vorübergehende Minderung zu beobachten gewesen, von der jetzt jedoch keine Spur mehr sei. "Niemand will bei Baulärm in der Sauna entspannen", sagt Hermann. "Aber seit die Arbeiten abgeschlossen sind, haben wir wieder viele Besucher."

Ihre Redaktion vor Ort Bad Wildbad

Markus Kugel

Fax: 07051 20077

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