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Bad Herrenalb Teurer Beitrag für zwei Tourismusverbände

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Geschäftsführerin Bettina Reitze-Lotz (links) bei ihren Ausführungen: Informationen über Albtal Plus gab es in der Bad Herrenalber Gemeinderatssitzung im September vorigen Jahres. (Archivfoto) Foto: (sb)

Bad Herrenalb - Die Stadt Bad Herrenalb ist Mitglied in gleich zwei Tourismusverbänden: Albtal Plus und Nördlicher Schwarzwald. Das kostet die Kur­stadt einen jährlichen Beitrag von stolzen 120.000 Euro. Die Stadtverwaltung will diese Doppelstruktur prüfen. Ein Branchen-Experte sagt: Von der derzeitigen Situation hat Bad Herrenalb keine Vorteile.

Dass sich Bad Herrenalb geografisch wie kulturell in einer Randlage befindet, ist nichts Neues. Die Zerrissenheit mündete 2016 in einen Bürgerentscheid, bei dem sich die Herrenalber mit knapper Mehrheit für den Landkreis-Wechsel von Calw nach Karlsruhe entschieden hatten – dem der Landtag aber nicht zustimmte. Im ÖPNV profitieren die Bürger von der Randlage, denn als einzige Stadt im Kreis Calw gehört das Stadtgebiet von Bad Herrenalb seit 1994 zum Karlsruher Verkehrsverbund. Seit 1997 gilt bei Fahrten in den Kreis Calw aber auch der Tarif des Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw.

Besser konzentrieren

Während die Kurstadt diese Doppelstruktur im ÖPNV nichts kostet, muss sie dafür im Tourismus tief in die Tasche greifen. Dort gehört sie sowohl zum Verband Albtal Plus, dessen Haupteinzugsgebiete die Stadt und Landkreis Karlsruhe sind, und zur Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald (TNS) des Landeskreises Calw. Für Albtal Plus zahlt Bad Herrenalb jährlich einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 70.000 Euro, für die TNS 50.000 Euro. Damit machen die Mitgliedsbeiträge fast die Hälfte des Jahresdefizits von gut 270.000 Euro des Eigenbetriebs Tourismus und Stadtmarketing aus. Bereits im April gab die Stadtverwaltung bei der Vorstellung des diesjährigen Wirtschaftsplans bekannt, ihre Mitgliedschaften überprüfen und besser konzentrieren zu wollen.

Für den in Ettlingen ansässigen Verband Albtal Plus steht fest: "Bad Herrenalb ist Teil des Albtals und der Identität Albtal – damit Teil der Destination Albtal", meint Geschäftsführerin Bettina Reitze-Lotz. Die Bekanntheit und Beliebtheit sei in den vergangenen Jahren "merklich gestiegen" und das Albtal "ein attraktives Ziel im Nahbereich und für Kurzurlaube". Reitze-Lotz betont: Man sehe sich nicht in Konkurrenz zur TNS, sondern "in Kooperation und ergänzend". Die Albtal-Plus-Geschäftsführerin verdeutlicht: "Ein entweder oder ist aus unserer Sicht nicht sinnvoll, eine stärkere Vernetzung und Kooperation dagegen immer."

Nicht ganz so optimistisch sieht das Wolfgang Weiler von der Stabsstelle Kommunikation der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG). Sie ist die nächsthöhere Ebene im Tourismusbereich. Zwölf Land- und vier Stadtkreise sind Mitglied bei der STG – darunter auch der Kreis Calw –, während bei Albtal Plus und der TNS die Kommunen Mitglieder sind. Mit Blick auf die teure Doppelmitgliedschaft von Bad Herrenalb sagt Branchen-Experte Weiler auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten: "Zu überlegen wäre schon, ob eine Doppelmitgliedschaft in beiden Gemeinschaften für Bad Herrenalb Sinn macht. Vorteile ergeben sich aus der übergeordneten STG-Perspektive für Bad Herrenalb daraus nicht." Im Gegenteil: Weiler sieht Parallelen zum "Kleinklein der Jahre bis 2006".

Wenig effizient

In jenen Jahren waren die Tourismusorte im Schwarzwald Mitglied in einem der drei Regionalverbände und im Tourismusverband Schwarzwald. Zersplittert und wenig effizient, weshalb alle 2006 in der STG miteinander verschmolzen wurden. Anders als heute waren da noch die Kommunen selbst Mitglied der STG. Das Problem: Kleinere Tourismusorte befürchteten, neben den großen, marktrelevanten Orten ins Hintertreffen zu geraten. 2009 änderte die STG daher ihre Struktur, statt der Kommunen wurden nun die Kreise Gesellschafter.

Weiler erklärt: "Die damalige Gebietsgemeinschaft Touristik Nördlicher Schwarzwald verfügte bei ihrer Auflösung noch über erhebliche finanzielle Mittel und sah sich zugleich touristisch und organisatorisch im Hintertreffen gegenüber den anderen Tourismusregionen. Deshalb gründete die STG zusammen mit einigen Orten der ehemaligen Gebietsgemeinschaft das Touristische Aktionsbündnis Nördlicher Schwarzwald zur Förderung kooperativer Strukturen und touristischer Produkte im nördlichen Schwarzwald, was auch sehr gut gelungen ist." Als jedoch die Mittel des Aktionsbündnisses aufgebraucht waren, habe der Landkreis Calw die Bezeichnung TNS gekapert und machte daraus die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald. "Als eine Art Gegenbewegung im eigentlich viel größeren Gebiet des nördlichen Schwarzwaldes gründeten die Kommunen im Einzugsgebiet des Albtals 2012 die Tourismusgemeinschaft Albtal Plus", veranschaulicht der Branchen-Experte und fügt hinzu: "Mithin sind die Tourismusgemeinschaft Albtal und die Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald eigentlich Geschwister – oder sollten es im Geiste sein. Idealerweise würden sie gemeinsam eine starke Kooperation bilden. Das könnte die Marke Schwarzwald weiter stärken." Weiler spricht von "eigentlich klaren Strukturen" im Tourismusbereich, die jedoch "in der Alltagswirklichkeit leider immer wieder verwaschen werden, weil einzelne Systempartner an den Strukturen vorbei agieren wollen oder weil sie Substrukturen und Marktmacht aufbauen wollen".

Wie also wird sich Bad Herrenalb entscheiden? Was wurde seit der Ankündigung im April, die Mitgliedschaften überprüfen zu wollen, bereits umgesetzt? Auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten sagt Stadt-Sprecher Christian Siebje: "Wir befinden uns derzeit in der Prüfungsphase. Die Frage nach der Ausrichtung des Tourismus hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem ganz entscheidend davon, in welche Richtung die Stadt sich im Rahmen des Prozesses Stadtentwicklung 2030 entwickeln möchte. Dieser Prozess ist Gegenstand intensiver Beratungen von Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bürgerschaft sowie den zuständigen Behörden im Landkreis und im Land. Der Prozess wurde neu angestoßen und ist noch nicht abgeschlossen. Ein konkretes Ergebnis oder ein Szenario zu benennen, wäre zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation."

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