Der Männergesangverein Bad Herrenalb machte den Anfang beim Chorkonzert in der evangelischen Klosterkirche … Foto: Schwarzwälder Bote

Musik: Zungenschnalzer beim Lied über Fleisch / "Lesedi Show Choir" in Klosterkirche

Der "Lesedi Show Choir" aus Südafrika hat mit seinem Auftritt in der evangelischen Klosterkirche von Bad Herrenalb die Zuhörer verblüfft. Was als Chorkonzert im Rahmen des sechsten Badischen Chorfestivals angekündigt war, entpuppte sich als temperamentvolle Show aus Gesang und Tanz.

Bad Herrenalb. Mit dem Begriff Chorkonzert verbindet man in unserem Kulturkreis eine Gruppe Menschen, die in Reih und Glied stehen und konzentriert singen. Diese Erwartungen erfüllte der Männergesangverein (MGV) Bad Herrenalb, der zum Konzert am Sonntagnachmittag eingeladen hatte.

Als großer Männerchor, der sich dem traditionellen deutschen Liedgut verbunden fühlt, sang er "Maidl, lass dir was erzählen" und "Röslein auf der Heide".

In der Formation "Kleiner Chor" sang er auch in anderen Sprachen. Zwei irische Volkslieder waren zu hören. Eines wurde von Dirigent Makitaro Arima als Solist begleitet. Ein kleiner Mann mit großer Bariton-Stimme. Was ein großer Männerchor stimmlich bewältigt, beeindruckte beim Lied des Gefangenenchors aus der Oper Nabucco.

Dann trat der MGV Bad Herrenalb geordnet ab. Noch bevor die Sänger ihre Plätze in den Bankreihen der Kirche eingenommen hatten, stürmten fünf Sängerinnen und sieben Sänger aus Südafrika auf den freien Platz vor dem Altar. Lauthals singend und mit großen Gesten tanzend erklang ein Gospel, der Gott und die Ahnen zum Fest einlud. So erklärte das Eva Buckman, die den Chor begleitete und einige Hintergrundinformationen gab.

Mehr Vortänzer, weniger Dirigent

Der "Lesedi Show Choir" aus Heidelberg in der südafrikanischen Provinz Gauteng südlich von Johannisburg sang und tanzte von Lied zu Lied. Gesang und Bewegung waren nicht zu trennen. Chorleiter Thabang Mokoena wirkte mehr als Vortänzer und weniger als Dirigent. Und zum Singen gehörte immer auch das Tönen. Da wurde gepfiffen, gequietscht, geklatscht, gejauchzt. Besonders exotisch waren Klicklaute, die einer afrikanischen Sprache nachempfunden waren. Ein Lied über Fleisch wurde von Zungenschnalzern rhythmisch begleitet.

Ein Beitrag erinnerte an afrikanische Kriegstänze. Der Gesang wurde zum Geschrei, es wurde getrommelt und die Füße wurden so heftig und breitbeinig aufgesetzt, dass der Kirchenboden wackelte. Wenn sich die Worte "Jesus", "God" oder "Halleluja" aus dem meist unverständlichen Texten lösten, wusste man, um was es ging. Eines der Lieder war ganz einfach. Es wiederholte den Satz "Love is good!" "Love and Peace" sei die Botschaft des afrikanischen Chors auf seiner Rundreise durch Deutschland, erklärte der Chorleiter auf Englisch.

Mit Versen der afrikanischen Hymne "Gott schütze Afrika" endete die Show.

Man könnte meinen, der "Lesedi Show Choir" habe dem MGV die Show gestohlen. Aber nein: MGV-Vorsitzender Rainer König dankte überschwänglich, umarmte Thabang Mokoena, gab Makitaro Arima die Hand. Dann stürmten die afrikanischen Gäste singend und tanzend aus der Kirche. Auf dem Vorplatz machten sie weiter. Sie sangen, tanzten und verkauften Ketten aus Glasperlen zur Finanzierung ihrer weiten Flugreise.