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Bad Herrenalb Supermarkt-Räuber gibt Überfälle zu

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Vor dem Landgericht Tübingen werden derzeit die Überfälle auf Supermärkte in Bad Herrenalb und Dobel verhandelt. Foto: M. Bernklau

Bad Herrenalb/Tübingen - Wegen bewaffneter Raubüberfälle auf zwei Supermarkt-Filialen in Bad Herrenalb und Dobel steht seit Freitag ein 33-Jähriger vor dem Landgericht Tübingen. Staatsanwältin Edith Zug wirft ihm zudem einen nächtlichen Einbruchdiebstahl bei einem Optiker in der Bad Herrenalber Innenstadt sowie eine gefährliche Körperverletzung vor.

Der gebürtige Kasache war dieses Frühjahr aus einer Langzeittherapie im Pfälzer Wald heraus festgenommen worden – knapp zwei Jahre nach den Überfällen. Wie die Ermittler auf seine Spur gekommen waren, kam im Prozess zunächst noch nicht zur Sprache. Dafür nahm der Vorsitzende Ulrich Polachowski das Angebot des Verteidigers für Gespräche über eine Verständigung an, einen sogenannten Deal: Für Geständnisse zu den beiden Überfällen sollten die anderen Anklagepunkte fallengelassen oder ein milderer Strafrahmen zugesagt werden.

Der erste Überfall am 15. Oktober 2018 galt dem Penny-Markt in Bad Herrenalb in der Ettlinger Straße. Kurz vor dem abendlichen Geschäftsschluss hatte ein mit Schal maskierter Räuber die Kassiererin mit einer Schusswaffe bedroht und gut 2600 Euro Tageseinnahmen in eine Stofftasche gerafft. Nur neun Tage später wurde auf ganz ähnliche Weise gegen 19 Uhr der Netto-Markt in Dobel ausgeraubt.

Diesmal war ein Komplize dabei, der zusätzlich mit der Zündung einer Handgranate drohte. Die beiden Angestellten händigten den mit Pistolen bewaffneten Männern rund 3300 Euro aus, die in einen Rucksack gestopft wurden. Direkt nach der Flucht rief die aus der überfallenen Filiale nachgestürmte Kassiererin die Besatzung eines zufällig in der Nähe stehenden Feuerwehrautos um Hilfe: "Festhalten! Festhalten!" Doch die beiden Täter konnten bei Dunkelheit unerkannt in den nahen Wald entkommen.

Sonnenbrillen im Wert von 9000 Euro gestohlen

Der dritte angeklagte Fall hatte sich schon im Juni 2018 ereignet. Auf der Bad Herrenalber Kurpromenade war irgendwann in der Sommernacht die Schau­fensterscheibe eines Optikers mit einem Stein eingeschlagen worden. Vermutlich, so die Staatsanwältin auf Nachfrage, kletterten der oder die Täter über die Auslagen, drangen in die Geschäftsräume ein und nahmen 156 hochwertige Sonnenbrillen im Verkaufswert von knapp 9000 Euro mit. Der hinterlassene Glasschaden kostete noch einmal knapp 5000 Euro.

Beim vierten Fall, Herbst 2019, soll der Angeklagte einen Mann in dessen Bad Herrenalber Wohnung mit einer Eisenstange schwer misshandelt haben, um ihn zu erpressen. Doch dem Bedrohten gelang die Flucht vor seinem Peiniger. Nach der Verhandlungspause begann der 33-jährige Kasache, von einer versierten Dolmetscherin flüssig aus dem Russischen übertragen, mit seinen detaillierten Geständnissen zu den beiden Überfällen.

Er habe sie begangen, um seine Sucht finanzieren zu können, sagte er: Heroin, Kokain, dazu von frühmorgens an täglich Bier, dann Wodka und Whisky, bis zu zwei Flaschen Schnaps täglich. Er wolle die mit der Waffe an den Schläfen bedrohten Kassierer um Entschuldigung bitten "für die ausgestandene Angst", schickte er voraus. Er sei zur Zeit der Taten "voll auf Drogen" gewesen. Seine Gaspistole sei "nicht geladen" gewesen, gab er an.

Komplize bis heute unbekannt

Den bis heute unbekannten Mittäter will der Kasache am Vormittag des Überfalls von Dobel beim Drogenkauf in einem Pforzheimer Park kennengelernt haben. Er habe ihm von der Penny-Geschichte erzählt. Bis zum Abend habe man sich gemeinsam betrunken und den Netto-Coup abgesprochen. In seiner Wohnung habe er dem Komplizen die Handgranaten-Attrappe und eine Pistolen-Imitation aus seiner Feuerzeug-Sammlung mitgegeben. Dann ging es per Bus nach Dobel, wo man den Einbruch der Dunkelheit abwartete.

Nach dem gelungenen Überfall hätten sie die Nacht im Wald verbracht, dort die Waffen, einige Klamotten und die Maskierungen vergraben, die Beute "halbe-halbe, wie sich das gehört" geteilt und sich anderntags irgendwie nach Karlsruhe durchgeschlagen.

Er habe, versicherte der Angeklagte, inzwischen "Distanz zu Drogen" und habe sich schon in der Pfälzer Langzeit-Therapie "stabil" gefühlt. "Erst im Knast", wo er wegen einer schweren Schlägerei im Suff habe einsitzen müssen, sei er süchtig geworden nach den harten Stoffen, vor allem Heroin. Nach dem Verlust seiner vier Jahre währenden Arbeit als Trockenbauer in der Firma seines Schwagers, sei es ab 2017 "immer schlimmer geworden", sagte er.

Die Verhandlung wird bereits am Montag, 5. Oktober, mit den Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Ursprünglich war der Indizienprozess auf weitere fünf Tage bis Ende des Monats terminiert. Die Geständnisse könnten nun zu einem schnelleren Urteil ­führen.

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